Wo ist Ihr Geld noch sicher?

• Eurokrise: Ausufernde Staatsschulden bedrohen die Währungsunion und sorgen weltweit für stark schwankende Börsen. • Inflation: Die weltweiten Rettungspakete zur Stabilisierung der Wirtschaft könnten langfristig die Preisspirale in Gang setzen. • Magere Renditen: Die tiefen Zinsen führen schon jetzt zu einem schleichenden Kaufkraftverlust des Vermögens.

Wo ist Ihr Geld noch sicher?

Das Geld der Anleger ist derzeit gleich von mehreren Seiten bedroht: Die Eurokrise ist noch längst nicht ausgestanden, die milliardenschweren Rettungspakete könnten Spätfolgen wie einen starken Anstieg der Inflation hervorrufen. Doch selbst wenn das Schlimmste verhindert werden kann, werden zumindest die extrem niedrigen Sparzinsen die Kaufkraft des Vermögens noch längere Zeit verringern. FORMAT beantwortet deshalb 20 zentrale Fragen für Anleger, die ihr Geld möglichst gut durch alle Turbulenzen bringen wollen.

1. Wie groß ist die Gefahr, dass die Eurozone zerfällt, und wie kann man sich vor den Folgen schützen?

Ein komplettes Auseinanderbrechen der Eurozone ist sehr unwahrscheinlich, das Ausscheiden einzelner Staaten wie Griechenland ist aber durchaus möglich. Ein endgültiges Aus für den Euro wäre eine Megakatastrophe, deren Folgen kaum absehbar sind. Anleger können aber versuchen, durch eine breite Streuung des Kapitals auf Sachwerte wie Immobilien, Gold und auf einen internationalen Aktien- und Anleihenmix wenigstens halbwegs ungeschoren über die Runden zu kommen. Wer nur auf ein vermeintlich sicheres Instrument wie etwa ein Sparbuch setzt, läuft Gefahr, im Worst Case am falschen Fuß erwischt zu werden wie einst die Vorfahren in der Hyperinflation der 1920er-Jahre. Auch wenn ein extremer Crash ausbleibt und "nur“ die Euroschulden-Krise eskaliert, ist man mit einer vernünftigen Vermögensdiversifikation gut vorbereitet.

2. Steigt die Inflation stark an, oder droht Deflation?

Ein rascher Anstieg der Teuerungsrate oder gar eine Hyperinflation ist auf mittlere Sicht unwahrscheinlich. Momentan sprechen zwei wichtige Gründe gegen eine galoppierende Geldentwertung: Einerseits können Unternehmen wegen der schwachen Konjunktur keinen Preisdruck ausüben und dadurch die Inflation anfeuern. Andererseits verharrt die Geldumlaufgeschwindigkeit, ein wesentlicher Faktor für steigende Geldentwertung, in der Eurozone weiter auf tiefem Niveau. Seit Ende des Vorjahres ist die Eurozone-Inflation rückläufig und lag im Juli laut Eurostat bei 2,4 Prozent.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass die Inflation in der Eurozone bis Anfang 2014 abflauen wird und sich danach sogar eine Phase von Deflation, also eine Periode mit einem anhaltenden Rückgang des Preisniveaus, einstellen könnte. Diesem Szenario wird eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent eingeräumt. Somit ist nicht ganz auszuschließen, dass Europa in einigen Jahren auf den Spuren Japans wandelt, wo die Wirtschaft seit den 1990er-Jahren trotz tiefer Zinsen und Dutzender Konjunkturprogramme nicht wieder in die Gänge gekommen ist.

Fazit: Wohin die Reise langfristig geht, ist heute nicht sicher vorhersagbar. Deshalb müssen Anleger sowohl Inflation als auch Deflation einkalkulieren.

3. Welche Geldanlagen haben sich in früheren Krisen bewährt?

Während der Wirtschaftskrisen des 20. Jahrhunderts konnten unter allen Formen der Geldanlage nur physisches Gold und Immobilienbesitz weitgehend ihren Wert halten. Nach der Großen Depression zwischen 1929 und 1933 wurde die seit 1879 geltende Goldparität von 20,67 Dollar je Feinunze im Jahr 1934 auf 35 Dollar erhöht. Die Kaufkraft von Gold stieg bis 1940 stark an. Das gelbe Metall bot Anlegern auch während des Zweiten Weltkriegs Sicherheit. 1939 kostete eine Feinunze des Edelmetalls 35 Dollar, Ende 1945 lag der Preis bei 37,25 Dollar.

