Steuerfrei anlegen: Wie Sie jetzt noch bis September KESt-freie Wertpapiere kaufen

Mit KESt-freien Index- und Turbozertifikaten können Anleger die künftigen Gewinne ganz legal brutto für netto kassieren. FORMAT zeigt, wie das funktioniert.

Die gute alte Zeit, in der Anleger Aktiengewinne steuerfrei kassieren durften, ist seit Silvester Geschichte. Bei Wertpapieren, die seit dem 1. Jänner gekauft wurden, muss man den Gewinn mit dem Fiskus teilen. Doch es gibt noch eine letzte Chance, der neuen, 25-prozentigen Aktien-KESt zu entgehen. Bei einem Kauf bis zum Stichtag 30. September bleibt der künftige Gewinn bei einer Reihe von Wertpapieren weiterhin von der neuen KESt befreit. Begünstigt sind Zehntausende Produkte aus dem Bereich Zertifikate und Optionen.

Unbegrenzt KESt-frei

Dieser Steuervorteil ist naturgemäß umso wertvoller, je länger man ihn nutzen kann. Unter diesem Aspekt sind Optionsscheine nur zweite Wahl. In der Regel ist ihre Laufzeit so kurz, dass der Steuervorteil oft schon nach ein paar Monaten verloren geht (obendrein müssten steuerehrliche Anleger die Kursgewinne von Papieren, die kürzer als ein Jahr im Depot liegen, in der Steuererklärung angeben. Das kann je nach persönlichem Steuersatz bis zu 50 Prozent Abzug kosten). Die große Mehrheit der Zertifikate läuft dagegen zeitlich unlimitiert, sodass das Einhalten der Zwölf-Monats-Frist kein Problem ist. Mit solchen „Open End“-Produkten könnte man nach jetziger Rechtslage noch jahrelang der KESt entkommen.

Zu den jetzt noch steuerfrei erwerbbaren Produkten gehören bestimmte alte Indexzertifikate, die vor dem 1. März 2004 emittiert wurden und deren Volumen nach dem 1. August 2005 nicht mehr erhöht wurde. Die Anzahl derartiger Indexzertifikate ist deshalb eng begrenzt. Es gibt zum Beispiel bei der Raiffeisen Centrobank steuerfreie Papiere auf den ATX (AT0000340161), den DAX (AT0000436589) oder den NASDAQ 100 (AT0000467071). Bei ihnen profitieren die Anleger eins zu eins von einem etwaigen Kursanstieg. Beim DAX ist man sogar bei den Dividenden mit dabei, weil der DAX ein sogenannter Performance-Index ist, bei dem die Dividendenausschüttungen den Index automatisch erhöhen.

Wesentlich mehr Auswahl haben Anleger bei KESt-freien Hebelzertifikaten, die auch unter dem Namen Turbozertifikate oder Knock-out-Zertifikate laufen. Grundvoraussetzung für den Steuervorteil ist, dass das Zertifikat zum Zeitpunkt der Emission mit einem Hebel von mindestens fünf ausgestattet war. Wie sich der Hebel danach entwickelt, ist genauso unerheblich wie der Zeitpunkt des Starts des Zertifikats. Man kann sich also auch bei Produkten umschauen, die erst in den nächsten Wochen frisch auf den Markt kommen.

Zertifikate mit einem hohen Hebel sind allerdings sehr heiße Eisen, die nur mit großer Vorsicht eingesetzt werden sollten. Schon ein Hebel fünf bedeutet, dass das Zertifikat fünfmal schneller steigt und fällt als der zugrunde liegende Basiswert. Beispiel: Das Adidas-Turbo-Zertifikat der Erste Bank (AT0000A0KMY4) hat aktuell einen Hebel von 5,07. Steigt die Aktie um zehn Prozent, erzielt man 50,7 Prozent Gewinn. Umgekehrt ist man über die Hälfte des Einsatzes los, wenn die Aktie um zehn Prozent fällt. Es gibt sogar Produkte mit Hebeln von 50 und höher. Bei ungünstigem Börsenverlauf können solche Zertifikate schon innerhalb weniger Minuten wertlos verfallen. Schwacher Trost für den Anleger: Das Verlustrisiko ist mit dem Kaufpreis begrenzt, es gibt keine Nachschusspflicht.

