Vorsorge ist besser als Nachsorge: Pensionskassen erzielen höhere Renditen

FORMAT vergleicht, welche Pensionskassen 2009 am besten abschnitten und wie sich die „Abfertigung neu“ entwickelte. Plus: Die Eckpunkte der Pensionskassenreform.

Bei den Pensionskassen war 2008 Feuer am Dach. An­gesichts der Finanzkrise schmolzen die veranlagten Gelder dahin, es gab Verluste bis zu 18,2 Prozent. Jetzt können Senioren, die eine betriebliche Zusatzpension beziehen, wieder ruhiger durchatmen. Die Veranlagungsergebnisse der überbetrieblichen Pensionskassen für 2009 liegen mit durchschnittlich 8,4 Prozent Jahresertrag wieder im grünen Bereich. Mehrere Veranlagungsrisikogemeinschaften (VRG) brachten sogar ein zweistelliges Plus. FORMAT erhob exklusiv, wie die einzelnen Pensionskassen 2009 abschnitten (siehe Tabelle ) und wie welche Renditen bei der „Abfertigung neu“ erzielt wurden (siehe Tabelle ) .

Anlage-Mix am ertragreichsten
Ungewöhnlich ist, dass die alte Geldanlage-Formel „mehr Veranlagungsrisiko bringt einen höheren Ertrag“ bei den Vorjahresergebnissen der Pensionskassen ihre Gültigkeit verlor. Michaela Plank, Pensionskassen-Expertin beim Beratungsunternehmen Mercer: „2009 ist der einmalige Fall eingetreten, dass ein höherer Aktienanteil nicht automatisch mehr Ertrag brachte. Mit einem ausgewogenen Anlage-Mix wurde im Schnitt mehr Ertrag erzielt als mit einem aktiven oder aggressiven Ansatz. Das hat es seit Beginn der Performancemessung der Pensionskassen noch nicht gegeben.“ Es lag am Geschick der Anlagechefs, bei Aktien den richtigen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt zu erwischen. Plank: „Zusätzlich war die Auswahl der besten Fonds das Zünglein an der Waage. Die Pensionskassen, die Hochzinsanleihenfonds beimischten, konnten die Erträge noch weiter nach oben schrauben.“ Das belegen etwa die Ergebnisse, die die Raiffeisen-nahe ÖPAG einfahren konnte. Obwohl die Aktienquote in den ausgewogenen Depots VRG 1, 2 und 3 mit 24 bis 32 Prozent moderat war, lagen die Erträge durchwegs bei über zehn Prozent.

Keine Bezugserhöhung trotz Erholung
Auch aufseiten der betrieblichen Vorsorgekassen, die die Mittel der „Abfertigung neu“ verwalten, hat sich die Lage wieder entspannt. Trotz des engen Anlagekorsetts und der Kapitalgarantie waren wie im Fall der Victoria-Volksbanken Vorsorgekasse im Vorjahr Erträge von bis zu 4,6 Prozent möglich (siehe Tabelle ) . Die niedrigen, aber konstanteren Renditen der „Abfertigung neu“ sind konstruk­tionsbedingt. Da bereits nach drei Veranlagungsjahren eine Kapitalgarantie aller Einzahlungen besteht, legen die Abfertigungskassen das Geld betont konservativ an. Ganz anders die Lage bei den Pensionskassen: Trotz der besseren Erträge dürfen nicht alle Bezieher von betrieblichen Zusatzpensionen damit rechnen, dass ihnen wieder mehr Rente überwiesen wird. Das trifft laut dem Fachverband der Pensionskassen nur auf rund die Hälfte der Firmenpensionisten zu. Bei alten Verträgen, deren Kalkulation auf einem hohen Rechnungszins von 6,5 Prozent basiert, kann 2010 unterm Strich sogar weniger herauskommen als im Vorjahr. Kurt Bednar, Chef der Aktuar Versicherungsmathematik: „Das katastrophale Anlagejahr 2008 hinterlässt noch immer seine Spuren. Speziell wegen alter Ver­träge, die mit einem hohen Rechnungszins kalkuliert sind, waren die Reserven auf­gebraucht. Jetzt ist weniger an die Pen­sionisten zu verteilen, weil diese Rück­stellungen wieder aufgefüllt werden­ ­müssen.“ Um die Probleme der Pensionskassenkunden zu entschärfen, ist eine Gesetzesänderung schon seit dem Vorjahr über­fällig. Andreas Zakostelsky, Chef der Vorsorge Holding, der Dachorganisation der betrieblichen Vorsorgesparten von Raiff­eisen: „Ich rechne damit, dass die Reform im ersten Halbjahr fixiert wird und 2011 in Kraft tritt.“

