Süffige Rendite aus dem Keller: Kein Wein-
Investment ohne profunde Fachkenntnisse

Die Preise für Spitzenweine sind seit Anfang 2009 stark gestiegen. FORMAT analysiert, welche edlen Kreszenzen trotzdem noch in den Keller gehören und worauf beim Wein-Investment zu achten ist.

Wer eine 12er-Kiste des französischen Edelrotweins Château Lafite Jahrgang 1982 sein Eigen nennt, kann mit der Zunge schnalzen. Als der Wein auf den Markt kam, war die Kiste um 325 britische Pfund zu haben. Anfang letzten Jahres wurden zwölf Flaschen auf rund 25.000 Pfund taxiert. Damit hat sich der Preis in gut 25 Jahren um rund 7.600 Prozent erhöht.

Die Asiaten heizen den Markt an
Weinkenner, die nicht ganz so viel ausgeben wollen, aber auch nicht davor zurückschrecken, sich hochpreisige Flaschen in den Keller zu legen, konnten in den vergangenen Jahren kaum etwas falsch machen. Gemessen am Liv-ex-100-Index, der die Wertentwicklung von 100 Spitzenweinen abbildet, hat sich der Einsatz seit 2005 trotz des herben Rückschlags im Herbst 2008 um durchschnittlich 150 Prozent vermehrt (siehe Grafik ) . Im Vorjahr sorgte die rege Nachfrage aus Asien wieder für einen Preisschub. Berndt May, Weinliebhaber und Österreich-Chef der JPMorgan-Fondsgesellschaft: „Der weltweite Weinabsatz erreichte im Vorjahr ein Volumen von drei Milliarden Dollar. Die bei Weinauktionen erzielten Erlöse lagen in New York bei 135 Millionen Dollar. Mit 70 Millionen Dollar Auktionsumsatz konnte Hongkong das ­erste Mal London mit 35 Millionen Dollar überflügeln.“ Bei Versteigerungen von Sotheby’s gingen im Vorjahr gleich 57 Prozent der weltweiten Käufe an Asiaten. James Miles, ehemaliger Börsenhändler und Co-Gründer der Weinbörse Liv-ex: „Hongkong und China haben einen dramatischen Einfluss auf den Weinabsatz.“ Und damit auch auf die Preise hochwertiger Tropfen.

Bordeaux-Weine dominieren
Wer mit Weinen auf Renditejagd gehen will, ist nicht überall gleich gut aufgehoben. Über Jahre hinweg haben sich die Top-Weine aus der Bordeaux-Region als die besten Renditebringer erwiesen. Dabei sind Tropfen des Château Haut-Brion, von Lafite-Rothschild, Latour, Margaux und Mouton-Rothschild am begehrtesten. Das spiegelt auch die Zusammensetzung des Liv-ex wider: Mit einer Gewichtung von 92 Prozent dominiert die Bordeaux-Region klar, auf Burgund kommen 3,5 Prozent, auf Italien gar nur 0,6 Prozent. Weine österreichischer Winzer sind überhaupt nicht vertreten. Die Ursache liegt nicht darin, dass die heimischen Winzer schlechte Tropfen keltern, sondern darin, dass das Interesse der weltweiten Weinspekulanten nicht zu wecken ist.

Österreicher haben wenig Chancen
Weinexperte May: „Auf internationalen Auktionen tauchen so gut wie keine Weine aus Österreich auf.“ Hans Martin Gesellmann, der bei Wein & Co Spezial- und Firmenkunden betreut: „Ein heimischer Wein muss schon echten Kult­status haben, damit er auch zu einem guten Investment wird. Die besten Chancen dazu haben Weine wie der Unendlich des Wachauer Winzers F. X. Pichler oder der Rotwein Mystique von Josef Pöckl.“ An der Qualität liegt es nicht, wie Höchstnoten von Robert Parker jr., dem weltweit wichtigsten Weintester, beweisen. Stichwort Robert Parker jr.: Für Wertsteigerungen bei Weinen ist häufig entscheidend, was der Weinpapst von sich gibt. So überraschte Parker die Weinwelt Ende April des Vorjahres mit seiner Bewertung des Château Lafite Jahrgang 2008. Er stufte den Wein damals mit 98 von 100 möglichen Punkten als besonders gut ein, was den Preis über Nacht mit plus 75 Prozent förmlich zum Explodieren brachte.

Investieren nur mit Fachwissen
Das schnelle Geld ist aber auch mit ­gereiften Spitzenweinen nicht immer zu machen. Zuletzt sind die Preise im Herbst 2008 in den Keller gerasselt. Selbst Flaschen mit der absoluten Topnote von 100 Parker-Punkten verloren in kurzer Zeit dramatisch an Wert. „Eine Flasche, die vorher 900 Euro kostete, war dann nur noch 400 Euro wert. Auch ein Topwein wie der Haut-Brion von 1989, der bis dahin 1.400 Euro kostete, war plötzlich um 700 Euro zu haben“, warnt May. Darüber hinaus ist fundiertes Fachwissen ein absolutes Muss für jene, die sich Wein aus Gründen der Geldanlage in den Keller legen. „Wer ohne tiefe Marktkenntnis mit Weinen spekuliert, ist schlecht beraten. Man muss großes Interesse haben und viel Zeit investieren, um die Welt des Weins zu verstehen“, empfiehlt May. Liv-ex-Chef Miles: „Außerdem muss man bei kostbarem Wein für eine makellose Lagerung sorgen. Die Kosten dafür sind nicht zu unterschätzen.“ Und müssen von der Rendite abgezogen werden.

Teuerster Essig der Welt
Der bislang teuerste Wein war ein Château Lafite 1787, der im Jahr 1985 bei Christie’s unter den Hammer kam. Die vom dritten US-Präsidenten Thomas Jefferson signierte Flasche wechselte um 160.000 Dollar den Besitzer. Der mögliche Genuss spielte dabei wohl keine große Rolle mehr. Es geht bei Weinen wie diesem um die Lust am Besitz. Auch Spitzentropfen der führenden französischen Châteaus halten nicht ewig. Beim kostbarsten Wein der Welt, dem Château Lafite 1787, von dem sogar gemunkelt wird, dass es sich um eine Fälschung handelt, weiß niemand, ob er nicht längst zum teuersten Essig der Welt geworden ist.

Robert Winter

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