Teure Billigflieger: keine Reservierungen, kein Catering und versteckte Nebenkosten

Billigflüge sind oft nur auf den ersten Blick ein Schnäppchen. Nebengebühren können die scheinbar günstigen Preise gewaltig nach oben schrauben.

Nur 35 Euro für einen Flug von Graz nach London und retour klingt verlockend. Doch wer diesem Internetangebot von Ryanair nähertritt, der könnte eine böse Überraschung erleben. Denn in dem attraktiven Schnäppchenpreis sind bei weitem nicht alle Spesen einkalkuliert, die üblicherweise bei Flugreisen anfallen. Mit 30 Euro reist beispielsweise jedes eingecheckte Gepäckstück fast ebenso teuer wie der Passagier.

Und während der Koffer sein sicheres Plätzchen im Bauch des Jets findet, ist die Unterbringung dessen zweibeinigen Be­sitzers keineswegs so vorhersagbar. Einen reservierten Sitzplatz gibt es bei Ryanair – ebenso wie bei manchen Konkurrenten – nicht. Passagiere, die sich einen bevorzugten Platz sichern möchten, müssen noch einmal in die Tasche greifen. Wer wegen der freien Sitzplatzwahl vor der Masse einsteigen will, zahlt bei Ryanair weitere acht Euro für Hin- und Rückflug. Der Schnäppchenpreis für den Flug nach London hat sich somit auf Gesamtkosten von 73 Euro mehr als verdoppelt. Bei diesem aktuellen Angebot sind aber – anders als üblich – Steuern und Gebühren bereits inkludiert, weswegen man noch vergleichsweise glimpflich davonkommt.

Das Beispiel zeigt, wie erfinderisch Billigfluglinien sind, wenn es um das Verrechnen von Zusatzgebühren geht. Damit sich der günstige Flug nicht im Nach­hinein als teurer Spaß entpuppt, empfiehlt ­­Barbara Forster, Expertin für Fluggastrechte beim Europäischen Verbraucherzentrum, den Vergleich aller Zusatzkos­ten: „Low-Cost-Carrier geben den Preisvorteil an jene Kunden weiter, die wenig Kosten verursachen, weil sie mit Handgepäck auskommen.“ Genügsame Passagiere, die auf Essen an Bord ver­zichten und keinen fixen Sitzplatz beanspruchen, fliegen mit Angeboten von Billig­anbietern folglich günstiger.

Jedoch landen Billigairlines meist nicht an den zentralen Flughäfen, sondern steuern ­günstigere Landeplätze an der Peripherie an. Das verursacht zusätzliche Wartezeiten und Kosten für den Transfer ans Reiseziel. Forster: „Werden die Aufwendungen dafür einberechnet, kommen Passagiere mit einem etwas teureren Ticket von Linienfluggesellschaften genauso gut oder sogar besser weg.“ So bietet etwa die AUA derzeit Tour-Retour-Tickets nach Barcelona, Nizza oder Mailand für knapp unter 100 Euro an, bei denen alle Kosten inkludiert sind. Echte Schnäppchenjäger können auch bei Reisebüros fündig werden, die oft besonders günstige Flugkontingente aufkaufen. Generell schlecht beraten sind ­Passagiere, die sich auf Suchprogramme wie www.checkfelix.com oder www.skyscanner.de verlassen. Der Nachteil: Einige Billig­anbieter werden bei der Suche nicht berücksichtigt, weswegen die vorteilhaftesten Offerte gar nicht aufscheinen. Egal wo Reisefreudige ihr Ticket kaufen: Je früher ein Flug gebucht wird, desto weniger kostet er.

Tücken bei Online-Tickets

Doch Eile mit Weile: Häufig passieren Fehler, weil Reisewillige einen günstigen Flug nebenbei in der Mittagspause buchen. Dabei kann sich eine falsche Eingabe nachträglich als teuer erweisen. Wer bei der Online-Buchung auf „ok“ klickt, der hat mit der Airline einen Vertrag geschlossen. Forster: „Ein Rücktritt ist selbst eine Sekunde nach der Buchung ausgeschlossen.“ So werden bei Aer Lingus und Ryanair für eine simple Namensänderung 100 Euro verrechnet.

Unbeabsichtigt teure Buchungen passieren auch, weil sich manche Fluglinien nicht an eine EU-Verordnung halten. Diese sieht vor, dass Extras wie eine Stornoversicherung im Online-Bestellformular nicht automatisch aktiviert sein dürfen. „Kunden kaufen deshalb Zusatzangebote, die sie gar nicht ausgewählt haben. Das ist unzulässig“, ärgert sich Forster. Die Expertin rät, von jedem Buchungsschritt einen Screen­shot, also eine Kopie der Bildschirmdarstellung am Computer, zu machen. Damit sind Reklamationen beweisbar.

Kein Kraut ist gegen überzogene Gebühren für Gepäckstücke gewachsen. Wer bei der Online-Buchung vergisst, seinen Koffer anzugeben, zahlt beim Spesenritter Ryanair am Check-in-Schalter mit 35 Euro pro Koffer gleich um 133 Prozent mehr. Übrigens: Ryanair hat bereits laut über ein kostenpflichtiges Bord-WC nachgedacht,

Carolina Burger

Alle Nebenkosten für Billigflüge finden Sie in der Tabelle im aktuellen FORMAT Nr. 30 ab Seite 82

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