Im Ersten Weltkrieg war die Wiener Börse geschlossen, danach folgte ein rasanter Kursanstieg, der bis 1924 andauerte. In den folgenden Krisen kamen Investoren dagegen nicht so gut weg. Sowohl während der Großen Depression als auch im Zweiten Weltkrieg und im Laufe der aktuellen Finanzkrise sackten heimische Aktien ab.

Spareinlagen und Staatsanleihen wurden von 1922 bis 1925 durch die Hyperinflation praktisch wertlos. Am Papier stiegen die Einlagen zwar um das 800fache, die reale Kaufkraft ging aber gegen null. Die aktuelle Finanzkrise dürfte die Sparer wegen der fallenden Zinsen viel Geld kosten. Aktuell werfen Sparbücher weniger ab, als die Inflation an Kaufkraft kostet. Bei Lebensversicherungen waren die Krisenfolgen gemischt. In den 1920er-Jahren verfiel der Wert der Polizzen, weil Assekuranzen massiv in Kriegsanleihen investiert hatten, deren Wert den Bach runterging. Nach dem Börsencrash von 1929 zeigten sich dagegen kaum Folgen, weil Aktien bei der Veranlagung der Lebensversicherer nur eine untergeordnete Bedeutung hatten. 1938 wurden Polizzen auf Reichsmark konvertiert, nach dem Krieg herrschte Auszahlungssperre, Umrechnungsverluste beim Übergang zum Schilling kamen hinzu. In den vergangenen Jahren kamen Lebensversicherungen wegen der tiefen Zinsen und der sinkenden Gewinnbeteiligungen der Assekuranzen unter Druck.

Immobilien waren auf lange Sicht eine gute Wahl. Nach dem Ersten Weltkrieg kam Hausbesitzern der Inflationsanstieg zugute, weil der Realwert der Immobilienkredite fiel und die Immobilienpreise relativ stabil blieben. Auch in der Zwischenkriegszeit war Immobilienbesitz von Vorteil, da die Vermietung oft eine der wenigen Einnahmequellen von Hausbesitzern war. Seit Ausbruch der Finanzkrise folgte ein veritabler Immobilienboom (siehe Frage 12 ).

4. Wie sicher ist das Geld auf der Bank und bei bundesschatz.at?

Bei Sparguthaben auf österreichischen Banken greift die Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunde. Das trifft auch für Inlandstöchter von Auslandsbanken wie DenizBank und VakifBank zu. Generell werden alle Konten eines Kunden zusammengerechnet. Bei der ING-DiBa werden ebenfalls bis zu 100.000 Euro gesichert, allerdings in Deutschland, weil die Bank rechtlich ein deutsches Institut ist. Darüber hinaus ist die ING-DiBa dem Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken angeschlossen, der Kundeneinlagen jeweils bis zu einer Höhe von 30 Prozent des Eigenkapitals der ING-DiBa garantiert. Dies entspricht bis zu 1,35 Milliarden Euro je Kunde, ist aber eher ein theoretischer Wert, auf den man sich nicht wirklich verlassen sollte. Bei bundesschatz.at gibt es unbegrenzte Besicherung der Guthaben. Hier sind Sparer direkt Kunde der Republik Österreich. Restrisiko: Letztlich hängen alle Einlagensicherungen von der Zahlungsfähigkeit des jeweils verantwortlichen Staates ab.

5. Soll man jetzt das Geld am Sparbuch trotz der extrem niedrigen Zinssätze länger binden?

Die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank befinden sich mit 0,75 Prozent auf extrem tiefen Niveau. Es ist nicht zu erwarten, dass sich dieser Zustand bis 2014 grundlegend ändert. Wer jetzt sein Geld für zwei bis drei Jahre bindet, bekommt bis zu drei Prozent Zinsen und kassiert damit erheblich mehr als bei täglich fälligem Geld, wie ein Vergleich auf bankenrechner.at zeigt. Angesichts der herrschenden Unsicherheit macht es dennoch Sinn, einen Teil des Geldes verfügbar zu haben und keine langen Sparbuchbindungen einzugehen.

