Winfried Pinggera: "Jede Maßnahme wird durch künftige Generationen finanziert"

Der neue Generaldirektor der Pensionsversicherungsanstalt über die steigenden Kosten und warum wir länger arbeiten werden.

Format: Künftig müssen immer weniger aktive Arbeitnehmer die Pensionen von immer mehr Rentnern finanzieren. Wie sicher ist das Pensionssystem?
Winfried Pinggera: Jeden Tag gewinnen wir statistisch sechs Stunden Lebens­erwartung. Für eine hohe Steigerung der Lebens­erwartung sind im Gesetz eine Reihe von Maßnahmen vorgesehen. Das reicht von einer Verlängerung der Arbeitszeit der jetzt noch Aktiven über das 65. Lebensjahr hinaus bis hin zu einem geringeren Inflationsausgleich der laufenden Pen­sionen.
Format: Wann ist der Zeitpunkt zum Handeln gekommen? Pinggera: Das ist eine Rechenaufgabe, wahrscheinlich sind wir knapp an der Überschreitung des Schwellenwertes. In diesem Fall müsste die Politik jetzt ­handeln.

"Auf mehr als ein zusätzliches Jahr eingestellt"
Format: Sind diese unpopulären Maßnahmen überhaupt noch vermeidbar?
Pinggera: Natürlich kann man sagen, die Zuwanderung wird künftig sehr stark sein, es kommen nur gut ausgebildete ­Arbeitskräfte nach Österreich, und wenn diese in Pension gehen, werden sie in ihre Herkunftsländer zurückwandern und auf ihre Ansprüche verzichten. So kann man vielleicht noch ­einige Zeit eine Änderung hintanhalten.
Format: Sie sind jetzt 42 Jahre alt. Wie lange über 65 hin­aus werden Sie ­arbeiten müssen?
Pinggera: Man kann es nicht genau ­sagen, aber ich stelle mich auf mehr als ein zusätzliches Jahr ein.
Format: Im Herbst 2008 wurden in letzter Minute einige teure Wahl­zuckerln im Pensions­bereich beschlossen wie etwa die Ver­längerung der Hacklerregelung um drei Jahre oder eine schnellere Pensions­erhöhung. Konnte man sich das überhaupt leisten?
Pinggera: Die Hacklerregelung ist ein teurer Budgetposten. Und klar ist: Jede Maßnahme wird immer durch die zukünftigen Generationen finanziert. Wenn ich heute zusätzliche „Hackler“-Jahrgänge in Pension schicke, zahlen das die Jungen über ihre Beiträge.

"Nachkauf von Ausbildungszeiten steigt"
Format: Wird der aktuelle Effekt für das Budget derzeit noch geschönt, weil die Begünstigten der Hacklerregelung jetzt hohe Beiträge für den Nachkauf von Schul- und Studienzeiten einzahlen, die erhöhten Auszahlungen aber erst über Jahrzehnte anfallen?
Pinggera: Ja, der Nachkauf von Ausbildungszeiten steigt derzeit stark an, um die Voraussetzungen für die Hackler­pension zu erfüllen.
Format: Wie weit verschärft jetzt die Wirtschaftskrise das Problem der Finanzierbarkeit der Pensionen?
Pinggera: Steigt die Arbeitslosigkeit, sinken unsere Einnahmen entsprechend. Schon ein Prozent Beitragsrückgang bedeutet allein in unserem Haus ein Minus von rund 220 Millionen Euro.
Format: Und gehen zusätzlich mehr Menschen in Pension, weil sie ihren Arbeitsplatz verlieren?
Pinggera: Wir haben seit Herbst 40 Prozent mehr Anfragen. Allerdings ist die Zahl der zusätzlichen Pensionsantritte noch überschaubar, weil die Kurzarbeit noch viele Problemfälle abfedert. Es wird aber mehr Korridorpensionen geben für über 62-Jährige. Diese Lösung war bis jetzt sehr unbeliebt, weil pro Jahr ein Pensionsabschlag von 4,2 Prozent anfällt.

"Beamte kosten heuer 7,6 Milliarden Euro"
Format: Der Staat muss in den nächs­ten Jahren nicht nur enorme Summen zusätzlich in die Sozialversicherung pumpen. Auch der Beamtenbereich verschlingt heuer laut Budget 7,6 Milliarden Euro, im Jahr 2013 werden sogar 8,3 Milliarden fällig. Warum erfolgt die Pensionsharmonisierung im Beamten­bereich trotzdem so schleppend?
Pinggera: Es wurden im Bundesbereich schon Schritte gesetzt, die zumindest auf lange Sicht greifen, auch wenn es noch 30 Jahre dauert, bis die Pensionssysteme harmonisiert sind. In einigen Bundes­ländern ist nicht einmal das passiert.
Format: Was passiert, wenn die Inflation stark anspringt? Ist dann noch genug Geld da, um die Pensionen entsprechend zu erhöhen?
Pinggera: Laut Gesetz ja. Ob tatsächlich genügend Mittel im Budget vorge­sehen sind, hängt von der künftigen Entwicklung der Beitragsgrundlagen ab. Wenn auch die Löhne im gleichen Ausmaß steigen wie die Preise, gibt es kein Problem. Tragisch wäre es, wenn die Gehälter deutlich hinter der Inflation zurückblieben.

Von Martin Kwauka

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Steuern

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Service

Die Suche nach dem besten Konto

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik

Geld & Service

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik