Wall Street: Heiteres Aktien-Flutschen

Eine eherne Regel konservativer Anlageberater lautet: „Kaufen Sie eine Aktie eines grundsoliden, weltweit bedeutenden Unternehmens, legen Sie das Wertpapier in Ihr Depot, und vergessen Sie es für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre.“

Wall Street: Heiteres Aktien-Flutschen

Klingt gut, hat nur einen Haken: Diese Strategie stimmt mit der Realität nicht mehr überein. Mit Aktien wird gezockt – Aktien werden nicht gehalten. Um genau zu sein: Die durchschnittliche Behaltedauer einer Aktie an der New York Stock Exchange beträgt ungefähr 22 Sekunden. Das hat der US-Ökonom Michael Hudson berechnet. Vor 50 Jahren wurden Aktien im Schnitt zehn Jahre gehalten (siehe Grafik) .

Doch woher kommt der rapide Verfall der guten Börsensitten? Ein bedeutender Teil des Handels an den Börsen läuft bereits über Hochgeschwindigkeitscomputer. Die Algorithmen ihrer Programme reagieren auf minimalste Veränderungen und führen automatisch Transaktionen durch. Doch so wild, wie es in diesen Supercomputern zugeht, ist der wahre Aktienhandel wieder auch nicht. Der Hochfrequenzhandel hat nur einen statistisch faszinierenden Durchschnittswert produziert.

Menschen drehen alle sieben Monate

Treffen Menschen, egal ob Profitrader oder Börsenneuling, Entscheidungen über Buy oder Sell, drehen sich Aktien heutzutage rund alle sieben Monate. Aber selbst dieser realistische Wert zeigt, dass Aktien heute nicht mehr einfach liegen gelassen, sondern aktiv gemanagt werden – das bringt einen nachweislich höheren Ertrag.