Wie Sie Ihr Depot vor Abstürzen schützen können

Wie Sie Ihr Depot vor Abstürzen schützen können

Die Börsenweisheit "Sell in May and go away“ hat sich oftmals als richtig herausgestellt. 2010 kam der sommerliche Börsenabschwung exakt Anfang Juni und erreichte 20 Prozent Minus. 2011 brach der ATX erst im Juli richtig ein - aber dafür gleich mit minus 32 Prozent bis September.

Heuer endete die Frühjahrsrally allerdings schon im März. Zwar konnten die meisten Indizes wie DAX oder Dow Jones zuletzt wieder zulegen. Die Frage ist nur, wie lange. Vorsichtige Anleger können jetzt ihr Depot mit einem Schutzfaktor versehen, um ohne finanziellen Sonnenbrand in die Ferienzeit einzutauchen.

Im Prinzip sind solche Fangnetze gegen Kursabstürze nichts anderes als eine Versicherung. Es schützt vor monetären Verlusten. Es kostet allerdings auch etwas, und zwar Spesen oder zumindest eine Reduktion von Chancen. FORMAT zeigt, wie Österreichs Banker Optionen einsetzen, Hebel-Zertifikate kaufen oder mit gegenläufigen Indizes arbeiten. Vorteil: Diese Produkte sind auch für Privatanleger durchschaubar, käuflich und leistbar.

Glattstellen

Die einfachste Methode, erzielte Gewinne einzufrieren, besteht bekanntlich darin, die Finanzprodukte zu verkaufen und den Ertrag am sicheren Sparbuch zu bunkern. Diese Glattstell-Variante ist wegen schwacher Zinsen derzeit nicht besonders attraktiv. Zudem droht bei dem erneuten Einstieg die Kursgewinnsteuer. Vor dem 1. Jänner 2011 angeschaffte Aktien bleiben dagegen dauerhaft von dieser neuen Steuer verschont. Es macht also Sinn, nicht alle Altbestände leichtfertig aufzulösen, sondern nur solche Aktien zu verkaufen, die ohnehin auf der Abschussliste stehen.

Die intelligentere Alternative zum Verkauf des gesamten Depots ist die Absicherung über Stop-Loss-Limits. "Das ist quasi die Vorbereitung für eine Verkaufsorder und bezeichnet eine Kursuntergrenze“, sagt Semper-Constantia-Investment-Boss Leopold Heidenreich. Sobald diese Kursuntergrenze unterschritten wird, kommt es zum Verkauf des jeweiligen Titels. Die Kosten hängen von der depotführenden Bank ab - zumeist fallen dafür aber keine Gebühren an. Das heißt zum Beispiel: Ein Anleger, der eine Aktie mit Kurs 80 Euro besitzt, gibt eine bedingte Verkaufsorder bei 65 Euro ein und limitiert so extreme Verlustrisiken. Das Problem: Im schlimmsten Fall fällt die Aktie nur kurz unter das Limit, um dann wieder kräftig nach oben zu schießen.

"Bevor man sich mit Sicherungsprodukten eindeckt, sollte man sich im Vorhinein darüber im Klaren sein, bei welchem Verlust die Schmerzgrenze beginnt“, so Finanzexperte Philipp Arnold von der Raiffeisen Centrobank. Denn in einer akuten Krisensituation fallen rationale Entscheidungen schwerer. Die Schmerzzone abzustecken bedeutet aber auch, die Kosten einzugrenzen. Wer maximal zehn Prozent verlieren möchte, muss mehr "Versicherungsprämie“ zahlen als jemand, der auch temporär 50 Prozent Kursrückgang wegsteckt.

