"Wertpapiere statt Nullzins“

"Wertpapiere statt Nullzins“

FORMAT: Zwischen 2006 und Ende des Vorjahres sank das Fondsvolumen heimischer Anbieter um 20 Prozent. Wie hat sich das Geschäft 2012 entwickelt?

Mathias Bauer: Vor einem Jahr waren die Erwartungen schlichtweg bescheiden. Dennoch wurde 2012 aus Sicht von Anlegern ein Superjahr, für die Fondsgesellschaften ein Jahr des Turnarounds. Ich bin ein gnadenloser Optimist und für die nächsten Jahre für den Absatz von Investmentfonds sehr positiv gestimmt. Es wird aber so sein, dass das Wachstum nicht mehr für jeden gleich ausfallen wird.

Was brachte die Wende?

Bauer: Unterstützt von den klaren Aussagen der EZB, den Euro zu retten, stellte sich an den Finanzmärkten Beruhigung ein. Es fand eine Rückkehr zu dem, was die Märkte beherrschen sollte, statt. Nun steht die Frage nach der wirtschaftlichen Entwicklung im Zentrum, die Sensibilität gegenüber politischen Schachzügen sinkt. Das ist ein sehr gutes Zeichen.

Was wird die Geldanlage 2013 prägen, wie geht es mit dem Euro weiter?

Bauer: Die Zinsen werden nicht nur 2013, sondern über Jahre hinweg mit null bis ein Prozent tief bleiben. Die Inflation wird mit 1,5 bis zwei Prozent über dem Basiszinssatz liegen. Wer auf Spareinlagen vertraut, wird real einen Verlust machen. Geld kostet also Geld. Gold auch, weil es keine Zinsen zahlt. Gold ist nur gut, wenn man glaubt, dass das Währungssystem zusammenbricht, weil das Edelmetall als realer Wert bestehen bleibt. Ich rechne aber zu 100 Prozent damit, dass es den Euro weiter geben wird. Die Europäische Einheitswährung wird uns noch länger aushalten müssen. Privat- und Großanleger brauchen Wertpapiere, um nach Abzug der Inflation einen positiven Ertrag zu erzielen. Immobilien liefern keinen Beitrag mehr. Für einen Kauf zwecks Geldanlage ist es zu spät, weil Immobilien bereits viel zu teuer sind.

Welchen Prinzipien sollen Investoren treu bleiben?

Bauer: Bei der Veranlagung ist unbedingt auf breite Streuung zu achten. Nicht alles ist gut, die Kurse können nicht immer nur steigen. Deshalb ist unsere Dienstleistung der ständigen Analyse und Gestaltung für den Anleger sehr gefragt.

Wie geht es mit der Konjunktur weiter? Droht ein heftiger Rückschlag?

Bauer: Von Beginn der 1990er-Jahre bis 2007 währte eine Phase sehr starken Wirtschaftswachstums. Alles war so gut wie perfekt und in Summe ein richtiges Bonanza, ein wahrer Glücksfall. In den nächsten zwei bis drei Jahren wird das Wachstum in der westlichen Welt eher an der Nulllinie dahinfahren oder bestenfalls einen Anstieg von ein oder 1,5 Prozent aufweisen.

Jahrelang galten die Schwellenländer als Lokomotive der Weltkonjunktur. Geht den aufstrebenden Staaten der Dampf aus?

Bauer: Die Wirtschaft in den Schwellenländern kann nicht immer um zehn Prozent jährlich wachsen. Das gilt auch für China und Indien. Deren derzeitiges Wachstum von sieben oder acht Prozent ist aber immer noch stattlich.

Der regulatorische Druck ist hoch. Haben die neuen Bestimmungen den Anlegerschutz verbessert?

Bauer: Seit der Finanzkrise wütet der regulatorische Tsunami. Gute Regulierungsideen wurden leider in umfassende Gesetzeswerke gegossen. Damit wurden extrem viele Formalismen produziert. Wir haben noch nie so viel dokumentiert, archiviert und berechnet wie jetzt. Vieles davon hat Berechtigung, vieles ist völlig übertrieben und vermittelt nur Scheinsicherheit. Die Regulatoren schießen weit über das Ziel hinaus. In Summe ist die Phase der Liberalisierung Vergangenheit, wir müssen mit der Regulierungswut leben. Ich bin im Zweifel, ob das im Anlegerinteresse ist.

Wie wirkt sich die verstärkte Regulierung auf die Fondsbranche aus?

Bauer: Zur Bewältigung des regulatorischen Drucks bedarf es einer kritischen Unternehmensgröße. Jeder Fondsanbieter muss sein Geschäftsmodell überprüfen. Einige haben das getan und stehen nun vor der Frage, ob nicht eine Fusion mit einem anderen Haus, der Verkauf oder die Einstellung der Asset-Management-Einheit besser ist. Wer in Nischen tätig ist, kann auch als kleiner Anbieter bestehen. Eines ist klar: Der Wettbewerb ist hart und wird noch viel härter.

Wie stehen Sie zur geplanten Einführung der Finanztransaktionssteuer?

Bauer: Nur eine globale Einführung macht Sinn. Es gibt nichts Flüchtigeres als Kapital. Sollten nicht einmal alle Eurostaaten mitmachen, werden die Mittel in Länder, die nicht dabei sind, in einem Sekundenbruchteil auf Wanderschaft gehen. Falls die Steuer kommt, wird der Mittelstand hart getroffen, weil sich Geldanlage, Versicherung und Pensionskasse verteuern. Das drückt auf die Erträge. Ich muss der Politik bei der Finanztransaktionssteuer leider ein negatives Zeugnis ausstellen: gut gemeint, schlecht gemacht.

Sind weitere Produktinnovationen möglich?

Bauer: Es gibt immer Themen, die sich von Jahr zu Jahr oder von Zyklus zu Zyklus ändern. Aus unserer Produktpalette kommt etwa der Anleihenfonds Raiffeisen-Global-Fundamental-Rent extrem gut an, der in Anleihen von Staaten, die sorgfältig haushalten, keine hohe Verschuldung oder Nettodefizite haben, investiert. 2012 haben wir mit diesem innovativen Fonds 500 Millionen Euro neue Anlegergelder eingesammelt.

Was halten Sie von vermögensverwaltenden Fonds?

Bauer: Gute Manager vermögensverwaltender Fonds erkennen rechtzeitig Tendenzen und nehmen Anpassungen vor. Diese erfolgen idealerweise schrittweise und nicht von null auf hundert. Die Raketenwissenschaft dabei ist, den Umschichtungszeitpunkt richtig zu erwischen. Wir managen mit dem Raiffeisenfonds-Sicherheit und dem Raiffeisenfonds-Ertrag zwei vermögensverwaltende Fonds, die trotz Finanzkrise neue Höchststände erreicht haben.

Zur Person: Mathias Bauer, 52, ist seit 1990 Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Raiffeisen Capital Management. Im Jahr 2005 übernahm der promovierte Volkswirt den Vorsitz des Marktführers unter Österreichs Fondsanbietern. Darüber hinaus fungiert der Experte als Vizepräsident der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften. Von Mitte 2007 bis 2009 wirkte er als Präsident der European Fund and Asset Management Association (EFAMA). Der verheiratete Vater von zwei Kindern ist passionierter Golfspieler.

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