Templeton-Star-Fondsmanager Mark Mobius im FORMAT-Gespräch

Templeton-Star-Fondsmanager Mark Mobius verrät, warum Schwellenländer-Aktien noch drei positive Jahre bevorstehen und welche Chancen auf besonders exotischen Börsenplätzen warten.

FORMAT: Herr Mobius, wer als Euro-Anleger im laufenden Jahr in Aktien von Schwellenländern investierte, ist mit knapp 7 Prozent unter Wasser. Mit Papieren aus Industriestaaten hätte man nur 2 Prozent verloren. Ist jetzt die Luft in den viel gepriesenen Emerging Markets draußen?

Mark Mobius: Auf keinen Fall. Schwellenländer wachsen dreimal so schnell wie die westliche Welt. In diesem Tempo wird es auch weitergehen. Zum Beispiel besitzen erst 30 Prozent der Chinesen einen Kühlschrank und erst 5 Prozent einen Computer. Viele Leute behaupten, dass Schwellenländer jetzt eine schlechtere Performance haben als Aktien von entwickelten Ländern. Das stimmt allenfalls kurzfristig. In den vergangenen zwölf Monaten schnitten Schwellenländer besser ab, genauso über drei, fünf und zehn Jahre.

FORMAT: Und was ist in den kommenden Jahren?

Mobius: Wir befinden uns weiterhin in einer Phase steigender Emerging-Markets-Aktien, die im Jahr 2009 begonnen hat. Im Schnitt halten Börsenzyklen etwa fünf Jahre an. Wir haben also durchaus noch gute Zeiten vor uns.

FORMAT: Derzeit kämpfen aber viele Schwellenländer mit einer hohen Inflation. Könnte die Teuerung den Investoren einen Strich durch die Rechnung machen?

Mobius: Nein, weil Schwellenländer nicht lange herumgefackelt haben, sondern sehr rasch die Zinsen anhoben, um die Inflation zu bekämpfen. Außerdem sind die Realzinsen trotz der hohen Inflation in vielen Staaten negativ, was der Wirtschaft hilft.

FORMAT: Wie groß ist die Gefahr einer Blasenbildung bei chinesischen Immobilien?

Mobius: Obwohl in einigen Gebieten Chinas die Preise für Wohnungen extrem hoch sind, gibt es nach wie vor eine enorme Nachfrage. Das wird sich so schnell nicht ändern, und deswegen werden auch die Preise nicht in absehbarer Zeit fallen. Chinesen haben außerhalb des Bereichs Immobilien relativ wenig Möglichkeiten, ihr Geld anzulegen.

FORMAT: China will den Inlandskonsum stärken und weniger exportieren. Geht der Plan bislang auf?

Mobius: Ja, sie sind auf gutem Weg. Die USA erzielen 70 bis 80 Prozent der Wirtschaftsleistung im Inland. In diese Richtung strebt auch China. Davon profitieren zum Beispiel Statussymbole. Eine Rolex wird gehandelt wie Gold, eine Rolex ist schon fast mit einer Währung gleichzusetzen.

FORMAT: In Ihrem Aktienfonds Templeton Asian Growth haben Sie China stark gewichtet. Was ist mit den anderen asiatischen Staaten?

Mobius: Es gibt viele interessante Börsen, Thailand profitiert zum Beispiel von einem unerwartet klaren Wahlausgang. Auch Sri Lanka und Vietnam gehören zu unseren Favoriten.

FORMAT: Gibt es auch asiatische Länder, von denen Sie lieber die Finger lassen?

Mobius: Wir haben nicht viel an der philippinischen Börse investiert. Und Indien ist auch schon sehr teuer, aber wir würden trotzdem unsere Indien-Aktien nicht verkaufen.

FORMAT: Wenn Sie an die vier BRIC-Staaten denken, wo würden Sie jetzt frisches Geld einsetzen?

Mobius: Derzeit in Russland, dort haben wir in unserem globalen Schwellenlandfonds gerade aufgestockt. Russland befindet sich gerade in einer guten Entwicklungsphase, viele Aktien sind sehr günstig.

FORMAT: Bei welchen Aktien würden Sie in Russland zuschlagen?

Mobius: Besonders attraktiv sind Unternehmen der Öl- und Gasbranche.

FORMAT: Ihr momentanes Lieblingsthema sind die Frontier Markets, also die ganz jungen Börsen. Warum?

Mobius: Unter den zehn Staaten, die im Zeitraum zwischen 2001 und 2010 am stärksten gewachsen sind, befinden sich neben China neun Frontier Markets wie Kasachstan oder Nigeria. Trotzdem sind die Börsen, gemessen am Kurs-Buchwert, günstiger als die etablierteren Schwellenländer.

FORMAT: Unter den fünf Top-Positionen im Templeton Frontier Markets finden sich mit der Zenith Bank und der United Bank of Africa gleich zwei nigerianische Banken. Sind die Banken dort so besonders attraktiv?

Mobius: In Nigeria leben 150 Millionen Menschen, aber erst 5 Prozent nehmen die Dienstleistung von Banken in Anspruch. Außerdem sind die Banken inzwischen sehr professionell aufgestellt und werden vom Staat penibel kontrolliert. Wir haben auch ein paar nigerianische Ölfirmen auf dem Radarschirm, weil dort gerade Förderlizenzen vergeben werden. Wir fahren jetzt auf eine längere Afrikatour, um die Unternehmen vor Ort zu besichtigen.

FORMAT: Könnte die europäische Schuldenkrise dem globalen Wachstum und damit den Schwellenländern einen nachhaltigen Dämpfer verpassen?

Mobius: Am Ende des Tages wird es eine Lösung geben, auch der Euro wird bleiben. Ich rechne mit einem Haircut griechischer Anleihen und der Verlängerung von Zahlungszielen. Die Schuldenkrise wird letztlich den Welthandel und den Konsum nicht spürbar beeinflussen.

Interview: Carolina Burger, Martin Kwauka

Zur Person: Der Altmeister des Investments in den Emerging Markets leitet seit 24 Jahren das Schwellenland-Team von Templeton und erzielte mit seinem Flaggschiffprodukt Templeton Asian Growth seit Juli 2001 im Schnitt 13,2 Prozent Gewinn. Der Fonds ist inzwischen 18 Milliarden Dollar schwer und war 2010 der meistverkaufte Aktienfonds in Europa. Derzeit legt der inzwischen 75-jährige Mobius den Schwerpunkt auf China mit 30 Prozent des Fondsvolumens und auf Thailand mit 19 Prozent.

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