Wie sich steigende und fallende Zinsen auf Anleihenfonds auswirken

Die Renditen von soliden Euro-Staatsanleihen waren noch nie so niedrig wie jetzt. FORMAT analysiert, wie bekannte Anleihenfonds auf die aktuelle Tiefzinsphase reagieren.

Von nun an ging’s bergab, sang einst die deutsche Chanson-Diva Hildegard Knef. Das könnte auch das heimliche Motto für österreichische Staatsanleihen sein. Lagen ihre Zinsen für zehnjährige Laufzeiten im Sommer 2008 noch bei 4,86 Prozent, wurde am Montag dieser Woche ein historischer Tiefststand erzielt. Wer heute eine zehnjährige Bundesanleihe kauft, bekommt nur noch 2,77 Prozent. Bei deutschen Papieren sind sogar nur 2,33 Prozent zu holen. Bei fünfjährigen Papieren werden in Österreich 1,76 Prozent gezahlt, in Deutschland sogar bloß 1,26 Prozent.

Ursache der mikroskopischen Zinsen ist die Suche der Anleger nach sicheren Häfen in finanziell turbulenten Zeiten. Für Ängstliche gilt Deutschland als solidester Schuldner im Euro-Raum, auch Österreich kann als AAA-Schuldner noch punkten.

Der Zinsrutsch hat auch massive Auswirkungen für Besitzer von Euro-Anleihenfonds und deren Fondsmanager – und zwar gute und schlechte. Die positive Seite der Medaille sind die hohen Kurs­gewinne seit 2008. Hintergrund: Wenn die Renditen sinken, steigen die Kurse alter, noch besser verzinster Anleihen. Das zeigt sich zum Beispiel beim Espa Bond Euro Reserva, der seit Jahresanfang schon 8,6 Prozent Gewinn erzielte. Doch das ist Schnee von gestern. Die Kehrseite ist das Problem, das Fondsvermögen jetzt noch halbwegs lukrativ zu ­investieren.

Anleihenfonds am Prüfstand

FORMAT analysierte fünf volumensstarke Flaggschiff-Fonds hinsichtlich dreier Kern­fragen: Welche Rendite wird im momentanen Zinstief noch erzielt? Wie positionieren die Fondsmanager jetzt die Fonds? Und wie groß ist das Risiko von Kursverlusten, wenn die Zinsen wieder steigen?

Auf Frage eins gibt es eine halbwegs beruhigende Antwort. Die aktuelle Durchschnittsrendite der Fonds liegt zwischen 2,6 und 3,6 Prozent. Entsprechend dieser überraschend großen Bandbreite fällt auch die Antwort auf die Frage zwei ziemlich unterschiedlich aus. Anders als viele Anleger glauben, handelt es sich bei den ­Anleihenfonds nämlich schon lange nicht mehr um eine reine Mischung von Euro-Staatspapieren. Um für die Anleger Mehrerträge zu erzielen, wurden in den vergangenen Jahren immer mehr höher ­verzinste Anleihen von Banken oder Un­ternehmen beigemischt. So bilden zum Beispiel beim Bawag PSK Euro-Rent Bankpapiere und Pfandbriefe mit 64 Prozent das Rückgrat des Fonds, der dementsprechend mit seiner aktuellen Rendite von 3,6 Prozent auch an der Spitze steht.

Auf der anderen Seite hat der Espa Bond Euro-Reserva 70 Prozent Staatsanleihen im Depot, aber nur eine Rendite von glatten drei Prozent. Das heißt für Anleger: Man sollte sich genau erkundigen, wie der Fonds, den man besitzt oder kaufen möchte, bestückt ist und welche Risiken man ­damit eingeht. Mit einem hohen Anteil von Staatsanleihen ist man in extrem unsicheren Zeiten wie heuer am besten unterwegs, wie die Tabelle zeigt. Erholt sich die Wirtschaft aber nach Wunsch, bringen Fonds mit ­weniger Staatsanteil höhere Erträge.

Das Risiko steigender Zinsen

Zur Beruhigung: Alle Fonds sind mit Papieren von soliden Schuldnern bestückt. Doch was heißt heute schon solide? In Zeiten einer Fast-Pleite von Griechenland ist klar, dass absolute Sicherheit nur noch ein Wunschtraum ist. Doch es muss gar nicht erst ein Schuldner insolvent werden. Es wäre schlimm genug, falls die Zinsen wieder steigen. Eine Kennzahl, um mögliche Verluste abzuschätzen, ist die Duration. Sie zeigt an, wie stark der Fondswert fällt, wenn das gesamte Zinsniveau um ein Prozent nach oben marschiert. Die Tabelle zeigt, dass in diesem Fall bei sämtlichen Fonds mit Kursverlusten von über fünf Prozent zu rechnen ist. Momentan halten die Fondsmanager allerdings die Gefahr massiv steigender Zinsen unisono für ­gering, weil alle Euro-Staaten Sparprogramme planen und dadurch die Konjunktur und Inflation noch einige Zeit dämpfen. Robert Senz, Anleihenchef der Raiffeisen-Fonds: „Wenn wir uns in Richtung japanischer Verhältnisse entwickeln, wären Anleihen immer noch günstig.“ Und falls die Zinsen doch steigen, so Bawag-Kollege Martin Bohn, könnte man rasch reagieren und Risiko herausnehmen.

Martin Kwauka

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