Zocker unter Druck: Kreditklemme und Dominoeffekt setzen Hedgefonds unter Druck

Die Finanzkrise trifft nun auch Hedgefonds. FORMAT analysiert, welche Veränderungen der Alternative-Investments-Branche bevorstehen.

Die Leerverkäufe von VW-Aktien kosteten Hedgefonds geschätzte 30 Milliarden Euro. Laut dem Londoner „Daily Telegraph“ sind das die größten Verluste, die Hedgefonds jemals mit Aktien eines einzigen Unternehmens eingefahren haben. Und das ist beileibe nicht das einzige Problem der Zunft. Allein im Oktober kamen den vermeintlich krisen­resistenten Veranlagungsvehikeln 155 Milliarden Dollar des verwalteten Geldes ­abhanden, weil die negative Rendite das Volumen um 115 Milliarden Dollar schmälerte und enttäuschte Investoren zusätzlich Fondsanteile im Wert von 40 Milliarden verkauften.

Düstere Prognosen
Im September und Oktober haben Alternative Investments insgesamt einen Verlust von 12 Prozent eingefahren, seit Jahresbeginn stehen minus 16 Prozent zu Buche. Spekulanten-Pionier George Soros glaubt, dass Hedgefonds noch stärker unter die Räder kommen werden. Er sieht beim weltweit verwalteten Geld von derzeit 1.560 Milliarden Dollar bis Ende des nächsten Jahres einen Rückgang um 50 Prozent voraus. Branchenexperten prognostizieren bereits das große Hedgefonds-Sterben. Die Anzahl der Produkte könnte sich von derzeit 10.294 auf etwa 5.000 reduziert haben, wenn sich der Rauch der Finanzkrise einmal verzogen hat (siehe Grafik ).

Krisenverursacher
Es gibt viele Gründe, warum Hedgefonds so unter Druck geraten sind:
Kreditklemme: Hedgefonds, die den Einsatz mit viel Fremdkapital hebeln, leiden, weil ihnen Banken keinen Kredit mehr ­gewähren. Die Folge: Aussichtsreiche ­Geschäfte können gar nicht mehr durchgeführt werden, oder der geringere Ka­pitaleinsatz führt zumindest zu einem Rückgang der Hebelwirkung. Damit versiegt eine wichtige Einnahmequelle. smn-Hedgefondsexperte Bernhard Füreder: „Hedgefonds bekommen auf verpfändete Wertpapiere heute oft nur mehr einen Bruchteil des Kredites von früher, auf manche Wertpapierarten gar keinen mehr. Die Banken haben Hedgefonds im Oktober sehr schnell alle Finanzierungen entzogen.“
Dominoeffekt: Der Wunsch vieler Anleger, ihre Hedgefonds-Anteile zu verkaufen, führte kürzlich dazu, dass die Fondsmanager Kasse machen mussten, um Auszahlungen bedienen zu können. Die Folge: Positionen mussten vorzeitig und oft mit Verlusten aufgelöst werden, was auch die Wiener Börse stark unter Druck setzte.

Gesundungsmaßnahmen
Jetzt wird intensiv über Maßnahmen debattiert, die die Hedgefonds-Branche wieder auf Kurs bringen sollen. So fordert François Duc, Uni-Professor und Experte für das Risikomanagement bei Hedgefonds bei der Schweizer Bank UBP: „Die Auszahlungsfrist muss bei riskanten Hedgefonds sinken, bei Hedgedachfonds sollen Anteilsrückgaben dagegen frühes­tens nach einer Dreimonatsfrist möglich sein“ (siehe Interview ). Auch bei den Spesen besteht Handlungsbedarf. Craig Baker, Analysechef des Consulters Watson Wyatt: „Die Hedgefonds-Gebühren sind im Vergleich zu den Erträgen zu hoch. Es gibt schon Zeichen, dass die Fondsmanager bei Spesenverhandlungen flexibler werden.“ Hedgefonds, die im Geschäft bleiben wollen, müssen zudem ihre Risikomodelle anpassen, damit sie Stresssituationen an den Finanzmärkten standhalten.

Von Robert Winter

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