Steuertipps zum Jahresende

Im zweiten Teil der Serie „Steuertipps zum Jahresende“ lesen Sie, wie Sie dem Fiskus mit Sonderausgaben, Spenden, Nebenjobs und Werbungskosten so weit wie möglich entkommen.

Das kommende Jahr dürfte Steuerzahlern einige unliebsame Überraschungen bereiten. Schließlich soll das Budget saniert werden – und da gehören unter anderem Autofahrer und Raucher immer zu einer bevorzugten Zielgruppe. Praktisch fix ist schon eine deutliche Erhöhung der Grundbuch-Eintragungsgebühren. Außerdem wird ab April 2012 erstmals die neue Wertpapier-KESt auf Kursgewinne eingehoben. Umso wichtiger ist es, wenigstens für das Jahr 2011 so wenig an den Fiskus zu zahlen wie möglich. Allerdings bleibt nur noch wenig Zeit, um sämtliche Maßnahmen vor dem Jahreswechsel unter Dach und Fach zu bringen.

Im zweiten Teil der Serie lesen Sie Tipps, die alle Steuerzahler betreffen, und dazu spezielle Punkte für Arbeitnehmer.

Zu den Massenabgaben zählt die Kirchensteuer. Hier steht ab dem nächsten Jahr ausnahmsweise eine Verbesserung an: Zahlungen an Religionsgemeinschaften sind heuer noch mit 200 Euro begrenzt, 2012 steigt das Limit auf 400 Euro. Wer zum Beispiel 300 Euro im Jahr zahlen muss, kann die Zahlung optimieren, indem er heuer 200 und im kommenden Jahr 400 Euro überweist. Consultatio-Steuerberater Georg Salcher: „Beim Kirchenbeitrag ist auch immer ein Familiensplitting anzudenken. Jeder Steuerzahler sollte seinen Beitrag bis zum Erreichen der Obergrenze selbst zahlen. Wenn ein Partner das Limit übersteigt, kann der andere, der noch Spielraum hat, den übersteigenden Teil steuerwirksam übernehmen.“

Sonderausgaben optimieren

Nach dem gleichen Muster kann man auch bei den sogenannten Topf-Sonderausgaben (wie etwa bestimmte Lebens- und Krankenversicherungsprämien oder Ausgaben für Hausbau oder die Wohnungssanierung) vorgehen, die mit 2.920 Euro pro Jahr begrenzt sind. Ab Jahreseinkünften von 36.400 Euro (gerechnet nach Abzug von Sozialversicherung und Sonderzahlungen) sind die Sonderausgaben nur reduziert oder bei hohen Einkommen gar nicht mehr wirksam. Deshalb ist es oft klüger, dass der Ehepartner mit geringeren zu versteuernden Einkünften die Zahlungen übernimmt.

Eine andere Art von Zahlungsgestaltung empfiehlt sich bei hohen Ausgaben für die Behandlung von Krankheiten, etwa teuren Gebissreparaturen, oder für andere finanzielle Schicksalsschläge des Lebens. Diese sind prinzipiell als außergewöhnliche Belastungen steuerlich absetzbar. Allerdings wird nur anerkannt, was einen ziemlich hohen jährlichen Selbstbehalt von deutlich mehr als einem Monatsgehalt übersteigt. Deshalb ist es sinnvoll, möglichst viele Kosten in einem Jahr zusammenkommen zu lassen. Wer 2011 schon die Grenze überschritten hat, könnte heuer noch eine neue Brille kaufen oder eine Anzahlung für geplante Behandlungen im kommenden Jahr tätigen, um den Steuervorteil zu erhöhen. Umgekehrt gilt: Wenn 2012 teure Behandlungen anstehen, sollten heuer noch fällige Zahlungen möglichst über den Jahreswechsel verschoben werden.

Viele nützliche Basisinfos über Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und viele andere potenzielle Absetzposten bekommt man in der jeweils aktuellen Ausgabe des „Steuerbuchs“, das auf der Homepage des Finanzministeriums ( www.bmf.gv.at ) kostenlos herunterzuladen ist.

Steuerschonend spenden

Das Jahresende ist auch typischerweise eine Zeit für die eine oder andere Spende. Bei über 1.000 anerkannten Empfängern zahlt der Fiskus mit, darunter bei Überweisungen an das Rote Kreuz, die Caritas oder Licht ins Dunkel. Bei vielen Banken liegen Erlagscheine für begünstigte Organisationen auf, unter www.bmf.gv.at findet sich eine vollständige Liste. Der Spendenbetrag kann dann in der Steuererklärung 2011 geltend gemacht werden. Je nach Steuersatz zahlt der Fiskus bis zu 50 Prozent retour. Wer den Steuereffekt einrechnet, kann gleich die ursprünglich angedachte Spende verdoppeln. Achtung: Spenden für Tier- und Umweltschutz oder für freiwillige Feuerwehren sind erst ab 2012 begünstigt, hier lohnt also das Abwarten.

Maßnahmen gegen teureres Grundbuch

Mit einer Entscheidung vom 21. September 2011 hat der Verfassungsgerichtshof die Einheitswerte als Bemessungsgrundlage für die Eintragungsgebühr in das Grundbuch als verfassungswidrig festgestellt. Bis Ende 2012 wurde dem Gesetzgeber eine Reparaturfrist eingeräumt. Spätestens ab diesem Zeitraum könnte die 1,1-prozentige Gebühr bei Schenkungen und Erbschaften nicht mehr vom Einheitswert, sondern vom oft um ein Vielfaches höheren Verkehrswert berechnet werden. Consultatio-Steuerexperte Salcher: „Das Motto heißt also, bereits geplante Schenkungen von Grundstücken lieber früher als später durchziehen.“

Schon jetzt fix ist die neue Wertpapier-KESt von 25 Prozent auf Kursgewinne, die direkt von den Banken eingehoben wird. Schon Anfang 2011 war der Stichtag für den Kauf von Aktien (nur Papiere, die davor gekauft wurden, bleiben von der neuen Steuer dauerhaft verschont; Ähnliches gilt auch für Fonds).

