Vom Krisenmanager zur Nummer 1: Bob Dudley sitzt ab Oktober im Chefsessel von BP

Auch wenn bis vergangenen Dienstag Spekulationen um die Führungsposition bei BP angestellt wurden – Alternativen zu Bob Dudley schien es gar nicht zu geben. Anfang Oktober wird der 54-Jährige das Zepter übernehmen und als erster US-Amerikaner die Geschicke des britischen Energiekonzerns leiten.

Der gelernte Chemieingenieur ist seit über 30 Jahren im Ölgeschäft. Seit Juni 2010 steht er als Krisenfeuerwehr im Golf von Mexiko an vorderster Front. Diese Funktion hat er vom bisherigen BP-Chef Tony Hayward geerbt, nachdem immer klarer wurde, dass dessen Präsenz vor Ort alles andere als Vertrauen erweckte.

BP-Chairman Carl-Henric Svanberg lobt Dudley für seine Handlungsfähigkeit in schwierigen Lagen. Bereits seit April 2009 war Dudley Mitglied des Vorstands bei BP und als Vizepräsident des Konzerns für die Leitung der Aktivitäten in Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Asien zuständig. Einen neuen Mann an die Spitze zu befördern war in den vergangenen Wochen für den britischen Konzern unausweichlich geworden. Zahlreiche US-Medien hatten scharfe Kritik am bisherigen BP-Chef Tony Hayward geübt. Vor allem das ostentative Desinteresse, mit dem er die Umweltschäden und die Verantwortung seines Unternehmens kommentierte, brachte Berichterstatter und Öffentlichkeit zum Schäumen. Unüberlegte verbale Ausrutscher – etwa dass er sein altes Leben zurückhaben wolle – schadeten seinem Image ebenso wie sein unkooperatives Auftreten bei der Befragung vor dem US-Kongress.

Bonus der US-Staatsbürgerschaft

Um die öffentliche Meinung allein geht es BP freilich nicht. 40 Prozent der Aktien werden von britischen Investoren gehalten. Der Anteil von amerikanischen Aktionären ist etwa gleich groß. Deshalb ist es psychologisch bedeutsam, dass ein US-Bürger – und noch dazu einer, der in dem vom Ölleck betroffenen US-Bundesstaat Mississippi aufgewachsen ist – an die Spitze kommt.

Abgesehen von seiner vorteilhaften Staatsbürgerschaft soll Dudley auch Kompetenzen in Diplomatie und Menschenführung besitzen, die Hayward nicht vorweisen konnte. Bislang als „Außenminister“ von BP eingestuft, soll er nun den beschädigten Ruf reparieren. Heikle Jobs ist er jedenfalls gewöhnt. So war er von 2003 bis 2008 Leiter von TNK-BP, dem Gemeinschaftsunternehmen von BP und einer russischen Aktionärsgruppe. Fünf Jahre hielt er sich in der politisch schwierigen Position, ehe er nach einer Auseinandersetzung mit den russischen Partnern flüchtete. Pikanterie am Rande: Dudley musste Russland offiziell wegen eines nicht verlängerten Visums verlassen.

– Katharine Reading

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