6. Wie solide sind Staatsanleihen aus Österreich und Deutschland? Gibt es höher verzinste Alternativen?

Bei den lange Zeit als "sicherer Hafen“ geltenden Staatspapieren der Alpenrepublik und des großen Bruders Deutschland ist derzeit nicht viel zu holen. Hüben wie drüben müssen Anleger nach Abzug der Inflation einen Kaufkraftverlust akzeptieren, lag doch Mitte der Woche die Rendite 10-jähriger Deutschland-Anleihen bei knapp 1,5 Prozent. Auch die Rendite entsprechender Austro-Papiere ist mit rund zwei Prozent kaum höher. Die Renditen kurzlaufender Staatsanleihen rutschten sowohl in Deutschland als auch in Österreich jüngst sogar ins negative Terrain.

Der Kauf einzelner Unternehmensanleihen bringt zwar höhere Renditen, ist aber wegen der Gefahr eines pleitebedingten Ausfalls riskant. Vernünftiger ist ein breiter globaler Anleihenmix, wie ihn zum Beispiel der langjährig bewährte Pimco Total Return Bond (IE00B11XZB05, Euro-gehedgte Variante) liefert. Einen Ausweg aus dem Zinstief liefern auch Aktien mit hoher Dividendenrendite - aber nur, wenn man mit dem erhöhten Börsenrisiko leben kann.

7. Ist es jetzt noch sinnvoll, Gold zu kaufen? Was passiert mit physischem Gold, das in einem Banktresor liegt, wenn das Institut in Schieflage gerät?

Zwecks breiter Risikostreuung im Portfolio sollte man auf physisches Gold nicht verzichten. In Phasen extremer Inflation war Gold ein guter Schutz, allerdings kann der Goldpreis kurzfristig stark schwanken. Zu beachten ist immer auch die Notierung in Euro. Ronald-Peter Stöferle, Goldexperte der Erste Bank, empfiehlt einen Portfolioanteil von etwa fünf bis zehn Prozent. Er erwartet langfristig einen Preisanstieg auf 2.300 Dollar pro Unze.

Anleger, die ihr Gold im Banktresor bunkern, sind von Bankenpleiten nicht betroffen, da der Inhalt der Kundenschließfächer nicht unter die Konkursmasse fällt. Wer dieser gesetzlichen Regelung misstraut, kann auf bankenunabhängige Edelmetallhändler wie Proaurum ausweichen, hier werden auch Lagerorte wie die Schweiz oder Hongkong angeboten.

8. Sind Rohstoffe eine sinnvolle Ergänzung zu Gold? Wie kann man am besten investieren?

Neben Gold eignet sich vor allem Silber, das "Gold des kleinen Mannes“, zum physischen Besitz. Aufgrund des hohen Anteils der industriellen Nachfrage unterliegt der Preis allerdings größeren konjunkturellen Schwankungen. Das Allzeithoch wurde im April 2011 mit fast 50 Dollar je Feinunze erreicht, nach einer starken Korrektur notiert das Edelmetall mittlerweile bei rund 28 Dollar. Potenzial nach oben ist inzwischen wieder gegeben.

Für die Anlage in Rohstoffe wie Öl, Kupfer oder Aluminium empfehlen sich börsengehandelte Indexfonds (ETF), die die Entwicklung wichtiger Rohstoff-Indizes wie Rogers International Commodities Index oder DJ UBS Commodity Index abbilden. Für spekulative Anleger bieten sich Hebelzertifikate an.

9. Macht es jetzt noch Sinn, eine Lebensversicherung abzuschließen?

Die Renditen klassischer Lebensversicherungen kommen durch die tiefen Zinsen unter Druck. Je nach Anbieter liegt die Gesamtverzinsung nur noch zwischen drei und vier Prozent vor Kosten - Tendenz weiter sinkend. Nach Kosten können Kunden damit rechnen, mit den Zinsen langfristig in etwa die Inflation abzudecken. Angesichts der langen Vertragsbindung ist das nicht viel. Besser sind Polizzen, bei denen flexibel zwischen klassischer Veranlagung und Fonds gewechselt werden kann, wie sie zum Beispiel von Uniqa und Wiener Städtischer angeboten werden.

