Staatsbankrottgefahr zum Trotz: Experten
raten zum Kauf griechischer Staatsanleihen

Griechische Staatsanleihen versprechen derzeit wegen hoher Risikoaufschläge lukrative Renditen. FORMAT analysiert, ob sich der Preis der Gefahr für Bond-Anleger rechnet.

Philipp II. von Spanien stellte im 16. Jahrhundert einen Rekord auf. Schließlich musste der König seinen Untertanen während seiner Regierungszeit gleich dreimal einen Staatsbankrott erklären. Griechenland hat dagegen seine finanziellen Probleme lange unter den Tisch gekehrt und mit statistischen Tricks die Schuldenbilanz geschönt.

Ertragspotenzial in die Höhe geschnellt
Dass die Verschleierungstaktik letztlich nicht fruchtete, zeigt sich an den heftigen Reaktionen der Finanzmärkte. Gemessen am Credit Default Swap (CDS), einer Versicherung gegen den Konkurs eines Anleiheemittenten, gehören griechische Staatsanleihen nun zu den riskantesten Papieren der Erde. Die jährliche Risikoprämie für 5-jährige Anleihen hat sich seit Oktober 2009 auf 3,5 Prozent fast verdreifacht. Gleichzeitig ist das Ertragspotenzial umlaufender griechischer Staatspapiere in die Höhe geschnellt. Wer bereit ist, ein hohes Risiko in Kauf zu nehmen, kann mit 10-jährigen griechischen Staatsemissionen als Lohn der Angst 6,4 Prozent Rendite erzielen. Im Fall der Staatspleite laufen Anleger allerdings auch Gefahr, ein ähnliches Schicksal zu erleiden wie Investoren, die 2001 argentinische Staatspapiere im Depot hatten. Das Land der Gauchos schlitterte damals in den Bankrott, Anleger mussten bis 2005 warten, um wenigstens 20 Prozent ihres Einsatzes zurückzubekommen. Um die laufenden Zinsen fielen sie zur Gänze um.

Staatsbankrott als reelle Gefahr
Ein Staatsbankrott der Hellenen ist nicht aus der Luft gegriffen. Die Staatsverschuldung ist bereits im Vorjahr mit 112 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausgeufert, laut Prognosen der EU-Kommission droht heuer ein weiterer Anstieg auf 125 Prozent. Damit steht Griechenland aber nicht alleine da, haben doch so gut wie alle europäischen Länder mit wachsenden Schulden zu kämpfen. Auch die USA müssen laut Schätzungen der US-Bank Morgan Stanley mit einem immer größer werdenden Schuldenberg fertig werden, der bald 100 Prozent des BIP ausmachen wird. Doch die anderen Schuldner haben gegenüber Griechenland wenigstens den Vorteil, dass sie nicht beim Mogeln ertappt wurden. Für die Anleger sind die griechischen Tricksereien aber bereits Schnee von gestern. Letztlich geht es um die Frage, ob die Griechen ihre Schulden pünktlich bezahlen oder nicht. Die Antwort entscheidet, ob es sich lohnt, Papiere des strauchelnden Staates zu halten, und ob es vielleicht sogar Sinn macht, jetzt neu zu investieren.

Drei Wege aus der Staatsverschuldung
Für die Lösung des Dilemmas der griechischen Staatsverschuldung sind grundsätzlich drei Szenarien denkbar: Erstens: Höhere Steuern und den Rotstift ansetzen, sprich: die Staatsausgaben dramatisch eindämmen. Das schmeckt dem griechischen Volk gar nicht, wie der Generalstreik von Mitte der Woche klarmacht. Zweitens könnte der Internationale Währungsfonds (IWF) Garantien auf griechische Staatsanleihen übernehmen, während die europäische Investitionsbank Mittel für Infrastrukturprojekte und Konjunkturprogramme bereitstellt. Diese Variante käme wiederum der EU nur wenig gelegen, weil der IWF so zu einem stärkeren Machtfaktor in der Eurozone werden würde. Bleibt noch die dritte Möglichkeit, nämlich dass die anderen EU-Staaten die Ärmel hochkrempeln, indem sie ihre Kassen öffnen und so den drohenden Staatsbankrott der Hellenen abwenden. Michael Rottmann, Anleihenexperte der UniCredit: „Lässt man Griechenland fallen, wäre das Imageproblem für den Euroraum zu groß. Mein politischer Instinkt sagt mir, dass die EU sich dazu nicht hinreißen lassen wird.“ Schließlich liegt der Großteil der griechischen Anleihen im Gesamtumfang von 290 Milliarden Euro nicht bei griechischen Anlegern im Depot, sondern ist über Investoren in Westeuropa verteilt. Um so viel Geld will natürlich niemand umfallen. Klar ist aber auch: Ohne ausreichende Eigeninitiative der Griechen werden weder IWF noch EU einspringen.

