William Landers: 'Präsident Lula ist wie König Midas – was er angreift, wird zu Gold'

BlackRock-Fondsmanager William Landers skizziert, wie seine Lateinamerika-Fonds auf Jahressicht bis zu 218 Prozent Ertrag erzielten und warum Brasilien sein Favorit bleibt.

FORMAT: Die Börse São Paulo ist heuer richtig heißgelaufen. Was ist die Ursache des Börsensambas?
Landers: Brasiliens Wirtschaft gewinnt seit sechs Jahren an Fahrt. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der das siebente Jahr im Amt ist, ist der Vater des Aufschwungs. Während seiner Präsidentschaft wurde die Inflation unter Kontrolle gebracht, die Zinsen sanken unter zehn Prozent, er holte die Fußball-WM 2014 ins Land, er konnte Brasilien die olympischen Sommerspiele 2016 sichern. Er hat derzeit bei den Wählern noch immer 80 Prozent Zustimmung. Er ist wie König Midas. Was auch immer Lula angreift – es wird zu Gold.
FORMAT: Goldene Zeiten haben auch Anleger, die in Ihren Aktienfonds BlackRock Latin American Opportunities investieren. Der Fonds liegt auf Jahressicht in Dollar gerechnet um 218 Prozent im Plus (siehe Grafik ) . Damit liegt er weltweit hinter dem Nestor Australien auf Platz zwei. Wie kam die astronomische Rendite zustande?
Landers: Der Fonds investiert in südamerikanische Nebenwerte. Aktuell sind Aktien im Depot, die einen durchschnittlichen Börsenwert unter zwei Milliarden Dollar haben. Rund 80 Prozent sind Papiere aus Brasilien, die europäische Anleger wohl kaum kennen. Dazu zählen Aktien der Autovermietung Localiza sowie von Iochpe-Maxion, einem Komponentenhersteller für Fahrzeuge des Straßen- und Schienenverkehrs. Hypermarcas ist ein Konsumgüterunternehmen, das frei verkäufliche Arzneimittel, Haushaltsreiniger, Kosmetika und Lebensmittel anbietet. Hypermarcas hat keine eigenen Geschäfte, sondern besitzt wie Procter & Gamble viele etablierte Marken. Anhanguera ist mit mehr als 1.000 Standorten die größte private Bildungseinrichtung Brasiliens.

"Immo-Bereich steht vor Wachstumsschub"
FORMAT: Bei Immobilien hat Brasilien Aufholbedarf. Gibt es ein Immo-Unternehmen, dem Sie Chancen geben?
Landers: Der Immobilienbereich steht vor einem großen Wachstumsschub. Deshalb setze ich auf die Aktie des größten brasilianischen Immobilienunternehmens Cyrela Brazil Realty. Das Unternehmen ist ein Immobilienentwickler, der auch die Finanzierungsseite abdeckt. Nächstes Jahr wird Cyrela mehr als 40.000 Apartments errichten. Viele davon werden gehobenen Ansprüchen gerecht, der Quadratmeterpreis ist mit 2.500 bis 3.000 Dollar nicht gerade niedrig. In den nächsten drei bis vier Jahren wird Cyrela rund die Hälfte des Geschäfts mit günstigeren Wohnungen machen, bei denen der Quadratmeter nur 1.000 Dollar kostet.
FORMAT: Gibt es an anderen Lateinamerika-Börsen gar nichts, was Sie begeistert?
Landers: Doch, ein Beispiel ist Televisa, mit einem Marktanteil von 80 Prozent der dominierende Medienkonzern Mexikos. Televisa hat durch die Verbreitung von Kabelfernsehen weiter Wachstumschancen, nicht zuletzt weil das Kabelnetz als Basis für den Ausbau von Breitbanddiensten dient. Das ist besonders für High-End-Nutzer wichtig, denn das derzeitige Netz ist nicht besonders leistungsfähig.

"Lücke zwischen Arm und Reich wird kleiner"
FORMAT: Profitieren auch die armen Bevölkerungsschichten Brasiliens vom Aufschwung der Wirtschaft, oder kommen nur Konzerne und Anleger gut weg?
Landers: Die superreichen Brasilianer zählen nach wie vor zu den betuchtesten Menschen der Erde. Sie werden kaum eine andere Stadt mit einer so großen Helikopterdichte finden wie São Paulo. Der größte Erfolg Präsident Lulas ist aber, dass er den Abstand zwischen den Armen und Reichen verringern konnte. 2003 lebten noch 45 Prozent der Brasilianer unter der Armutsgrenze. Heute sind es weniger als 30 Prozent. Dieser Trend wird sich fortsetzen, die Lücke zwischen Reich und Arm wird langsam, aber sicher kleiner.
FORMAT: Oft wird behauptet, dass einzig der Rohstoffreichtum für den Wirtschaftsaufschwung in Südamerika ausschlaggebend ist. Stimmen Sie zu?
Landers: Brasilien hat große Vorkommen an Eisenerz oder Öl. Die Bäume wachsen wegen des Klimas in sechs Jahren so schnell wie in anderen Breiten in 60 Jahren. Aber Brasiliens Wirtschaft ist weit weniger exportabhängig als häufig angenommen. Der durch Exporte erwirtschaftete Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt unter 15 Prozent. Das ist mit Indien vergleichbar. Russlands Wirtschaft ist mit einem Anteil von 40 Prozent wesentlich stärker von Ausfuhren abhängig. Dabei dominieren Öl und Gas. In Brasilien entfällt auf kein einziges Erzeugnis mehr als acht Prozent der Exporte, und die Ausfuhren verteilen sich auf viele Staaten. Mexiko hat hingegen bei den Exporten ein hohes Risiko, weil 85 Prozent der Waren in die USA gehen.

Kursanstiegspotenzial von 35 Prozent
FORMAT: Wie wird sich die lateinamerikanische Wirtschaft 2010 entwickeln?
Landers: Südamerikas Wirtschaft hat sich in den letzten eineinhalb Jahren tatsächlich weitgehend von der weltweiten Entwicklung abgekoppelt. Bis auf Mexiko blieb in den meisten südamerikanischen Staaten der Inlandskonsum intakt. Brasilien, Chile, Peru, also die Länder, in welchen ich hauptsächlich investiere, werden 2010 ein Wirtschaftswachstum von rund fünf Prozent erzielen. Das ist angesichts einer globalen Finanzkrise ausnehmend gut.
FORMAT: Welchen Kursgewinn trauen Sie Südamerika-Aktien im nächsten Jahr zu?
Landers: Papiere aus Brasilien haben das Potenzial auf Kursanstiege von 30 bis 35 Prozent. Die besten Chancen haben Aktien, die vom Inlandskonsum profitieren. Mexiko hat wegen der starken wirtschaftlichen Verknüpfung mit den USA noch Probleme. Aktien der anderen Lateinamerika-Börsen sind nicht mehr wirklich billig.

Interview: Robert Winter

Zur Person:
Der in São Paulo geborene William Landers schloss 1991 sein Studium an der Georgetown University ab. Der vierfache Vater startete seine Karriere bei der US-Bank Bear Stearns, danach arbeitete er als Lateinamerika-Analyst fünf Jahre bei Lehman Brothers und zwei Jahre bei Credit Suisse First Boston. 2002 begann der Fußball- und Baseballfan, der Englisch, Spanisch und Portugiesisch spricht, bei der Fondsgesellschaft BlackRock, wo der jetzt 40-Jährige Landers Südamerikafonds managt.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen FORMAT-Ausgabe 50/09.

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