Generell gilt: Wer eine kapitalbildende Lebensversicherung abschließt, sollte sich ganz sicher sein, bis zum Ende durchzuhalten - ein vorzeitiges Stornieren ist praktisch immer ein Verlustgeschäft. Interessant ist heuer der Abschluss von reinen Risikolebensversicherungen für Frauen: Ab 21. Dezember 2012 werden die Prämien für Neuverträge durch die Unisex-Regeln, die geschlechtsneutrale Prämien verlangen, für weibliche Kunden teurer.

10. Was passiert mit dem Geld, das in die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge eingezahlt wurde?

Die bezahlten Prämien sind wegen der Kapitalgarantie abgesichert. Das macht aber oft das Kraut nicht fett, weil bei vielen Zukunftsvorsorge-Produkten die ertragsbringende Aktienquote ganz oder nahezu eliminiert wurde. Deshalb werden künftig in vielen Fällen keine hohen Erträge mehr zu erzielen sein.

Darüber hinaus wurde die staatliche Prämie im Rahmen des Stabilitätspakts 2012 halbiert, die heuer getätigten Einzahlungen sind nur noch mit 4,25 Prozent Staatszuschuss versehen. Ob sich ein weiteres Ansparen in Zukunftsvorsorge-Vehikel noch lohnt, kann nur im Einzelfall überprüft werden. Dabei ist es grundsätzlich wichtig, nicht nur den seit Anfang der Laufzeit erzielten Gesamtertrag zu berücksichtigen, sondern speziell die Entwicklung der Kalenderjahre ab 2008 zur Beurteilung heranzuziehen. Die für diesen Vergleich nötigen Informationen sind bei sämtlichen Zukunftsvorsorgefonds im Internet abrufbar. Bei der Uniqa sind zum Beispiel Details zu allen Tranchen der Zukunftsvorsorge-Produkte namens "Pension & Garantie“ unter www.financelife.at per Mausklick verfügbar. Bei den meisten anderen Versicherungen kommt man dagegen um eine persönliche Anfrage nicht herum.

11. Ich möchte langfristig für mein Kind 100 Euro im Monat ertragreich anlegen. Welche Produkte sind dafür gut geeignet?

Da Sparbücher wegen ihrer niedrigen Zinsen nicht infrage kommen, sind Fondssparpläne die erste Wahl. Dort kann man schon mit geringen Summen monatlich ansparen. Bei der Wahl des Fonds ist es bei einem langen Zeithorizont sinnvoll, in Wachstumsregionen zu investieren. Die zu erwartenden Kursschwankungen können dann einfach ausgesessen werden. Wer zum Beispiel vor zehn Jahren, im August 2002, begonnen hat, 100 Euro im Monat in einen Sparplan für den Fernost-Aktienfonds Templeton Asian Growth (ISIN LU0128522157) einzuzahlen, hat inzwischen 22.844 Euro am Depot und damit den Gesamteinsatz von 12.000 Euro fast verdoppelt (gerechnet ohne Abzug von Spesen und Steuern). Der tatsächliche Gewinn war also etwas geringer, aber immer noch sehr erfreulich. Bei den Weltaktienfonds war der M&G Global Growth (GB0030938145) in den vergangenen zehn Jahren herausragend und hätte im Beispiel bis heute ein Vermögen von 16.048 Euro aufgebaut.

Das gleiche Sparplan-Verfahren ist natürlich auch für den eigenen Vermögensaufbau, zum Beispiel als Altersvorsorge, interessant. Wegen der neuen Wertpapier-KESt für Direktinvestments in Fonds (siehe Punkt 19 ) ist auch ein Ansparen via Fondspolizze zu überlegen.

12. Ist es nach dem starken Anstieg der Immobilienpreise noch sinnvoll, ein Haus oder eine Wohnung als Anlageobjekt zu kaufen? Welche Immo-Wertpapiere sind eine sinnvolle Alternative?

