Träume auf Pump: Konumflaute sorgt für massive Verluste der Kreditkartenfirmen

Nach der US-Immobilienkrise und dem dadurch ausgelösten globalen Finanzkollaps droht in den USA das Platzen der Kreditkartenblase. Direkte Auswirkungen auf Europa sind gering, ­Gefahr droht aber neuerlich den Banken.

Der Traum ist so alt wie das Land selbst, doch vom Tellerwäscher zum Millionär haben es in den USA nur eine Hand voll gebracht. Der stinknormale amerikanische Bürger braucht nämlich gar keine Millionen. Wozu auch, finanziert er sein Leben doch mit Kreditkarte – im Durchschnitt besitzt er 15 an der Zahl. Laut Statistik hat sich pro US-Haushalt ein Schuldenberg von bis zu 10.000 Dollar auf den Plastikkarten angehäuft. Möbel für das Haus, das neue dicke Auto, gigantische Flachbildschirme – alles, was zum American Way of Life dazugehört, wird mit Plastikgeld finanziert, weil es die in Österreich üblichen Kontoüberziehungen nicht gibt. Das Leben auf Pump fordert aber jetzt seinen Tribut.

Anstieg der Kredit-Ausfallsrate
Anders als in Österreich, wo die Kreditkarten-Schulden monatlich vom Girokonto abgebucht werden, dürfen US-Kunden bis zu einem vorher vereinbarten Limit einkaufen gehen und müssen lediglich eine Mindestrate begleichen. Kommt man jedoch mit der Rate in Verzug, fallen astronomische Zinsen an – bei der Bank of America derzeit bis zu 48,9 Prozent. Auf den hohen Zinsen bleiben die Banken bereits sitzen, weil immer mehr Amerikaner zahlungsunfähig sind. Die Ausfallsrate lag im Juni bei 5,5 Prozent, Tendenz: rasant steigend (siehe Grafik ).

Umwandlung für Spritze
Im Sog der Plastikkartenblase hat sich nun American Express (AmEx) kürzlich in eine normale Geschäftsbank umgewandelt, um so um eine Finanzspritze von 3,5 Milliarden Dollar bei der US-Regierung ansuchen zu können. Während in guten Zeiten die Zinsen einen beträchtlichen Teil des AmEx-Umsatzes ausmachten, sind die steigenden Ausfälle nun zum Problem geworden. George Frey, AmEx-Österreich-Chef: „Wir versuchen, die Verluste in Grenzen zu halten. Und man darf nicht vergessen, dass AmEx im dritten Quartal trotzdem noch immer 800 Millionen Dollar verdient hat.“ Ein Steckenpferd hat AmEx jedoch noch in petto – der legendäre US-Investor Warren Buffett ist AmEx-Fan und ihr größter Aktionär. Das alleine bürgt schon für Erfolg.

Aktienkurse im Sinkflug
Die Konsumflaute wirkt sich auch auf die anderen Kreditkartenunternehmen wie Visa, MasterCard und Co aus, die mit sinkenden Umsätzen im nächsten Jahr rechnen müssen. An der Börse blieben die Kurse der Kartenanbieter nicht verschont. American Express büßte seit November vergangenen Jahres 67 Prozent ein, MasterCard 26,6 Prozent und Visa, die erst seit März 2008 an der Börse notiert, verlor seit dem Höchststand im Mai traurige 63,2 Prozent (siehe Grafik ).

Österreich als Insel
Für Österreich ortet Frey jedoch keine gröberen Probleme: „Wir haben hier eine völlig andere Kreditkartenstruktur als in den USA. Es liegt in der Natur des Produkts, dass wir diese Krise in Österreich so nicht spüren werden.“ Dem kann sich Visa-Österreich-Chef Kurt Tojner nur anschließen: „Visa Europe ist ein eigenständiges Unternehmen, das im Besitz ihrer europäischen Mitgliedsbanken ist und von diesen betrieben wird. Die klassischen Revolving-Kreditkarten wie in den USA gibt es zwar, ihre Anzahl bewegt sich in Österreich aber im einstelligen Bereich.“

ABS im Gepäck
Das eigentliche Problem liegt nicht bei den Kartenanbietern, sondern bei den ohnehin schon angeschlagenen Banken, die oft für die Kreditkartenverbindlichkeiten ihrer Kunden geradestehen müssen. Dass sich ein Platzen dieser Blase auch in Europa bemerkbar machen könnte, liegt an der globalen Vernetzung des Finanzsystems. Das Problem sind sogenannte Asset Backed Securities (ABS), die weltweit verkauft wurden. Diese ABS-Anleihen sind mit Kreditkartenforderungen teils schlechter Bonität besichert. Im Bereich von Geldmarktfonds oder langfristigen Anleihenfonds können solche Wertpapiere auftauchen.

Überschwappen auf Europa
Karsten Backhaus, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg: „Ich denke, dass diese Krise auf Europa überschwappen kann, aber sicher nicht in dem Ausmaß wie die des US-Hypothekenmarkts.“ Clemens Klein, Fondsmanager der Erste Sparinvest: „Solche ABS-Papiere wurden vor zwölf bis 18 Monaten noch mit Triple-A bewertet. Dass einzelne Banken Abschreibungsbedarf haben, ist klar.“ Klein vermutet zwar nicht die große Leiche im Keller, „aber die Frage stellt sich natürlich, was diese Papiere noch wert sind. Da sind Forderungen an 10.000 kleine US-Schuldner drin, deren Bonität wir nicht kennen. Das wird noch ein Problem.“

Von Ingrid Krawarik

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