Teure Klunker: Experten raten weiter zum Erwerb von Diamanten

Obwohl die Preise für Rohdiamanten seit Jahresanfang um 35 Prozent gestiegen sind, raten Experten weiter zum Kauf. FORMAT zeigt, was bei einem Investment in die edlen Steine zu beachten ist.

Die alten Griechen hielten Diamanten für Splitter, die vom Himmel regnen. Heute wissen wir zwar, dass die Kristalle aus den Tiefen der Erde stammen, doch immer noch sprechen wir ihnen besondere Symbolkraft zu. Sie stehen für Unzerstörbarkeit, Beständigkeit und Treue und lassen gerade in letzter Zeit nicht nur Frauenherzen höher schlagen, sondern sie erhöhen auch bei Investoren den Puls.

Ein Blick auf die Preisanstiege von Diamanten zeigt, wie begehrt die funkelnden Steine tatsächlich sind. Alleine im ersten Halbjahr verteuerten sich Rohdiamanten im Schnitt um 35 Prozent. Dieser Preissprung ist bei den Konsumenten noch nicht ganz angekommen, wie Josef Stefan, Hauptschätzmeister für Juwelen und Uhren beim Dorotheum Wien, erklärt: „Die Endkunden merken jetzt noch wenig davon, weil es eine Zeit lang braucht, bis die Steine am Markt erhältlich sind.“

Doch teilweise ist das höhere Preisniveau bereits beim Juwelenkauf zu spüren. Für lupenreine Einkaräter in bester Qualität zahlt man heute um rund 15 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Für Investoren, die die funkelnden Kohlenstoffkristalle unter Anlagegesichtspunkten betrachten, stellt sich freilich die Frage, ob die Rally weiter anhält, und wenn ja, wo man die Pretiosen am günstigsten erwirbt.

China & Indien im Diamantenfieber

Der weltgrößte Diamantenproduzent DeBeers geht davon aus, dass die globale Nachfrage nach den glitzernden Steinen heuer um sieben Prozent zulegen wird. Überdurchschnittlich stark wächst der Bedarf in Asien. Für China wird 2011 ein Absatzplus von 21 Prozent prognostiziert, in Indien könnte das Diamantenfieber mit einem Zuwachs von 24 Prozent noch stärker grassieren.

Die traditionell hohe Wertschätzung, die Edelsteine in den beiden Großreichen, die zusammen mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung stellen, genießen, legt einen langfristigen Preisanstieg nahe. Hauptschätzmeister Stefan: „China und Indien werden für den Diamantenabsatz immer wichtiger. Auch in den Industrieländern ist die Nachfrage rege, weil Anleger im Zuge der instabilen Wirtschaft in Sachwerte flüchten.“

In die gleiche Kerbe schlägt Wilfried Haas, Präsident des Diamant-Clubs Wien: „Im Verlauf der Wirtschaftskrise ist unvorstellbar viel Vermögen in nichts zerronnen. Das lässt die Diamantenbranche ein wenig selbstbewusster auftreten. Diamanten sind unvergänglich und stellen Vermögen in seiner dichtesten Form dar.“

Die extrem harten, aber leicht brennbaren Steine eignen sich besonders gut als Wertreserve für die Krise, weil sie handlich sind und praktisch überallhin unentdeckt mitgenommen werden können. Zudem achtet der weltgrößte Produzent DeBeers, der gut die Hälfte des Diamanthandels kontrolliert, akribisch darauf, dass der Markt nicht mit den Steinen überschwemmt wird. Daher ist die Gefahr gering, dass die Preise dramatisch abstürzen.

