Wie Euro-Staatsanleihenfonds auf die Probleme Italiens und Spaniens reagieren

Euro-Staatspapiere stehen weiter unter Druck. FORMAT beschreibt, was auf Investoren zukommt und wie Staatsanleihenfonds über die Runden kommen.

Als wären die Nerven der Anleger durch die Schuldenkrise in Griechenland, Portugal und Irland nicht schon genug strapaziert, droht demnächst noch weiteres Ungemach. Seit einigen Wochen geht die Angst um, dass auch bei Spanien und Italien die Refinanzierung der gewaltigen Schuldenberge ins Stocken kommen könnte. Erste sichtbare Folge: Die Kurse von Obligationen der beiden Länder stehen stark unter Druck, und die Risikoaufschläge gegenüber sicheren Deutschland-Anleihen steigen.

Diese Entwicklung schlug auch auf viele seit Jahren bewährte Euro-Staatsanleihenfonds durch. Speziell jene mit hohem Anteil italienischer und spanischer Papiere rutschten in die roten Zahlen. So hat etwa das 570 Millionen schwere Flaggschiffdepot der Fondsgesellschaft Erste Sparinvest, der Espa Bond Combirent, in den vergangenen Wochen weiter nachgegeben und liegt nun auf Jahressicht mit 3,2 Prozent in den roten Zahlen. Damit steht der Fonds jedoch keinesfalls alleine da, finden sich doch auch andere gängige Euro-Staatsanleihenfonds seit Ende Juni auf der Verliererseite.

Nun plagen Anleger mehrere Fragen: Sind Euro-Staatsanleihenfonds überhaupt noch das sichere Bollwerk der Geldanlage? Können die Fondsanbieter gegensteuern und ihre Produkte wieder in ruhigeres Fahrwasser manövrieren? Nahen weitere Zinsschritte, die bei bereits umlaufenden Anleihen zu Kursverlusten führen? Wer nach möglichst hoher Sicherheit strebt, ist derzeit am besten mit Depots aufgehoben, die vermehrt in Euro-Anleihen aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Holland oder Finnland investieren. Mit solchen Papieren konnte etwa der Euro-Staatsanleihenfonds VB 1 der Fondsgesellschaft der Volksbank in den vergangenen vier Wochen um 1,4 Prozent zulegen.

Die höhere Sicherheit hat aber ihren Preis: Wenn sich die Wogen um Spanien und Italien doch wieder glätten, verdienen Anleger unterm Strich weniger als mit breit gestreuten Produkten, die auch Anleihen der beiden südeuropäischen Staaten halten, weil sie höhere Zinsen auf ihre Schulden zu zahlen haben als etwa Deutschland und Österreich. Generell müssen Investoren aber weiter damit rechnen, dass die Anleihenkurse stark schwanken. Volker Steinberger, Anleihenchef der Fondsgesellschaft Pioneer Investments Austria: „Im ersten Quartal brachten italienische und spanische Obligationen die besten Erträge, im letzten Monat waren sie dagegen im Vergleich zu sicheren Euro-Staatsanleihen abgeschlagen. Die großen Schwankungen werden weiter anhalten.“

Erschwerend kommt hinzu, dass Italien und Spanien bei einem Investment in Euro-Staatsanleihen eine tragende Rolle spielen, sind sie doch in wichtigen Euro-Staatsanleihenindizes hoch gewichtet. So liegt etwa der Anteil von Italo-Papieren im Gegenwert von 926,3 Milliarden Euro im populären Euro-Staatsanleihenindex der Citigroup bei knapp 22,7 Prozent, Spanien ist mit 10,3 Prozent und einem Volumen von 422,5 Milliarden Euro vertreten.

Übrigens: Um die weitere Zukunft von Papieren der Sorgenkinder Griechenland und Portugal müssen sich die Käufer gängiger Staatsanleihenfonds so gut wie keine Sorgen mehr machen. Sind doch Papiere der hellenischen Republik wegen ihres schlechten Ratings überhaupt nicht mehr im Index, der bei vielen Fonds als Basis für die Veranlagung herangezogen wird, vertreten. Der Anteil von Portugal ist mit 1,5 Prozent Gewichtung überschaubar.

Bleibt dennoch die Unsicherheit, ob die Lage in Italien eskaliert. Immerhin erreichen die Gesamtschulden des südlichen Nachbarlands in Summe rund 1.600 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Nur die USA und Japan stöhnen weltweit unter einer größeren Schuldenlast. Philipp Schubert, Erste-Sparinvest-Fondsmanager, gibt aber vorerst Entwarnung: „Ende der Vorwoche haben die europäischen Regierungschefs ein weiteres Rettungspaket für Griechenland beschlossen. Unmittelbar danach ist der Risikoaufschlag zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Papieren von 3,4 auf 2,8 Prozent gesunken.“

Obwohl die Risikoprämie bis Mitte der Woche wieder auf drei Prozent angestiegen ist, glaubt Fondsmanager Schubert nicht, dass sich die Situation in Italien in nächster Zeit dramatisch zuspitzt: „Die italienischen Staatsschulden sind etwa genauso hoch wie beim EU-Beitritt, das für heuer von der EU-Kommission prognostizierte Budgetdefizit von 3,9 Prozent ist etwa im direkten Vergleich mit Frankreich moderat.“ Dementsprechend wird auch die Strategie des Espa Bond Combirent, bei dem rund 23 Prozent der Gelder in italienischen und 9,5 Prozent in spanischen Staatspapieren liegen, aktuell nicht modifiziert.

Strategischer Schwenk

Dagegen wird Fondsmanager Steinberger beim Anleihenfonds Pioneer Euro Government Bond schrittweise an den Rädchen drehen und den Anteil italienischer sowie spanischer Staatsanleihen deutlich reduzieren. Ersetzen will sie der Fondsmanager durch besser geratete Anleihen aus Holland, Frankreich oder Österreich. Steinberger: „Bei Italien kann man den Worst Case einer Staatspleite ausschließen. Ich sehe aber weder in Italien noch in Spanien eine rasche Lösung der Schuldenproblematik. In Italien sind die politischen Lager zerstritten, und die Regierung ist schwach. Mit dem angekündigten Sparprogramm wurde aber immerhin ein Zeichen gesetzt.“

Fazit: Euro-Staatsanleihenfonds bleiben noch unter Druck. Neben der Staatsschuldenproblematik verbreiten im Raum stehende Zinsschritte weitere Unsicherheit. Wenigstens bei der Inflationsentwicklung stehen laut aktuellen Analysen österreichischer und internationaler Banken die Zeichen auf Entwarnung. Im Schnitt wird die Euroraum-Teuerungsrate für 2012 auf rund zwei Prozent geschätzt.

– Robert Winter

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