Zukunftsvorsorge: Meist wird nur die garantierte Mindestauszahlung ausgeschüttet

Die Zukunftsvorsorge ist mit 1,4 Millionen Kunden das wichtigste Produkt mit Kapitalgarantie. Allerdings werden viele Kunden kaum mehr bekommen als die garantierte Mindestauszahlung. Die meisten Versicherungen sagen nicht, welche Tarife betroffen sind.

Im Allgemeinen werden Versicherungsmakler von den Assekuranzen äußerst zuvorkommend behandelt. Falls die Makler Informationen benötigen, werden diese meist schon am gleichen Tag geliefert. Schließlich hofft jede Versicherung, ins Geschäft zu kommen. Doch mit der Reaktion auf die jüngste Anfrage der Vermittler lassen sich die Gesellschaften auffällig lange Zeit.

Rudolf Mittendorfer, Obmann der Wiener Versicherungsmakler, ist verärgert: „Wir haben 20 Versicherungen vor über acht Wochen einen Fragebogen zur prämiengeförderten Zukunftsvorsorge geschickt. Bis jetzt sind nur zwei Antworten zurückgekommen. Und die Banken, die wir ebenfalls angeschrieben haben, weigern sich überhaupt, uns Auskünfte zu geben.“

Informationen nicht ausreichend

Auch Maria Reiffenstein, Sektionschefin für Konsumentenschutz, kritisiert die Verschwiegenheit der Anbieter: „Die Informationen über die Zukunftsvorsorge an die Kunden sind nicht ausreichend, die erforderliche Transparenz ist nicht gegeben.“

Ganz offensichtlich ist das Thema den meisten Instituten zu heiß. Schließlich ist die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge im Börsencrash vom Herbst 2008 kräftig in Turbulenzen gekommen. Viele Produkte laborieren bis heute noch an den Spätfolgen, die bis zum Ende der Laufzeit anhalten können.

Die Notbremse gezogen

Das Kernproblem ist die Kapitalgarantie, mit denen alle Zukunftsvorsorgeprodukte ausgestattet sein müssen. Infolge der hohen Kursverluste drohten die Garantien schlagend zu werden. Weil die Garantiegeber hohe Ausgleichszahlungen befürchteten, wurde kurzerhand die Reißleine gezogen und die ertragswirksame Aktienquote heruntergefahren, in vielen Fällen sogar auf null. Und das nicht nur vorübergehend, sondern auf Dauer.

Laut einer im Jänner veröffentlichten Untersuchung der Finanzmarktaufsicht FMA waren 14 von 22 analysierten Zukunftsvorsorgefonds ausgestoppt worden, deren Namen wurden allerdings nicht genannt. Der Fachbegriff „ausgestoppt“ bedeutet, dass ein Garantieprodukt das gesamte Risikokapital verspielt hat und deshalb das noch verbleibende Vermögen bis zum Ende nur noch auf Nummer sicher veranlagt wird. Auch wenn die Börsen wieder stark steigen, profitieren die Kunden nicht mehr davon. Mit anderen Worten: Das Sicherheitsnetz hat gehalten, das Geld ist aber dort gefangen.

Massenprodukt Zukunftsvorsorge

Das zeigt zum Beispiel der Kursverlauf des Zukunftsvorsorgefonds Espa Vorsorge Classic 03. Nach einer langen Aufwärtsphase ging der Fonds im Herbst 2008 in die Knie. Seitdem tut sich fast gar nichts mehr. Der Kurs-Chart gleicht einer geraden Linie. Unter dem Strich hat der Fonds in den vergangenen fünf Jahren gerade einmal drei Prozent Gewinn gemacht und wird sich auch in den kommenden Jahren kaum vom Fleck bewegen.

Dass es auch anders geht, zeigt der Apollo 32 der Capital Bank, der von zehn Versicherungen eingesetzt wird, darunter die Basler, die Grazer Wechselseitige, die Helvetia und die Nürnberger. Der von ihnen verwendete Zukunftsvorsorgefonds konnte die erlittenen Kursverluste großteils wieder aufholen und liegt im Fünfjahresvergleich immerhin 15 Prozent im Plus. Fondsmanager Peter Ladreiter: „Die ertragswirksame Aktienquote schwankt je nach Börsenlage zwischen null und 40 Prozent. Heuer haben wir im Schnitt 30 Prozent in Aktien investiert.“

Die beiden Beispiele zeigen, dass sich hinter dem Massenprodukt Zukunftsvorsorge, das mit über 1,4 Millionen Kunden das populärste Garantieinvestment ist, inzwischen völlig unterschiedliche Varianten verbergen. Deshalb wäre es besonders wichtig, dass den Kunden wenigstens klare Informationen über die Renditechancen ihrer Verträge erteilt werden.

Schließlich laufen die Verträge meist sehr viel länger als die gesetzliche Mindestbindung von zehn Jahren. Kurt Molterer, Chef der Nürnberger Versicherung: „Wir liegen im Schnitt deutlich über 20 Jahren.“ Selbst ein moderater Ertrag von sechs Prozent pro Jahr würde die Einzahlungen mehr als verdoppeln. Eine reine Kapitalgarantie würde nicht einmal die Kaufkraft der Prämien erhalten. Makler- Obmann Mittendorfer: „Wenn man nach 20 Jahren lediglich sein Geld zurückbekommt, ist das Augenauswischerei. Die Garantie ist bei solchen Laufzeiten nur eine Beruhigung für Menschen, die nicht gut rechnen können.“

Guter Rat ist teuer

Angesichts der Schweigsamkeit über die aktuelle Aktienquote und damit die künftigen Chancen der Zukunftsvorsorgeprodukte ist es für die Kunden fast unmöglich, richtig zu reagieren. Außerdem sind die Handlungsmöglichkeiten begrenzt. In den ersten zehn Jahren ist es gesetzlich nicht möglich, den Anbieter zu wechseln. Zwar besteht laut einem Gerichtsurteil die theoretische Möglichkeit, den Versicherungsvertrag auch innerhalb der ersten zehn Jahre zu kündigen. Das führt aber wegen der hohen Spesen, der Nachverrechnung der KESt und der Rückzahlung der staatlichen Prämie zu hohen Verlusten. Erst nach den ersten zehn Jahren ist es ohne Abschläge erlaubt, das angesparte Vermögen auf ein besseres Zukunftsvorsorgeprodukt zu übertragen. Allerdings erreichen selbst die ältesten, im Jahr 2003 abgeschlossenen Verträge erst 2013 diese gesetzliche Mindestbindungsfrist.

Momentan besteht also hauptsächlich die Möglichkeit, weitere Einzahlungen in die Zukunftsvorsorge auszusetzen. Allerdings ist das auch keine Patentlösung. Erstens könnte es ja durchaus sein, dass das abgeschlossene Produkt noch Erträge erwirtschaftet. Zweitens wird bei Versicherungsverträgen schon am Anfang der Großteil der Spesen für die ganze Laufzeit abgezogen. Wer also seine Polizze prämienfrei stellt, wird angesichts der überproportionalen Spesenbelastung fast immer draufzahlen.

Finanzminister gefragt

Es bleibt immer noch die Hoffnung, dass der Finanzminister endlich auf das Problem der ausgestoppten Verträge reagiert und sinnvolle Lösungsmöglichkeiten gesetzlich verankert. Eine könnte sein, dass doch ein Produktwechsel vor Ablauf der ersten zehn Jahre erlaubt ist. Die zweite wäre eine Option, dass Kunden freiwillig auf die Garantie verzichten können. Dann könnte die Aktienquote sofort wieder angehoben werden.

Martin Kwauka

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