Treffsicher investieren: Flexible Fonds ziehen im Fall der Fälle bei Aktien die Reißleine

Seit Anfang Mai sind die Börsen weltweit auf Talfahrt. FORMAT zeigt, welche Fonds bei ihrem Aktienengagement noch rechtzeitig die Reißleine zogen.

An der Börse muss man sich verhalten wie beim Baden in kaltem Wasser: hin­einspringen und rasch wieder heraus“, hat Carl Mayer Rothschild bereits im 19. Jahrhundert festgestellt. Anleger, die der Empfehlung des Sprösslings der Bankerdynas­tie Rothschild folgten, lagen in den vergangenen Wochen goldrichtig. Während die Börsen von März des Vorjahres bis Ende April 2010 eine fulminante Rally hingelegt haben, geht es seither steil bergab. Von Monatsanfang bis Mitte der Woche sackten zum Beispiel Österreich-Aktien um 15,5 Prozent ab. Mit einem Verlust von 12,9 Prozent gerieten auch die lange Zeit gut laufenden brasilianischen Papiere unter die Räder. Die an der New Yorker Wall Street vertretenen US-Konzerne kamen mit minus 1,9 Prozent immerhin noch mit einem blauen Auge davon.

Rasch die Reißleine ziehen  

Investoren, denen das Börsenpflaster angesichts der jüngsten Rückschläge zu heiß geworden ist, sollten überlegen, ihr Geld in flexible Fonds umzuschichten, die rasch reagieren, wenn der Wind an den Finanzmärkten dreht. Eric Samuiloff, Co-Chef beim ­Finanzberater AWD: „Viele An­leger haben mit Fonds, die einer starren Strategie folgen, in den vergangenen Jahren herbe Enttäuschungen erlebt. Besser haben es Leute, die zu vermögensverwaltenden Fonds greifen, deren Manager aktiv auf Marktbewegungen reagieren. Solche Fonds erhöhen den ­Aktienanteil, wenn es an den Börsen rund läuft, und reduzieren ihn möglichst schnell, wenn die Kurse zu sinken beginnen.“ Eines der Produkte, denen die schnelle ­Um­orientierung seit längerer Zeit gut gelingt, ist der Mischfonds Carmignac Patrimoine (ISIN FR0010135103) des französischen Fondsanbieters Carmignac. Bereits 2009 wurde der Fonds blitzartig umgestellt, nachdem die Börsen erste Aufwärts­tendenzen zeigten. Der Aktienanteil des Mischfonds stieg von nahe null im Februar 2009 bis Mitte März des Vorjahres auf fast 40 Prozent.

Ähnlich forsch ging das Fondsmanagement kürzlich zur Sache. Wegen der unsicheren Börsenlage wurden bereits im April die Positionen der in Euro ­gehaltenen Papiere deutlich reduziert. Gleichzeitig wurde der Dollar-Anteil auf 50 Prozent nach oben ­geschraubt. Massive Anpassungen gab es Ende April beim Aktienengagement des laut der Rating-Agentur Morningstar 18,8 Milliarden schweren Fonds. Der Anteil der Dividendenwerte wurde deutlich von rund 35 auf 26,5 Prozent gestutzt. Diese flexible Taktik hat sich auch in den vergangenen Wochen bezahlt gemacht: Seit Anfang Mai legte der Fonds sogar um drei Prozent zu. Damit stehen auf Jahressicht plus 11,2 Prozent zu Buche (­ siehe Grafik ). Innerhalb der vergangenen fünf Jahre wurden plus 70,5 Prozent erzielt.

Flexibilität ist auch beim Dachfonds C-Quadrat Arts Total Return Global – AMI Trumpf ( siehe Grafik ). Während andere Fondsmanager aktiv nach den besten Chancen suchen, macht es sich C-Quadrat-Arts-Manager Leo Willert leicht. Die Umschichtungen seines 380 Millionen Euro schweren Dachfonds erfolgen automatisch mittels einer vom Fondsmanager selbst ent­wickelten Software. Diese berechnet Trends und ­daraus Kauf- und Verkaufssignale. Wenn die Börsen gut laufen, kann das Depot des Fonds zur Gänze mit Aktien-Subfonds bestückt sein. In Crashphasen kann der Aktienanteil dagegen auf null fallen. Fonds­manager Willert: „Bis in den April hinein war das ­Depot zu 100 Prozent mit Aktien-Subfonds bestückt. Dann erfolgte der stufenweise Abbau auf aktuell nur noch 30 Prozent.“

Wie straff das Computerprogramm ausgerichtet ist, zeigt sich speziell bei Subfonds, die in europäische Titel investieren. Fondslenker Willert: „Europa-Aktien waren bereits im April mit 20 Prozent unter­gewichtet. Jetzt sind sie aber überhaupt nur noch in einer homöopathischen Dimension vertreten, der Anteil liegt nahe null Prozent. Ungewöhnlich ist auch, dass die Gewichtung der Dollar-Positionen stark gestiegen ist. Sie erreicht nun rund 50 Prozent.“

Vertrauen auf den Computer  

Dass das von Leo Willert kreierte Computerprogramm nun auf Nummer ­sicher geht, belegt auch die Tatsache, dass die abgebauten Aktienanteile weitgehend mit Geldmarktfonds ersetzt wurden. Zusätzlich kamen weltweite Anleihenfonds in den C-Quadrat Arts Total Return Global – AMI, der es auf Jahressicht zu 20,8 Prozent Ertrag brachte und nur im Mai einen kleinen Rückgang erlitt.

Nahezu spiegelbildlich zum C-Quadrat-Arts-Dachfonds hat sich in letzter Zeit die Vermögenszusammen­setzung des globalen Dachfonds TradeCom Fonds Trader entwickelt. Bei diesem von Manager Thomas Gamsjäger mittels eines technischen Handelssystems gelenkten Produkt betrug der gesamte Aktienanteil in der Vorwoche laut aktuellem Fondsbericht nur noch 20 Prozent. Zum Vergleich: Gegen Ende April hielt der Fonds noch über 90 Prozent der Gelder in Subfonds, die in Dividendenpapiere investieren. Obwohl das Depot in den vergangenen Wochen um rund vier Prozent nachgegeben hat, stehen seit Ende Mai des Vorjahres noch plus 9,2 Prozent zu Buche ( siehe Grafik ).

Vergleichsweise ruhiger verläuft die Wertentwicklung des konservativer ausgelegten gemischten Fonds Ethna-Global Defensiv. Das Depot, bei dem maximal zehn Prozent der Gelder in Aktien investiert werden können, legte seit Ende Mai des Vorjahres dank der Beimischung von Unternehmensanleihen 13,3 Prozent zu ( siehe Chart ). AWD-Experte Samuiloff: „Der unterschiedliche Verlauf der vermögensverwaltenden Fonds beweist, dass es klug ist, das investierte Geld auf computergesteuerte und von Fondsmanagern gelenkte Depots aufzuteilen.“

Robert Winter

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