Nach dem Immobilienboom der vergangenen Jahre wird die Luft bereits dünn. So haben sich neue Eigentumswohnungen im 2. und 4. Wiener Bezirk seit dem Vorjahr um knapp mehr als 18 Prozent verteuert, in Linz erreichte der Anstieg zwölf Prozent, am ohnehin teuren Pflaster Salzburg Stadt immerhin noch fünf Prozent. Wer in den nächsten Jahren mit einem weiteren Preisauftrieb in einer ähnlichen Dimension rechnet, könnte enttäuscht werden. Bereits im ersten Halbjahr 2012 hat sich die Verteuerung abgeschwächt.

Zusätzlich sorgt die im April eingeführte steuerliche Veränderung dafür, dass der Fiskus bei Immobilien, die ab April 2002 angeschafft wurden, nach Veräußerung 25 Prozent des Wertzuwachses an Steuer einbehalten wird.

Vor dem Kauf einer Immobilie ist jedenfalls zu kalkulieren, welche Mietrendite zu erzielen ist. In Wien stiegen die Preise für gebrauchte Eigentumswohnungen seit dem Jahr 2000 im Schnitt um 74 Prozent, die Mieten legten dagegen nur um 27 Prozent zu. Das hat zur Folge, dass die Mietrendite häufig nur noch zwei bis drei Prozent erreicht. Fazit: Bei der Veranlagung in ein Haus oder eine Wohnung ist nach wie vor der Kaufpreis der entscheidende Faktor.

Auch bei offenen Immobilienfonds österreichischer Bauart könnte die Abkühlung auf die künftigen Erträge drücken. Das trifft etwa auf den Erste Immobilienfonds (AT0000A08SH5; 3-Jahres-Gesamtertrag 11,3 Prozent) zu, der vornehmlich in heimische Immobilien investiert.

Etwas breiter aufgestellt ist der Immo-Fonds SemperReal Estate (AT0000615158; 3-Jahres-Gesamtertrag 11,3 Prozent), bei dem mehr als die Hälfte des Volumens in deutsche Objekte veranlagt ist. Bei Immobilienfonds droht generell die Gefahr, dass Produkte zwischenzeitlich geschlossen werden. Dann könnten Anleger das Geld nicht mehr schnell abziehen.

Sollte die Wiener Börse irgendwann wieder anspringen, liefern österreichische Immobilienaktien, deren Depots international ausgerichtet sind, gute Ertragschancen. Wer bereit ist, das erhöhte Börsenrisiko in Kauf zu nehmen, sollte einen Blick auf die Papiere von Immofinanz (AT0000809058) sowie CA Immobilien (AT0000641352) werfen.

13. Sind Aktien Sachwerte? Welche Papiere bergen langfristig Chancen auf stabile Kursentwicklungen?

Die Frage, ob Aktien Sachwerte sind, ist mit "Jein“ zu beantworten. Hinter jedem Börsenkonzern steckt zwar eine reale Substanz, aber letztlich hängt der Kursverlauf von der Börsenlaune ab. Tatsache ist, dass im Moment viele Negativszenarien wie eine Pleite Griechenlands sowie eine schwächelnde Konjunktur in China bereits von den Märkten - zumindest zu einem gewissen Teil - eingepreist sind. Trotz teils starker Kursanstiege liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse für 2013 etwa im Schnitt der letzten zehn Jahre.

Trotzdem sollten Anleger weiter Vorsicht walten lassen und, wenn überhaupt, nur in kleinen Dosen zukaufen. Wer in den vergangenen Jahren einen günstigen Einstiegszeitpunkt erwischte, kann dagegen bereits erzielte Gewinne mitnehmen.

Relativ gute Chancen auf längerfristige Stabilität bieten etwa klassische Substanzwerte aus dem Nahrungsmittel- und Getränkebereich. Dazu zählen große, finanzstarke Unternehmen mit krisenfestem Geschäftsmodell und attraktiven Dividenden wie Coca-Cola, Nestlé, Kraft Foods, Unilever und Heineken. Wer Einzeltitel meidet, kann mit börsengehandelten Fonds wie dem iShares Stoxx Europe 600 Food & Beverage die Entwicklung des Lebensmittelsektors nachvollziehen. Neben Substanzaktien empfiehlt es sich, Wachstumswerte aus den Emerging Markets im Depot zu haben. Zum Einstieg eignet sich etwa der Aktienfonds Templeton Asia Growth (siehe Frage 11 ).