Gebremstes Risiko

Allerdings lassen sich die nervösen Turbozertifikate so zähmen, dass sie sich als Dauerbestandteil im Depot eignen. Dafür gibt es zwei Methoden: Erstens kann man sich auf die Suche nach Zertifikaten machen, deren Hebel seit dem Start deutlich zurückgegangen ist. So gibt es zum Beispiel von der Erste Bank ein ATX-Zertifikat mit dem aktuellen Hebel 1,8 (AT0000A0D9F1) oder ein Produkt auf den Immobilien-ATX mit Hebel 1,58 (AT0000A0DL07). Andre Albrecht, Zertifikate- Experte der Erste Bank: „Wir haben auch 20 KESt-freie Turbos auf Wiener Einzeltitel.“ Andritz (AT0000A0D9E4) hat zum Beispiel einen Hebel von 1,28, die voestalpine (AT0000A0DM48) einen von 1,56. Das voestalpine-Papier hat eine Barriere von 13,10 Euro. Das heißt, erst bei diesem Kurs, mehr als 60 Prozent unter dem aktuellen Börsenkurs, würde das Zertifikat ausgestoppt, und es würde allenfalls noch ein kleiner Restwert zurückgezahlt.

Die zweite Möglichkeit, das Risiko von Turbos zu reduzieren, ist die Reduktion des Einsatzes. RCB-Zertifikate-Chefin Heike Arbter: „Wer eigentlich 5.000 Euro in ein Wertpapier investieren möchte, kann stattdessen in einen Hebel-fünf-Turbo ein Fünftel des Betrags, also 1.000 Euro, investieren und den Rest sicher anlegen. Damit ist er im Endeffekt genauso stark am Auf und Ab an der Börse beteiligt.“ Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied gegenüber dem Direktinvestment: Kauft man eine Aktie oder einen Index direkt, kann das Produkt bei Kursverlusten nicht ausgestoppt werden. Wenn dagegen der Basiswert eines Produktes mit Hebel fünf einen Verlust von knapp 20 Prozent erleidet, wird die Barriere durchbrochen, und das Zertifikat verliert durch ein eingebautes Stop-Loss-Limit seinen Wert.

Das hat Vor- und Nachteile: Positiv ist, dass es eine vorgegebene Verlustbegrenzung gibt. Dem Anleger bleiben in dem angeführten Fall immer noch die 4.000 Euro, die er auf der sicheren Seite hat. Hätte er dagegen direkt investiert und die Aktie oder der Index fällt weiter, könnte der Verlust im Extremfall bis zu 5.000 Euro betragen. Negativ wäre allerdings eine Situation, in der ein Zertifikat nur ganz kurzfristig die Barriere reißt und man von der folgenden Erholung des Basiswertes nicht mehr profitiert.

Bei der Auswahl eines gewünschten Zertifikates helfen die Internetseiten der Anbieter wie www.rcb.at oder www.produkte.erstegroup.com , auf denen auch der KESt-Status sichtbar ist. Eine sehr große Auswahl an 2.587 KESt-freien Turbos mit Namen Minifutures offeriert die BNP Paribas ( www.derivate.bnpparibas.at ). Die Deutsche Bank ( www.xmarkets.at ) ist mit Produkten namens Waves unlimited und Waves XXL ebenfalls breit aufgestellt.

Fazit: Wenn jetzt viele clevere Investoren steuerfrei anlegen, kann der Fiskus noch lange auf die Aktien-KESt warten.

– Martin Kwauka

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