Wie Pensions- & Vorsorgekassen durch stürmische Börsenzeiten navigieren

Serienweise rote Zahlen: FORMAT analysiert, wie Pensions- und Vorsorgekassen durch die stürmischen Börsenzeiten navigierten.

Ziel klar verfehlt, hieß es am Ende des dritten Quartals für fast alle Kunden der Pensionskassen. Im Schnitt wurde ein Minus von 3,97 Prozent eingefahren, während die vorgegebene Messlatte zwischen drei und zum Teil noch über sieben Prozent liegt. Bis zu 70.000 Österreicher, die bereits eine Rente vom Chef beziehen, werden diese Tatsache wohl im kommenden Jahr unmittelbar spüren. Falls nicht noch in letzter Minute eine überraschende Börsenerholung einsetzt, dürfte ein Großteil der Zusatzrenten gekürzt werden.

Wie hoch die Kürzung ausfällt, hängt stark von der Veranlagungsgemeinschaft (VRG) ab, deren Wahl vom Arbeitgeber beziehungsweise vom Betriebsrat abhängt. Wenig überraschend kamen in den ersten neun Monaten 2011 nur jene Kunden glimpflich davon, deren Anlagestrategie sehr defensiv ausgerichtet war. Dagegen hielten jene VRG, die in den ersten neun Monaten des Jahres eine besonders schlechte Rendite erzielten, generell einen höheren Aktienanteil im Portfolio. FORMAT hat die Ergebnisse verglichen und zeigt exklusiv, welche Pensionskassen das Geld der heutigen und auch der künftigen Ruheständler noch am besten durch das unruhige Börsenwetter manövrierten.

Mit Stichtag 30. September hat die defensiv veranlagte VRG 165 der VBV mit einem leichten Plus von 0,6 Prozent die Nase vorn. Auf Platz zwei folgt die VRG 9 der Victoria Volksbank Pensionskasse, die immerhin ein Plus von 0,4 Prozent generiert.

Dank dem guten Börsenmonat Oktober könnte das Minus der meisten Pensionskassen im Gesamtjahr 2011 wohl weniger negativ ausfallen als Ende September. APK-Chef Christian Böhm: „Wenn man sich die Renditen Ende Oktober ansieht, so konnten wir das Minus bei der dynamisch ausgerichteten VRG 19 von 6,4 auf 4,3 Prozent verbessern.“

Doch selbst wenn positive Zahlen am Jahresende bilanziert werden, sind Pensionskürzungen bei den Kunden in der Rentenphase möglich. Hintergrund: Wenn die Veranlagung nicht den vertraglichen Rechnungszins erreicht, sind Kürzungen programmiert. Beispiel: Liegt der kalkulatorische Rechnungszins bei sechs Prozent und das tatsächliche Veranlagungsergebnis bei plus zwei Prozent, werden die Pensionen um den Saldo, also vier Prozent, gekürzt. Allenfalls können vorhandene Schwankungsreserven für schlechte Jahre das Ergebnis aufbessern. Michaela Plank, Pensionskassenexpertin beim Beratungsunternehmen Mercer: „Liegt der Rechnungszins bei drei oder 3,5 Prozent, sollten dadurch in der Regel Kürzungen vermieden werden können.“

Andreas Csurda, Vorstandsmitglied der Allianz Pensionskasse sowie Vorstandsvorsitzender der österreichischen Plattform der betrieblichen Vorsorgekassen: „Die mit sechs Prozent und mehr angesetzten Musterrechnungen der Pensionskassen sind in Anbetracht der Kapitalmarktsituation der letzten zehn Jahre unrealistisch. Wir sind froh, dass wir seit 2004 eine Durchschnittsrendite von drei Prozent pro Jahr vorweisen können.“

Das Problem: Obwohl inzwischen jeder weiß, dass die optimistischen Kalkulationsgrundlagen der Neunzigerjahre ziemlich utopisch sind, werden diese auch weiterhin verwendet. Zwar darf bei Neuverträgen mit Unternehmen seit Juli 2011 mit maximal 3,0 Prozent kalkuliert werden. Wenn aber ein neuer Mitarbeiter in ein Unternehmen mit Altverträgen eintritt, wird immer noch mit Mondziffern operiert. Zwar ändert das nichts am tatsächlichen Anlageergebnis, führt aber zu unrealistischen Erwartungen. Hier soll die geplante Reform des Pensionskassengesetzes Abhilfe schaffen (siehe Substory ).

Blaues Auge für Vorsorgekassen

Mit generell weit weniger Risiko fahren Vorsorgekassen, also jene Geldverwalter, die sich um die Rendite der 2003 eingeführten „Abfertigung neu“ kümmern. Csurda: „Der Grund dafür liegt darin, dass die Abfertigung bei einem Berufswechsel bereits nach 36-monatiger Einzahlung wieder mit Kapitalgarantie entnommen werden könnte. Deswegen wählen Vorsorgekassen Anlagestrategien, die es erlauben, ständig liquide Mittel zur Verfügung zu haben. Ich bin mit dem Modell sehr zufrieden, weil es nicht nur effizient, sondern auch viel transparenter ist als jenes der Pensionskassen.“

Vorsorgekassen investieren deswegen vor allem in Anleihen mit Schwerpunkt auf europäischen Staaten. Der Aktienanteil ist im Regelfall mit null bis fünf Prozent verschwindend gering. Csurda: „Vorsorgekassen stürzen wegen dieser Strategie in Krisensituationen weniger ab, machen extrem gute Börsenjahre dafür aber auch nicht so stark mit, weil der Rückenwind fehlt.“ Am stärksten ins Minus rutschten heuer Siemens und Bonus, die beide relativ hohe Aktienquoten fahren. Aber auch hier gilt für die Kunden das Sicherheitsnetz einer Kapitalgarantie.

– Carolina Burger, Martin Kwauka

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