14. Sind Dividendenaktien eine gute Alternative zum Sparbuch?

Im Vergleich zu den Magerzinsen, die am Sparbuch boniert werden, liefern dividendenstarke Aktien deutlich mehr Ertrag. Anleger sollten sich bei ausschüttungsstarken Aktien nicht allein von der Höhe der Dividendenrendite leiten lassen. Sie müssen im Auge behalten, wie sich die Dividende über Jahre hinweg entwickelte.

So hat die Österreichische Post (AT0000APOST4) ihre Ausschüttungen in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt jährlich um 11,2 Prozent erhöht, die aktuelle Dividendenrendite beträgt 6,5 Prozent. Die Andritz-Aktie (AT0000730007) weist zwar nur 2,5 Prozent Dividendenrendite auf, bei den Erhöhungen in den vergangenen fünf Jahren um jährlich 24 Prozent liegt das Papier dagegen im Spitzenfeld. Unter internationalen Blue-Chip-Aktien spielt McDonald’s (US5801351017; Dividendenrendite 3,2 Prozent; 5-Jahres-Steigerungsrate 22,1 Prozent) ebenso vorne mit wie British American Tobacco (GB0002875804; Dividendenrendite 4,2 Prozent; 5-Jahres-Steigerungsrate 16,6 Prozent). Als langfristig solide Ausschüttungskaiser gelten auch die Schweizer Konzerne Novartis und Nestlé.

Zu einer breiten Streuung verhelfen Dividendenaktienfonds. Zu den besten Produkten zählen der M&G Global Dividend (GB00B39R2S49; 3-Jahres-Gesamtertrag 61 Prozent) sowie der DWS Top Dividende (DE0009848119; 3-Jahres-Gesamtertrag 50 Prozent). Beide Fonds haben seit Mitte August 2009 deutlich besser abgeschnitten als der Durchschnitt vergleichbarer Produkte.

15. Wird die Kapitalgarantie bei Anlageprodukten halten?

Die Kapitalgarantie wird in aller Regel von einer Bank übernommen. Geht das Institut pleite, ist die Garantie wertlos (wie Anleger zum Beispiel im Fall der Lehman-Pleite schmerzlich erfahren mussten). Deshalb ist es wichtig, genau zu schauen, wer die Garantie gibt - oft ist es nicht die Bank oder Versicherung, die das Produkt verkauft. Achtung: Steht hinter dem Garantieprodukt eine nachrangige Anleihe, ist die Garantie besonders kritisch zu sehen. Tipp: Kaufen Sie Garantieprodukte zur Sicherheit nicht nur von einem Garantiegeber.

Der vorzeitige Verkauf von Garantieprodukten ist schwierig, der Kurs oft relativ schlecht. In der Regel ist es sinnvoll, bis zum Ende durchzuhalten.

16. Welche Vermögensaufteilung kann das Risiko reduzieren?

Arrivierte Anleger wissen, dass sie nicht alle Eier in einen Korb legen sollten, weil die breite Streuung des Geldes auf unterschiedliche Anlageklassen und -instrumente das Risiko deutlich reduziert.

Dazu ein Beispiel: Bei der Vermögensverwaltung der Schoellerbank, bei der bis zu einem Drittel des Geldes in Aktien investiert wird, reicht der aktuelle Anlage-Mix von internationalen Aktien über Inflationsschutz- bis zu Fremdwährungsanleihen.

Mit dieser Vermögensaufteilung wurden von Jänner bis Ende Juli 6,3 Prozent Ertrag erzielt. Die in den vergangenen Jahren erfolgte mehrfache Anpassung an die Gegebenheiten an den Finanzmärkten machte sich auch zwischen 2009 und 2011 mit Jahresrenditen von 4,4 bis 8,6 Prozent bezahlt. Im Krisenjahr 2008 konnte der Verlust mit drei Prozent begrenzt werden.

17. Welche Währungen sind eine gute Alternative zum Euro?

Es ist nicht nur wegen der Euro-Krise aus Sicherheitsgründen vernünftig, Geld abseits der Heimwährung anzulegen. Neben den klassischen sicheren Häfen wie norwegischer Krone oder kanadischem Dollar ist auch eine Beimischung von anderen Währungen wie US-Dollar & Co sinnvoll. Dies kann am einfachsten über global anlegende Aktien- oder Anleihenfonds erfolgen. Allerdings sollte man mit der Fremdwährungsquote nicht übertreiben, weil auch kräftige Kursverluste möglich sind.