Weil die Welt der Diamanthändler für Laien kaum zu betreten ist, bleibt Anlegern nur die Möglichkeit, die Edelsteine beim Juwelier oder in renommierten Auktionshäusern zu erwerben. Von Internetkäufen raten die Experten geschlossen ab. Diamant-Club-Präsident Haas: „Nicht einmal ein Fachmann würde Diamanten über das Netz kaufen, weil man die Steine in Händen halten muss, um eine aussagekräftige Schätzung vornehmen zu können. Selbst bei zwei laut Zertifikat gleich eingestuften Steinen sticht einer immer mehr hervor.“

Laut Diamantprofi Haas eignen sich vor allem größere Steine in feiner und bester Qualität gut als Wertrücklage. Haas: „Ich bevorzuge seltene Steine ab einer Größe von zwei Karat.“ Allerdings liegt hier die Latte für den Einstieg hoch, Zweikaräter erzielen aktuell Preise zwischen 80.000 und 90.000 Euro. Dorotheum-Schätzmeister Stefan rät zum Kauf kleinerer und damit günstigerer Steine: „Falls man aussteigen will, sind solche Diamanten leichter an den Mann zu bringen.“

Laut Stefan kostet ein Einkaräter zwischen 30.000 und 40.000 Euro, ein Halbkaräter in bester Qualität ist ab rund 13.000 Euro zu haben. Wem das immer noch zu teuer ist, der kann bei Auktionen deutlich preiswerter zuschlagen, weil dort auch sogenannte Altschliffbrillanten unter den Hammer kommen. Stefan: „Altschliffbrillanten wurden bis Ende der 1930er-Jahre gefertigt. Sie sind aufgrund eines noch weniger ausgereiften Cuts nicht so lichtdurchlässig wie später bearbeitete Steine.“ Meist handelt es sich dabei um Brillanten, die in Schmuckstücken verarbeitet sind.

Farbige Diamanten sind besonders selten, was für Rekordpreise sorgt. Der teuerste beim Auktionshaus Sotheby’s je versteigerte Stein war der rosafarbene, in einen Ring eingearbeitete „The Graff Pink“. 2010 fiel der Hammer für das Schmuckstück mit einem Gewicht von 24 Karat erst bei 46 Millionen Dollar. Dennoch erfreuen sich herkömmliche, weiße Steine anhaltend hoher Beliebtheit. „Farblose Brillanten mit einem runden Schliff werden am häufigsten gekauft“, weiß Schätzmeister Stefan.

Urkunde vom Meister

Um den Wert eines Diamanten festzustellen, werden die Steine von Experten nach der sogenannten „Vier-C-Methode“ eingestuft (siehe unten ). Beurteilt werden Farbe (Colour), Gewicht (Carat), Schliff (Cut) und Reinheit (Clarity). Innerhalb der Bewertungsskala gibt es wiederum feinste Abstufungen, die die Lichtdurchlässigkeit oder die Anzahl von Unreinheiten in Form von Einschlüssen berücksichtigen.

Stefan: „Für Laien ist es extrem schwer, Diamanten zu beurteilen. Erst mit dem Zertifikat werden die Steine vergleichbar.“ Bei Diamanten, die etwa im Dorotheum versteigert werden, wird automatisch ein Gutachten ausgehändigt. Ein Zertifikat, das erst nachträglich erstellt wird, kostet rund ein Prozent des Schätzwerts. Mindestens ist jedoch mit 100 Euro zu rechnen. Angesichts der ohnehin schon hohen Preise dürfte aber ein Hunderter mehr durchaus zu verschmerzen sein.

– Carolina Burger

Diamanten-Prüfung: Vier Cs entscheidend

● Colour gibt die Farbe des Kristalls an. Durchsichtige Steine, die das Licht in Regenbogenfarben aufspalten, sind am teuersten. Bunte Diamanten nennt man „Fancy Colored“.

● Carat bezeichnet die Größe eines Edelsteins, gemessen an seinem Gewicht. Ein Karat entspricht 0,2 Gramm. Das Gewicht kleiner Steine wird in sogenannten Punkten ausgedrückt, wobei 100 Punkte ein Karat ergeben.

● Cut: Je nachdem, für welches Schmuckstück ein Diamant eingesetzt werden soll, fällt der Schliff unterschiedlich aus. Als Brillanten bezeichnet man einen speziell geschliffenen Stein, der neben der flachen Oberseite 56 Facetten aufweist.

● Clarity steht für die Reinheit des Diamanten. Häufig haben die Kristalle sehr kleine natürliche Merkmale, die als Einschlüsse bezeichnet werden. Je weniger und je kleiner die Einschlüsse sind, desto besser kann das Licht den Stein durchdringen.

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