Tatsächlich eingehoben wird die Steuer aber erst bei Verkäufen ab dem 1. April 2012. Wer davor Kasse macht und Gewinne erzielt (was angesichts der aktuellen Börsenlage wohl eher selten der Fall ist), dem wird noch keine KESt abgezogen. Allerdings müssten steuerehrliche Anleger die Gewinne in die Einkommensteuererklärung aufnehmen. Tatsächlich steuerfrei bleiben dagegen weiterhin Gewinne aus Investments, die nicht am Bankdepot liegen. Dazu gehören zum Beispiel Goldmünzen, aber auch Sammlerobjekte wie zum Beispiel Gemälde. Wer solche Anschaffungen nach der einjährigen Behaltefrist profitabel verkauft, kann den Gewinn weiterhin und ganz legal für sich behalten.

Bei Fonds gibt es ebenfalls ein Steuerschlupfloch: Wer die Investments im Rahmen einer Fondspolizze vornimmt, braucht keine KESt zu zahlen, alle Steuern sind durch die einmalige vierprozentige Versicherungssteuer abgegolten. Bei Einmalerlags-Polizzen gilt aber eine Mindestbindefrist von 15 Jahren.

Wenn die Wertpapiere auf dem Depot liegen, sollte man darauf achten, welche Papiere man zuerst verkauft. Faustregel: Es ist besser, die ab 2011 angeschafften Papiere zuerst abzustoßen und die steuerschonenden Alterwerbungen zu behalten.

Tipps für Arbeitnehmer

Das Finanzamt erkennt beruflich bedingte Ausgaben wie etwa für Büromaterial, Handy oder Laptop (gegebenenfalls unter Abzug eines Privatanteils) als Werbungskosten an. Um schneller an den Steuervorteil zu kommen, sollte man anstehende Anschaffungen noch heuer vornehmen. Achtung: Alle Produkte, die über 400 Euro kosten, müssen auf mehrere Jahre verteilt abgeschrieben werden. Deshalb macht es zum Beispiel Sinn, das neue Handy um 380 Euro auf eine Rechnung zu schreiben und etwaiges Zubehör wie Ladekabel oder Schutzhülle auf eine andere. Wenn alles auf einer Quittung aufgeführt wird und der Betrag von 400 Euro überschritten wurde, kann der Fiskus von einem zusammenhängenden Kauf ausgehen.

Generell gibt es keine Regel, wie teuer eine Anschaffung sein darf. Man kann sich also ruhig etwas gönnen und ein besonders luxuriöses Schreibgerät anschaffen.

Arbeitnehmer können selbständige Zusatzeinkünfte steuerfrei behalten, wenn im Jahr nicht mehr als 730 Euro dazuverdient wird. Dieser Betrag gilt abzüglich etwaiger Werbungskosten. Wer also zum Beispiel heuer 1.000 Euro durch Honorarnoten eingenommen hat, kann noch Werbungskosten von 270 Euro tätigen und bleibt damit unter dem Steuerlimit. Und falls Sie heuer schon durch Nebenjobs 700 Euro dazuverdient haben und noch eine weitere Honorarnote über 700 Euro legen könnten, ist eine Verschiebung der Rechnung auf das kommende Jahr zu überlegen.

Ab 2012 gilt – Stichwort Montagebefreiung – eine neue Steuerbegünstigung für Arbeitnehmer, die von ihrem Unternehmen ins Ausland entsendet wurden. Die Mindestentfernung zum regulären Arbeitsort beträgt 400 Kilometer, außerdem gelten weitere Einschränkungen wie etwa erschwerende Arbeitsumstände, etwa Hitze, Kälte oder Nässe. Mögliche Betroffene sollten schon heuer mit ihrem Unternehmen die Bedingungen klären, damit es im kommenden Jahr keine Probleme mit dem Steuervorteil gibt.

Um alle heuer anfallenden Steursparposten beim Fiskus anzumelden, haben Arbeitnehmer sieben Jahre lang Zeit. Diese Frist bedeutet, dass der Dezember 2011 die allerletzte Möglichkeit bietet, die Arbeitnehmerveranlagung für das Jahr 2006 einzureichen. Das gilt auch für verstorbene Familienangehörige.

Steuerfreie Weihnachtsgeschenke

Arbeitnehmer können bis zu 186 Euro im Jahr als abgabenfreies Geschenk vom Chef bekommen. Vielleicht hilft ein dezenter Hinweis auf diesen Betrag, damit das Unternehmen die Grenze auch wirklich voll ausnutzt. Bargeld ist übrigens nicht erlaubt, wohl aber Gutscheine.

Der Arbeitgeber darf auch bis zu 500 Euro im Jahr steuerfrei für die Kinderbetreuung zahlen. Der Zuschuss muss direkt an die Einrichtung gezahlt werden, wo das Kind des Arbeitnehmers untergebracht ist, auch Gutscheine sind erlaubt.

Wenn man vom Arbeitgeber Sachbezüge bekommt oder manche Entgelte wie etwa Überstundenpauschalen nur 12-mal im Jahr fällig werden, wird das steuerschonende Jahressechstel mit dem Urlaubs- und Weihnachtsgeld nicht voll ausgenützt. Hier kann eine Last-Minute-Prämie in Höhe des noch offenen Sechstelbetrags den gesamten Spielraum ausschöpfen.

– Martin Kwauka

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