Warren Buffetts wahres Erfolgsrezept

Warren Buffetts wahres Erfolgsrezept

Warren Buffett hat sein Ziel verfehlt. Erstmals. Er verspricht seinen Anlegern über fünf Jahre hinweg eine bessere Performance als der amerikanische Aktien-Leitindex S&P 500. Seit Ende 2008 ist der S&P nun um 128 Prozent gestiegen. Der Kurs der Class A-Aktie von Buffetts Berkshire Hathaway schaffte in den vergangenen fünf Jahren aber nur ein Plus von rund 85 Prozent.

Trotzdem müssen sich Besitzer der mit einem aktuellen Kurs von 171.000 US-Dollar (124.700 Euro) teuersten Aktie der Welt keine Sorgen machen. Langfristig ist der Erfolg der Investorenlegende in der Branche unerreicht. Buffett hat vielen Anlegern ein Vermögen gebracht.

Seit der Gründung der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway im Jahr 1965 erzielte er eine kumulierte jährliche Wertsteigerung von rund 20 Prozent. Der S&P 500 Index schaffte hingegen im gleichen Zeitraum nur 9,4 Prozent per annum. Wer 1965 mit 1.000 US-Dollar bei Buffett einstieg, hat jetzt ein Vermögen von 1,5 Millionen Dollar am Konto.

Seit Jahren beschäftigt die Finanzbranche die Frage nach dem Geheimnis des Erfolgs von Buffetts Investmentstrategie. Der 83-jährige Investor liebt es, seine Fangemeinde mit mehr oder weniger schlichten Allgemeinplätzen darüber zum Grübeln zu bringen. "Zinsen haben für Preise von Wirtschaftsgütern die gleiche Bedeutung wie die Schwerkraft für den Apfel am Baum“, sagte er bei der letzten Hauptversammlung Anfang des Jahres. Legendär ist sein Satz: "Ich kaufe nur Aktien von Unternehmen, deren Produkte ich auch verstehe.“ Aussagen wie diese haben Buffett den Beinamen "Orakel von Omaha“ eingebracht.

Mehr Licht in die Geheimnisse des Orakels bringt nun eine Studie des National Bureau of Economic Reasearch in Cambridge, die behauptet, das Erfolgsrezept von Buffetts Investmentstrategie gelüftet zu haben. Die Finanzexperten im Team um Andrea Frazzini arbeiten darüber hinaus für AQR Capital Management, einer Investmentfirma, die mehr als 90 Milliarden US-Dollar verwaltet. Kurz vor Jahresende 2013 haben die Finanzwissenschaftler eine 45seitige Studie mit dem Titel "Buffett’s Alpha“ veröffentlicht - auf Deutsch: Buffetts Wertsteigerung, die über dem Markt liegt. Darin werden die Investments seit der Gründung von Berkshire Hathway analysiert. Herausgekommen ist eine hoch komplexe Formel aus zwölf Komponenten, mit der Buffetts Erfolg erklärt werden kann.

Das Ergebnis kann auf zwei Faktoren reduziert werden. Der eine ist bekannt: Buffett kauft Aktien, die billig sind, wo die Unternehmen aber solide und hochqualitative Produkte herstellen. "Ob wir über Socken oder Aktien (Socks or Stocks) reden, ich kaufe Qualitätsware, wenn sie günstig ist“, sagte Buffett bei der Hauptversammlung im Jahr 2008.

Der zweite Erfolgsfaktor von Buffetts Anlagestrategie ist wesentlich überraschender. Das Wissenschaftlerteam fand heraus, dass Buffett über die gesamten 50 Jahre seit Bestehen von Berkshire Hathaway stets eine Menge Aktien auf Kredit gekauft haben muss, um einen großen Hebel zu haben, wenn die Rendite über den zu zahlenden Zinsen lag. Hendrik Leber, Manager des Acatis Aktien Global Fonds, hat die Berkshire Hathaway A-Aktie unter seinen Top-Holdings. Der Fondsmanager war bereits 18 Mal bei den Hauptversammlungen, kennt Buffett und meint zum Studienergebnis über den Aktienkauf auf Kredit: "Es ist verblüffend, dass das nicht schon früher jemanden aufgefallen ist. Buffett hat immer wieder gesagt: Es ist wichtig, dass mehr als genügend Mittel für den Aktienerwerb zur Verfügung stehen.“

