Zukunftsvorsorge: Neuer Gesetzesentwurf senkt Aktienquote von 40 auf 30 Prozent

Eine geplante Änderung senkt den gesetzlich vorgesehenen Aktienanteil von heute 40 Prozent auf 15 bis 30 Prozent.

Für die 1,3 Millionen Kunden der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge sollen in Zukunft andere Spielregeln gelten. Bisher verlangte der Finanzminister im Gegenzug für die jährliche Prämie (von derzeit 9,5 Prozent) einen Mindestaktienanteil von 40 Prozent. Ein noch nicht veröffentlichter Entwurf einer Gesetzesänderung, der FORMAT vorliegt, sieht eine deutliche Absenkung der Aktienquote vor. Sowohl bei bestehenden als auch bei künftig erst abgeschlossenen Verträgen soll die Mindestaktienquote generell auf 30 Prozent gesenkt werden. Zusätzlich soll es im Zuge eines sogenannten Lebenszyklusmodells möglich sein, den Aktienanteil weiter zu reduzieren. Das Guthaben von Kunden, die das 40. Lebensjahr vollendet haben, braucht nur noch zu 25 Prozent in Aktien angelegt werden, bei über 55-Jährigen nur noch zu 15 Prozent.

Variante ohne Kapitalgarantie
Weitere Änderung: Zusätzlich zu der bisherigen Form von Verträgen mit Kapitalgarantie soll es Kunden auch erlaubt sein, in neuartige Varianten ohne Kapitalgarantie einzusteigen. Diese garantielosen Verträge hätten den Vorteil, dass die Garantiekosten, die ein bis eineinhalb Prozent pro Jahr ausmachen, entfallen. Matthias Frisch (im Bild) , Leiter der Lebensversicherung der Wiener Städtischen: „Garantielose Varianten dürfen aber nur dann angeboten werden, wenn der Kunde auch Verträge mit Garantie wählen kann.“ Laut dem seit drei Wochen ausgeschickten Gesetzesentwurf soll die Änderung bereits am 1. September in Kraft treten. Da das wegen der Sommerpause praktisch unmöglich ist, dürfte es sich um ein paar Monate verzögern. Johann Wilfling, Versicherungsjurist bei der Wiener Städtischen: „Für die Versicherungswirtschaft wäre zum Beispiel ein Beginn mit 1. Dezember sinnvoll.“

Aktienquote neutralisiert
Später dürfte es kaum werden, weil aus Sicht der Anbieter die Zeit drängt. Momentan sind nämlich praktisch alle Unternehmen meilenweit von der gesetzlichen Aktienquote von 40 Prozent entfernt. Weil durch den massiven Kursrutsch der Aktien viele Verträge ins Minus gerutscht sind, droht in ein paar Jahren die Kapitalgarantie schlagend zu werden. Deshalb haben die meisten Produktanbieter die Aktien mehr oder weniger vollständig abgesichert. Allerdings verschlingt das hohe Sicherungskosten, die durch eine niedrigere Aktienquote gesenkt werden könnten. Letztlich werden diese Sicherungskosten den Kunden verrechnet. Grundsätzlich wird der Gesetzesentwurf sowohl von den Versicherungen als auch von der Fondsbranche begrüßt, die ebenfalls Anbieter von Zukunftsvorsorge-Verträgen ist. Allerdings müssten laut Dietmar Rupar, Chef des Fonds­verbandes VÖIG, bei Fondsvarianten Probleme beim Lebens­zyklus-Modell gelöst werden, weil die Fondsgesellschaften derzeit gar nicht wüssten, wie alt die Kunden sind. Rupar sieht aber auch Chancen: „Fondsgesellschaften könnten sich auf Produkte ohne Kapitalgarantie spezialisieren.“

Von Martin Kwauka und Carolina Burger

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