18. Welche Vorteile bieten vermögensverwaltende Fonds?

Investoren, die keinen Vermögensverwalter zur Seite haben, die aber auf aktives Management von Anleihen und Aktien nicht verzichten wollen, liegen mit Fonds richtig, die eine "Vermögensverwaltung von der Stange“ bieten. Ein stabiler Vertreter dieser Spezies ist etwa der Euro-Mischfonds Allianz Kapital Plus (DE0008476250), der seit August 2009 einen Gesamtertrag von 42 Prozent erzielte. Der Strategiefonds Bantleon Opportunities L (LU0337414303), der einen Aktienanteil von bis zu 40 Prozent aufweist, erhöhte den Einsatz in den vergangenen drei Jahren um 31 Prozent.

19. Wie kann ich mir so weit wie möglich die neue Wertpapier-KESt sparen?

Grundsätzlich werden seit April für Gewinne aus Wertpapierverkäufen 25 Prozent KESt fällig. Altbestände, die bis Ende 2010 gekauft wurden, bleiben dauerhaft steuerbegünstigt. Deshalb macht es Sinn, Aktien und andere abgabenschonende Wertpapiere länger zu halten (allerdings nur, wenn Sie noch von der Qualität des Papiers überzeugt sind). Bei allen KESt-pflichtigen Verkäufen werden Verluste und Gewinne eines Jahres gegengerechnet. Allerdings ist ein Überhang aus Verlusten nicht ins nächste Jahr übertragbar und verfällt. Deshalb sollte man überlegen, gegebenenfalls am Jahresende noch irgendwo Gewinne mitzunehmen.

Achtung: Hat man mehrere Depots bei verschiedenen Banken, muss der KESt-Ausgleich via Steuererklärung erfolgen. Wer das automatische, anonyme Verfahren bevorzugt, sollte die Wertpapiere bei einer Bank bündeln.

Langfristig entkommt man der Aktien-KESt am besten durch Lebensversicherungen; das gilt auch für Fondspolizzen. Allerdings besteht bei Einmalerlägen eine Mindestbindung von 15 Jahren.

20. Kann ich meinen Frankenkredit gegen Kursverluste absichern?

Die Schweizer Nationalbank hat angekündigt, einen Anstieg des Frankens mit allen Mitteln zu verhindern. Trotzdem ist nicht sicher, ob die Marke von 1,20 zum Euro ewig hält, die jetzt ein Jahr lang verteidigt wird. So muss die Notenbank im Schnitt täglich zwei bis drei Milliarden Franken aufwenden, um fremde Währungen aufzukaufen und den Franken dadurch künstlich zu drücken. Falls das irgendwann einmal nicht mehr funktioniert, könnte der Franken plötzlich um zehn bis zwanzig Prozent ansteigen, was Schulden in Euro gerechnet entsprechend erhöht. Es gibt die Möglichkeit, den Frankenkurs durch Optionen eine Zeit lang abzusichern. Ein Schutz für sechs Monate kostet derzeit bei der Bank Austria bei 100.000 Euro Kredit rund 2.200 Euro "Versicherungsprämie“.

Praktisch kostenlos ist eine sogenannte Stop-Loss-Order, bei der die Bank vom Kunden den Auftrag bekommt, zum Beispiel bei einem Frankenkurs von 1,18 die Reißleine zu ziehen und den Kredit in Euro zu konvertieren. Haken: Falls der Franken in einem Rutsch auf die Parität von 1 zu 1 steigt, wirkt auch das Stop-Loss-Limit erst dort.

Eine weitere mögliche Strategie zur Risikobegrenzung ist, die momentan sehr niedrigen Zinsen dazu zu nutzen, einen Teil des Kredits zurückzuzahlen oder den Tilgungsträger zu erhöhen, der in den meisten Fällen mit dem Fremdwährungskredit gekoppelt ist. Apropos Tilgungsträger: Dieser sollte in regelmäßigen Abständen kontrolliert und gegebenenfalls gewechselt werden. Läuft zum Beispiel ein Fonds seit Jahren unterdurchschnittlich, ist ein Austausch zu überlegen.