Der Hebeltrick

Laut dem Geschäftsbericht von Berkshire Hathawy beläuft sich der Gesamtwert der Beteiligungen derzeit auf das Doppelte des Nettowerts des Unternehmens. Das würde bedeuten, dass Buffett die Aktien mit einem Hebel von zwei zu eins gekauft hat. Laut der Studie der Finanzexperten kann eine langfristige Rendite, wie sie Buffett erreicht hat, nur mit einer Fremdfinanzierung im Ausmaß von etwa 60 Prozent erzielt werden. Das heißt: Wenn Buffett 100 Dollar von Anlegern im Depot hat, borgt er sich 60 Dollar zusätzlich aus, um hochwertige, sichere Aktien im Wert von 160 Dollar fürs Portfolio kaufen zu können.

Zu diesem Ergebnis kamen die Studienautoren - vereinfacht - durch folgende Schlussfolgerung: Buffett investiert bekanntermaßen nicht in Aktien, die für große Kurssprünge bekannt sind. Die Volatilität der gehaltenen Aktien (also das Risiko von großen Kursverlusten) ist gering. Andererseits ist die Sharpe Ratio - also jene Kennzahl, die angibt, wie gut die Rendite im Vergleich zu risikolosen Investments ist - sehr hoch. "Das heißt“, so die Studienautor Frazzini, "Buffett kann diese überdurchschnittlich hohen Erträge nur mit dem Eingehen von einem anderen Risiko erzielt haben.“ Wenn das Risiko, das die Sharpe-Ratio anzeigt, nicht aus den enthaltenen Investments stammt, muss es durch Kreditfinanzierung entstanden sein. Und der große Erfolg entstand deshalb, weil Buffett über alle Jahre hindurch eisern an der Strategie einer Kreditfinanzierung seiner Aktienkäufe festhielten. Auch wenn die Ergebnisse einmal nicht so gut waren.

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Und woher borgte sich Buffett über all die Jahre das Geld? Einen großen Teil wohl aus seiner Unternehmensgruppe. Die besteht aus der Berkshire Hathaway und aus einem Private-Equity-Bereich, also aus Unternehmen, die überwiegend Buffetts Imperium gehören. Darin enthalten sind gleich elf Versicherungen, darunter auch einige Rückversicherungen. Acatis Fondsmanager Leber: "Es ist anzunehmen, dass ein großer Teil des geborgten Geldes aus dem Versicherungsgeschäft stammt.“

Stellt sich nur noch die Frage, was Anleger von der Erkenntnis haben, dass Buffetts Investmenterfolg auf dem Kauf solider Qualitätsaktien mit einem Kreditanteil von 60 Prozent basieren? Nach Ansicht der Studienautoren sehr viel. Sie sind der Meinung, dass Investoren, die dieser Investmentformel folgen, sogar eine noch bessere Performance erzielen können als Warren Buffett. Sie raten Anlegern sogar, sich tatsächlich Kredite für die Investments aufzunehmen. Ein Rat, dem jedoch nur wirklich sehr erfahrene Aktien-Profis folgen sollten. Zwar ist es bei den aktuell niedrigen Kreditzinsen und bei gleichzeitig guter Verfassung vieler Börsen durchaus möglich, eine Performance zu erzielen, mit der nach Rückzahlung der Verbindlichkeiten ein Gewinn übrig bleibt.

Trotzdem bleiben derartige, über einen Kredit "gehebelte“ Investments aber hochriskant. Und Privatanleger, die nicht die Durchhaltekraft eines Warren Buffett haben, sollten die Finger davon lassen.

Da empfiehlt es sich, lieber gleich die Berkshire-Hathaway-Aktie zu kaufen. Wer die dafür notwendigen 171.400 Dollar nicht zur Verfügung hat, kann in Fonds, die ähnlich veranlagen, investieren: Beispielsweise in den Acatis Aktien Global Fonds (DE0009781740), den Parvest Equity World Low Volatility Fund (LU0823417653) - beide sind ihrerseits in Berkshire Hathaway veranlagt - oder in den DWS Top Dividende Fonds (DE0009848119). Die jährliche Performance dieser Produkte lag in der Vergangenheit bei rund 15 Prozent.

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