Flexibles Modell oder Sicherheitsvariante?
Wahrscheinlich ist die Einführung eines Lebensphasenmodells und die Möglichkeit, eine Sicherheitsvariante anzubiete. Breiter Konsens herrscht darüber, dass ein Lebensphasenmodell bei der betrieblichen Vorsorge Vorteile bringt. Wie die Umsetzung in der ­nahenden Pensionskassenreform erfolgen wird, ist freilich noch unklar. Aktuar-Versicherungsmathematik-Chef Bednar: „Die Idee, ein Lebensphasenmodell einzu­führen, ist prinzipiell gut. Wenn die Umsetzung aber so aussieht, dass man bei der Veranlagung je nach Alter nur zwischen 20 und 40 Prozent in Aktien investieren darf, ist das nicht ausreichend.“ Der Experte rät zu mehr Mut: „Wer jung ist, soll durchaus 70 Prozent in Aktien haben, dafür soll der Aktienanteil in späteren Jahren auch ganz eliminiert werden können.“ Die „Sicherheits-Veranlagungs-Risikogemeinschaft“, also eine Variante, die mit einer Mindestgarantie ausgestattet ist, liegt bei den Pensions­kassen bereits in der Schublade. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Kassen in Hinkunft eine solche Sicherheitsvariante trotz der Bedenken bezüglich hoher Absicherungskosten anbieten werden. Vorsorge-Holding-Chef Zakostelsky: „Offen ist, ob es neben der Kapitalgarantie auch eine Mindestverzinsung gibt.“ In Zukunft soll es ab dem Alter von 50 möglich sein, von einer Pensionskasse in die betriebliche Kollektivversicherung zu wechseln, die wie eine klassische Lebensversicherung mit Mindestverzinsung und Gewinnbeteiligung ausgestattet ist.

Klare Regeln und höhere Transparenz
Nach der bisherigen Regelung legte der Pensionskassen-Vorstand fest, welcher Teil der Erträge den Kunden direkt gutgeschrieben und welcher Teil als „Schwankungsrückstellung“ vorerst zur Stärkung der Reserven verwendet wird. Haken: Im Konkurrenzkampf erzeugte das einen Druck auf die Kassen, die Reserven niedrig zu dotieren. Mit der in der Pensionskassenreform angedachten Neuregelung soll die Finanzmarktaufsicht FMA klare Regeln aufstellen. Zakostelsky: „Wir als Branche begrüßen es, wenn in Zukunft objektive Parameter gelten.“ Den Pensionskassen wurde jahrelang mangelnde Transparenz bezüglich der Kosten vorgeworfen. Die nahende Reform soll auch in diesem Punkt Abhilfe schaffen, da künftig die gesamten Kosten einer Veranlagungsrisikogemeinschaft auszuweisen sind. Der Nachweis könnte (wie bei Fonds bereits seit Jahren üblich) mittels der Total Expense Ratio (TER) erfolgen. Zusätzlich sind den Kunden der Pensionskassen auch die Performancewerte alternativer Veranlagungsrisikogemeinschaften mitzuteilen. Heute sind Kunden noch auf Vergleiche in Medien wie dem vorliegenden FORMAT oder Daten externer Pensions-Consulter angewiesen.

Robert Winter

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