Wie geschmiert: Ölpreis klettert wieder auf 100 Dollar je Barrel

Der Ölpreis notiert wieder knapp unter 100 Dollar je Barrel. FORMAT zeigt, mit welchen Aktien, Fonds und Zertifikaten Investoren vom teuren Rohstoff profitieren können.

Ein Besuch auf der Tankstelle beschert dieser Tage so manchem Autofahrer eine böse Überraschung. Der Liter Super kostet an der Zapfsäule zum Teil über 1,40 Euro. Schuld daran ist neben der Anhebung der Mineralölsteuer vor allem das deutlich teurere Rohöl. Seit Ende 2008 legte der Preis der Sorte Crude Brent um 192 Prozent zu und notiert derzeit bei 97,9 Dollar je Barrel. Der Ölpreis hat sich also in zwei Jahren fast verdreifacht. Alleine in den letzten drei Monaten gab es einen Preiszuwachs von 26 Prozent.

Der Anstieg wird einerseits von der wieder besser laufenden Wirtschaft und auch vom Ölhunger der Spekulanten getrieben. „Händler an der New Yorker Rohstoffbörse kontrollierten zu Jahresanfang Future-Kontrakte im Ausmaß von 200 Millionen Barrel Öl. Das ist ein Rekord. Von einer Blase können wir aber trotzdem nicht sprechen“, analysiert der renommierte US-Ölexperte Stephen Schork im Interview mit ­FORMAT.

Obwohl die Spekulanten auf der Käuferseite sicher einiges zum steigenden Ölpreis beitragen, gibt es durchaus auch fundamentale Gründe. Hannes Loacker, verantwortlich für den Raiffeisen-Energie-Aktien-Fonds: „Der Ölpreis wird zusätzlich von der steigenden Nachfrage aus China und den USA unterstützt.“ Nach wie vor ist Amerika mit 22 Prozent der größte Ölverbraucher. Während China bei anderen Rohstoffen wie Kupfer und Eisenerz bereits zwei Drittel des Weltbedarfs benötigt, sind es bei Öl erst zehn Prozent. Die Aufholjagd hat also erst begonnen. Im Vorjahr lag der weltweite ­Ölverbrauch bei 87 Millionen Fass pro Tag, heuer soll er auf 88,5 Millionen Fass ansteigen.

Spektakulär dürfte die Rally des Öl­preises heuer allerdings nicht ausfallen. Das US-Investmenthaus Goldman Sachs sieht den Ölpreis im zweiten Halbjahr 2011 bei 100 Dollar je Barrel. Ölexperte Loacker ist etwas vorsichtiger: „Ich gehe davon aus, dass wir Ende 2011 einen Ölpreis von 95 US-Dollar je Barrel haben werden. Dieser Preis ist verkraftbar und keine Gefahr für eine steigende Inflation.“

Übrigens: In den 1980er-Jahren hatten die Amerikaner noch mehr für Öl übrig. Öl-experte Schork: „Vor 30 Jahren gab es in den USA weder iPads noch abgefülltes Trinkwasser, und wir hätten uns nicht im Traum gedacht, vier Dollar für einen Caffè Latte bei Starbucks zu zahlen. Wir Amerikaner könnten uns einen Ölpreis bei 100 Dollar leisten, allerdings würde das nur auf Kosten dieser Luxusartikel funktionieren.“

Geölte Rendite  

Nun stellt sich für Anleger die Frage, wie man von all diesen Entwicklungen profitieren kann. Wer sich wöchentlich an der Zapfsäule über die hohen Benzinpreise ärgert, kann sich die Mehrausgaben mit ein bisschen Glück zurückver­dienen. Am Plan stehen sowohl Ölzertifikate als auch Fonds oder Direktinvestments in Aktien. Glaubt man den Prognosen der Experten, wäre man in diesem Jahr mit Fonds und Aktien von Ölunternehmen wohl besser beraten als mit Zertifikaten, die den Ölpreis eins zu eins abbilden. Beispielsweise hat das RCB Öl-Tracker Zertifikat in den vergangenen zwei Jahren bereits 58,8 Prozent eingeheimst. Eine weitere so hohe Rendite wäre allerdings nur mit einem stark steigenden Ölpreis möglich.

Cleverer ist es, sich Unternehmen ins Depot zu holen, die von der ansteigenden Ölnachfrage profitieren. Das sind zum Beispiel Aktien von Halliburton, einem der weltweit größten Anbieter von Öldienstleistungen sowie Zulieferer von Ölfeldausrüstung. Weiteres Beispiel ist der spanische Petro-Konzern Repsol, der stark in Brasi­lien engagiert ist. RCM-Analyst Loacker: „Mir gefallen außerdem Aktien von Unternehmen aus der Seismikbranche wie zum Beispiel Petro­leum Geo-Services.“

Wer sein Investment breiter streuen will, ist mit Energiebranchenfonds gut beraten. Viele dieser Fonds setzen vor allem auf US-Unternehmen. Zu den größten Positionen im Franklin Natural Resources zählen etwa der Ölfeldausrüster Schlumberger und Halliburton sowie der Öl- und Gasförderer Chevron.

Mit Ölaktien kann man noch lange Geschäfte machen. Gerald Grohmann, Chef des Ölbohr-Zulieferers Schoeller Bleckmann Oilfield: „Ja, Öl ist endlich. Aber wenn man die Ausbeutung der Ölfelder nur um zehn Prozent erhöhen würde, dann hätten wir 600 Millionen Barrel Öl mehr weltweit. Das würde bedeuten, dass wir bei gleichem Ölverbrauch 20 Jahre zusätzlich Öl hätten.“

Risikohungrige Anleger können auch indirekt eine Wette auf Russland setzen. Die gesamte Wirtschaft ist stark vom Ölpreis abhängig. Mit dem jetzigen Ölpreis kann das Land bereits gut leben, jede weitere Steigerung heizt die Börse weiter an. Ein Fonds, der diese Entwicklung nutzt, ist der Russia Stock von Pioneer Austria (AT0000668264). Am stärksten gewichtet sind die Sberbank sowie der Gasriese Gazprom. Der Fonds erzielte in den vergangenen zwei Jahren 297 Prozent Plus – eine Rendite, die den teuren Spritpreis mehr als kompensieren würde.

Carolina Burger, Ingrid Krawarik

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