Welche Fehler Anleger vermeiden müssen

Welche Fehler Anleger vermeiden müssen

Deutsche und US-Aktien haben die Verluste der Finanzkrise aufgeholt, den Börsen werden weitere Kursanstiege zugetraut. Aber was müssen Investoren bedenken, die nun noch auf den rollenden Aktienzug aufspringen wollen? Und welche Fallen lauern bei der Geldanlage generell?

Terrance Odean, der sich bis zum Alter von 37 Jahren als Bauarbeiter und New Yorker Taxifahrer verdingte, erklärt im FORMAT-Gespräch am Rande des Spängler IQAM Invest Round Table: "Selbstüberschätzung, überzogener Optimismus und die schlechte Verteilung des Geldes auf verschiedene Anlageklassen sabotieren den Vermögensaufbau.“ Die Tipps kommen aus berufenem Mund. Der ehemalige Cab Driver Odean ist seit über zwanzig Jahren Professor an der University of California, Berkeley, und zählt zum Kreis führender Forscher, die sich mit Anlegerverhalten beschäftigen.

1. Fokus auf Östereich-Aktien - ein renditeschwaches Heimspiel

ATX-Aktien notieren noch 50 Prozent unter dem Hoch von 2007. Dennoch investieren heimische Aktienanleger 25 bis 30 Prozent des Geldes in Austro-Stocks. Übrigens: Dieser "Home Bias“ ist ein weltweites Phänomen. Der Heimatbörse wird instinktiv mehr vertraut als internationalen Märkten.

Lösung: Österreich-Aktien haben im MSCI-Weltaktienindex nur 0,1 Prozent Gewicht. Selbst ATX-Fans sollten nur bis zu 10 Prozent ihres Geldes in heimische Papiere investieren.

2. Häufige Depot-Umschichtungen drücken auf den Ertrag

Wegen des aktuellen Börsenbooms ist die Verlockung groß, den Aktienbestand oft umzuschichten. Das entpuppt sich jedoch als Ertragsfresser. Vor allem bei männlichen Singles, die laut Studien um 67 Prozent häufiger mit Aktien traden als Frauen, im Schnitt aber 1,4 Prozentpunkte weniger Jahresertrag erzielen. Weil sie zu ungeduldig sind.

Lösung: Den Börsenspruch "Hin und her macht Taschen leer“ ernst nehmen.

3. Realistische Ziele statt überzogener Erwartungen

Laut der London Business School brachten Weltaktien seit 1900 inflationsbereinigt jährlich 5 Prozent Rendite. Die Vorzeichen stehen günstig, dass die Börsen heuer stärker steigen könnten. Aber übertriebener Optimismus ist fehl am Platz. Das gilt auch langfristig. Studien belegen, dass Anlegerinnen pro Jahr knapp 2 Prozentpunkte unter ihrer Wunschrendite bleiben, männliche Investoren schrammen pro Jahr um 2,7 Prozentpunkte an ihrem Zielertrag vorbei.

Lösung: Wer sich am langfristigen realen Aktienertrag von 5 Prozent orientiert, bleibt auf der sicheren Seite und könnte Ende 2013 positiv überrascht werden.

4. Vermögensaufteilung entscheidet über Langzeit-Rendite

Langfristiger Anlageerfolg steht und fällt mit der Verteilung des Geldes auf Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen, Geldmarkt- oder Rohstoffinvestments. Die Auswahl von Einzelaktien oder Fonds spielt nur eine Nebenrolle.

Lösung: Vermögensverwaltende Fonds passen den Aktienanteil je nach Börsenlage flexibel an. Mischfonds, denen das seit Jahren gut gelingt, sind etwa der Flossbach von Storch Multiple Opportunities, der Raiffeisenfonds Sicherheit, der Ethna Aktiv oder auch der Carmignac Patrimoine.

5. Gewinne schrittweise mitnehmen, Verluste begrenzen

Investoren nehmen Aktiengewinne häufig nicht rechtzeitig mit und ziehen bei Kursverlusten zu spät die Reißleine. Das belegt eine US-Studie, bei der 10.000 Wertpapierdepots über einen Zeitraum von sieben Jahren untersucht wurden.

Lösung: Bei Kursanstiegen und -verlusten Disziplin an den Tag legen. Das Depot mit Stop-Loss-Limits vor Rückschlägen sichern.

6. Den Sieg in Jahresrankings nicht als Entscheidungsgrundlage heranziehen

Türkei-Aktienfonds gewannen mit 56 Prozent Durchschnittsertrag, gefolgt von Thailand-Aktienfonds mit 40 Prozent, das Fonds-Ranking 2012. Aber: Wegen Marktveränderungen bleiben nur wenige Fonds über Jahre hinweg top. Dennoch entfallen langfristig 54 Prozent der Neu-Investments auf Fonds, die es unter die 20 Prozent der besten Fonds des Vorjahres schafften.

Lösung: Breit gestreut investieren, kurzfristige Rankings nicht überbewerten.

7. Die Sieger von gestern sind häufig die Verlierer von morgen

Auch bei Aktien ist die Verlockung groß, zu Top-Performern zu greifen. Dabei werden sogar verstärkt Papiere des Börsensiegers des Vortages gekauft. Wie Langzeitanalysen belegen, entwickeln sich deren Kurse im Folgemonat meist schlechter als der Gesamtmarkt. Bei US-Aktien beträgt die Differenz innerhalb eines Monats immerhin 1,6 Prozent.

Lösung: Kurzfristige Kursausschläge einfach ignorieren.

8. "Buy on good news“ verringert die Chancen auf Renditen

Anleger neigen dazu, verstärkt Aktien von Unternehmen zu kaufen, die in den Nachrichten häufig mit positiven Schlagzeilen vorkommen. Das trifft laut der Statistik auf 10 Prozent der Börsenkonzerne zu. Bei den restlichen 90 Prozent der Aktien werden Kurschancen einfach ignoriert.

Lösung: Vergleiche mit Aktien derselben Branche schützen vor Fehlgriffen.

9. Der Verlockung des schnellen Geldes widerstehen

Laut der University of California treffen Anleger, die ihre Orders bei Onlinebrokern platzieren, überstürzte Entscheidungen. Deshalb bleiben die von internetaffinen Investoren erzielten Renditen im Schnitt um 3 Prozentpunkte pro Jahr hinter der allgemeinen Marktentwicklung zurück.

Lösung: Vorschnelle, rein emotionsgetriebene Entscheidungen hinterfragen.

10. Geschlossene Fonds - drum prüfe, wer sich bindet

Wie der Skandal um die deutschen S&K-Immobilienfonds ausgehen wird, ist ebenso ungewiss wie die Entwicklung anderer jüngst notleidend gewordener geschlossener Schiffs- und Immofonds.

Lösung: In Aussicht gestellte jährliche Ausschüttungen von 7 Prozent oder mehr genau hinterfragen. Bedenken, dass der Einsatz bei geschlossenen Beteiligungen jahrelang gebunden ist.

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