Short-Zertifikate

Wer ein Aktiendepot besitzt, kann die Werte durch Short-Zertifikate eine Zeit lang von der Kursentwicklung abkoppeln. Im einfachsten Fall kauft man bei einem ATX-Depotstand von 5.000 Euro ein ATX-Short-Indexzertifikat um den gleichen Betrag. Das funktioniert näherungsweise auch mit Einzelwerten, für die oft keine Short-Zertifikate vorhanden sind. Haken: Index-Zertifikate erfordern einen hohen Kapitalaufwand. Weniger Einsatz ist für Turbo-Short-Zertifikate erforderlich. Hierbei muss man den Hebel berücksichtigen. Er drückt aus, wie viel Geld man für die Absicherung investieren muss. Ein Hebel von zwei heißt, dass man für die Absicherung von 5.000 Euro bloß 2.500 Euro in Zertifikate stecken muss. Bei einem Hebel von fünf liegt der Absicherungseinsatz bei 1.000 Euro. Allerdings ist ein höherer Hebel auch mit einem größeren Risiko ausgestattet, da jede Kursbewegung um diesen Hebel vervielfacht wird. Als Kosten fallen Kauf- und Verkaufsspesen für die Zertifikate an. Außerdem fallen bei Turbo-Zertifikaten Zinsen an, weil ein Teil kreditfinanziert ist. Bei der Raiffeisen Centrobank etwa würde der Kredit für ein ATX-Zertifikat 2,67 Prozent pro annum Zinsen kosten. Bei einem Hebel von fünf wären für das abzusichernde Aktienpaket von 5.000 Euro nach drei Monaten Laufzeit knapp 27 Euro fällig.

Wichtig: Je höher der Hebel, desto enger sind die Barrieren, also das Kursniveau, bei dessen Erreichen das Zertifikat automatisch vorzeitig ausläuft (im Fachjargon Knock-out-Schwelle). Bei einem Hebel von zwei können rund 40 Prozent verloren werden, bei Hebel fünf sind es hingegen nur 20 Prozent, die der Kurs nachgeben dürfte. Danach verfällt das Zertifikat und damit das eingelegte Geld.

Wer Papiere im deutschen DAX besitzt, hat ein großartiges Instrument zum Absichern über den Short DAX. Dieser Index bewegt sich exakt gegenläufig zum DAX. Verliert der eine, gewinnt der andere Index und umgekehrt. Nachteil: Man muss, da es sich letztlich um ein Index-Zertifikat handelt, die gleiche Summe aufbringen, die man absichern möchte. Beispiel: Für 5.000 Euro muss man 5.000 Euro in den Short DAX investieren.

Optionsscheine

Während Zertifikate mögliche Kursbewegungen völlig neutralisieren können, bleibt bei Short-Optionsscheinen das Aufwärtspotenzial intakt. Beispiel: Ein Anleger besitzt 1.000 OMV-Aktien, die bei 24,5 Euro je Papier notieren. Er rechnet damit, dass die Aktie fallen könnte, und kauft sich eine OMV-Put-Option mit einem Ausübungspreis von 20 Euro; Laufzeit bis 24. Juli 2013. Tatsächlich sinkt der Preis auf 18 Euro. Nun hat der Optionsbesitzer die Möglichkeit, die Papiere trotzdem für 20 Euro zu verkaufen, er ist also um 2.000 Euro besser gestellt als ohne Scheine. Die Kosten für die "Versicherung“ betragen in diesem Beispiel 350 Euro. Natürlich sinkt im Gegenzug der Wert der Aktien, doch dieser Verlust wird über die Optionen abgefedert. Der Vorteil: Wenn der Preis der Aktie entgegen allen Befürchtungen steigt, ist man voll dabei. Die Option verfällt wertlos, aber unter dem Strich bleibt trotzdem ein Gewinn.

Die erwähnten Absicherungsmaßnahmen sind auch für Fonds, Gold oder andere Investments zu verwenden. Hier muss man sich einen geeigneten Index suchen, der die Bewegungen der jeweiligen Titel noch am besten abbildet.

Sparpläne

Eine Variante zum Glattstellen und anschließenden Parken des Geldes mit Minizinsen ist der Wiedereinstieg in Etappen. Das Vorhaben kann man am besten mit einem Fondssparplan umsetzen. Man hat zum Beispiel 5.000 Euro Bargeld am Konto und kauft anschließend Fonds mit einer Monatsrate von 400 Euro. Nach etwas mehr als einem Jahr ist das Geld wieder investiert. Sollten die Börsen zwischenzeitlich fallen, kauft man in dieser Phase sofort billiger nach und ist damit langfristig auf der Gewinnerseite. Falls die Märkte doch weiter steigen, verpasst man die Gewinne nur zum Teil.

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