Gefahr eines Flächenbrandes
Das gefährliche an der Ouzo-Krise ist die Ansteckungsgefahr, im schlimmsten Fall droht ein Dominoeffekt quer über Südeuropa hinweg. Die Sorgenkinder sind neben Griechenland auch noch Spanien, Italien und Portugal sowie Irland im Westen. Johann Maurer, Chef der Fondsgesellschaft Innovest: „Die EU bewegt sich jetzt auf sehr dünnem Eis. Hilft die Gemeinschaft den Griechen zu schnell, könnten andere Pleitekandidaten wie etwa Portugal nachhüpfen und ebenfalls laut um Hilfe schreien. Besondere Sorgen mache ich mir um Italien. Wenn der Stiefel erst richtig wackelt, wird es haarig.“ Der Grund für seine Sorge: In den Euroland-Staatsanleihen-Indizes wiegt Italien mit einer Gewichtung von rund 20 Prozent ähnlich schwer wie Deutschland und Frankreich. Das krisengebeutelte Spanien ist mit zehn Prozent auch kein Leichtgewicht. Uni-Credit-Experte Rottmann: „Die Gefahr, dass sich der Euroraum überhebt, ist durchaus gegeben. Wenn es sich um größere Länder dreht, die man stützen muss, ist irgendwann kein Geld mehr da.“

Mut zum dosierten Einstieg
Trotz der Unsicherheiten raten die von FORMAT befragen Experten davon ab, alle Griechenland-Bonds auf den Markt zu werfen. Für UniCredit-Experte Rottmann sind die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen zu hysterisch nach oben geschossen. Rottmann: „Wer griechische Staatsanleihen im Depot hat, sollte diese jetzt unbedingt halten. Ich rate sogar zu einem Kauf, weil das Ertragspotenzial dem entspricht, was Aktien langfristig bringen.“ Ins gleiche Horn stößt Euram-Bank-Vorstand Manfred Huber: „Griechenland-Anleihen haben einen gewissen Charme. Ich würde allerdings nur kurzfristige Papiere mit bis zwei Jahren Laufzeit ins Depot nehmen.“ In den Anleihen-Depots von Innovest wird der Anteil griechischer Papiere mit durchschnittlich vier bis fünf Prozent fürs Erste beibehalten. Innovest-Chef Maurer: „Die Sanierung des griechischen Budgets ist ein Drahtseilakt, aber es besteht kein Grund zur Panik. Ich warte die Entwicklungen der nächsten drei bis vier Monate erst einmal ab. Zu groß sind die Renditeunterschiede zwischen deutschen und griechischen Anleihen, als dass man leichtfertig darauf verzichten möchte.“ In Zahlen: Die Rendite 5-jähriger deutscher Papiere liegt aktuell bei 2,2 Prozent, Griechenland zahlt etwa 6 Prozent.

Euro-Anleihenfonds bieten mehr Sicherheit
Auch Alexander Fleischer, Anleihenchef der Erste-Bank-Fonds, hat sich nicht von gefährdeten Papieren verabschiedet. Fleischer: „Spanien und Griechenland sind in unseren Fonds neutral gewichtet. Es ist aber möglich, dass wir kurzfristig bei Griechenland-Anleihen aufstocken, um Zusatzchancen zu nutzen.“ Wer auf Griechenland nicht verzichten will, aber doch aus Sicherheitsgründen breite Streuung bevorzugt, kann in einen der etablierten Euro-Anleihenfonds investieren. Allerdings spielt zum Beispiel beim Espa Bond Combirent (ISIN AT0000858022) und beim Raiffeisen Euro Rent (ISIN AT0000996681) Griechenland nur eine Nebenrolle. Der Anteil griechischer Papiere liegt im Espa-Fonds bei 4,8 Prozent, beim Raiffeisen-Depot sind es gar nur 3,3 Prozent. Der Löwenanteil der Depots entfällt hingegen auf Papiere von Deutschland, Frankreich, aber auch Italien. Zwar wäre in den Fonds ein Ausfall Griechenlands verschmerzbar. Dafür kauft man aber haufenweise Papiere mit niedrigen Zinsen ein. Und das birgt auch ein Risiko – nämlich das von Kursverlusten, falls die Zinsen wieder anspringen. Anleihenkäufer müssen also überall auf der Hut sein. Der erste Lostag ist der 16. März. Dann fordert die EU Griechenland zum Rapport, um den Sparwillen mit Fakten zu erhärten.

Ingrid Krawarik, Robert Winter

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