Spendable Unternehmen: Aktien statt Sparbuch

An der Börse winken Dividendenrenditen von sechs, acht oder gar zehn Prozent. FORMAT zeigt, mit welchen soliden Aktien und Fonds Sie den dürftigen Zinsen am Sparbuch entkommen.

Ab 2013 droht mehr als fünf Millionen Österreichern die Ernüchterung. Dann wird die Bausparprämie halbiert, weshalb in Zukunft ein Bausparer jährlich unter zwei Prozent abwerfen wird. Noch schlechter kommt man bereits jetzt mit einem ungebundenen Sparbuch weg. Großbanken bonieren auf täglich fälliges Geld gar nur ein Achtel Prozent Zinsen. Selbst bei einem Sparbuch mit 12-Monats-Bindung, bei dem momentan die Vakifbank mit 2,875 Prozent führt, wird die aktuelle Inflation von rund drei Prozent nicht voll abgedeckt.

Deshalb sind Anleger gut beraten, beim Sparen neue Wege zu gehen. Eine lukrative Alternative bietet der Mix von Aktien von Konzernen, die ihre Anleger über Jahre hinweg mit hohen Ausschüttungen bei der Stange halten. Damit die Bestückung des Aktien-Sparbuchs gelingt, hat FORMAT 55 dividendenstarke österreichische und internationale Aktien auf den Prüfstand gestellt und analysiert, worauf bei der Auswahl der Aktien zu achten ist.

Wachstum entscheidend  

Gleich vorweg ein Tipp von Simon Bailey, Manager des derzeit erfolgreichsten weltweit anlegenden Dividenden-Aktienfonds M&G Global Dividend: „Investoren sollen sich bei der Suche nach guten Aktien nicht alleine von der Höhe der Dividendenrendite blenden lassen. Es ist mindestens genauso wichtig, dass die Ausschüttungen über die Jahre kontinuierlich angehoben werden“.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Aktie der Österreichischen Post. Einerseits zählt die Dividendenrendite in Höhe von 6,5 Prozent auch im internationalen Konzert zu den Spitzenwerten. Andererseits wurden die Dividenden in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt um jährlich 4,6 Prozent erhöht. Das heißt: Selbst wenn die Dividende gleich bleibt, kassiert ein Anleger jedes Jahr 6,5 Prozent vor KESt. Angesichts dessen wäre es durchaus verschmerzbar, wenn der Kurs zwischenzeitlich nachgibt – die Anleger werden dann zumindest gut für das Warten auf bessere Zeiten belohnt.

Laut Analysten-Schätzungen könnte die Dividende je Post-Aktie von zuletzt 1,60 auf 1,65 Euro noch weiter steigen. Alois Wögerbauer, 3Banken-Generali-Fondschef: „Die Aktie der Post hat zwar kaum Kursfantasie, aber der Konzern gilt als Musterbeispiel für gelungene Dividendenpolitik.“ Bei der Aktie des Mineralölkonzerns OMV können Anleger laut dem Fonds-Leiter zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Dividendenrendite fällt zwar mit 3,7 Prozent im Vergleich zur Post bescheidener aus, die Aktie birgt dafür aber deutlich bessere Chancen auf Kursgewinne. Bei Bankaktien ist generell Vorsicht geboten. Wögerbauer: „Bei Finanzinstituten sind hohe Dividenden eigentlich nicht im Interesse der Anleger. Es kann durchaus passieren, dass die Institute erst hohe Ausschüttungen gewähren und sich später wieder ­teuer am Kapitalmarkt verschulden müssen.“ Auch die Telekom Austria, die lange Zeit als Dividendenkaiser galt, zählt nicht mehr zu den Favoriten der Experten. Norbert Janisch, Fondsmanager des Europa-Aktienfonds Raiffeisen-TopDividende-Aktien: „Die Zeiten, in denen bei der Telekom 75 Cent je Aktie ausgeschüttet wurden, sind vorbei. Der anvisierte Rückschlag auf 38 Cent ist doch erheblich.“

Telekom ist out  

Auch international verlieren die Aktien des Sektors zusehends an Popularität, weil die Margen immer geringer werden und neue Investitio­nen im Netzausbau anstehen. Davon ist etwa die spanische Telefónica betroffen, die im Moment noch zu den dividendenstärksten Aktien der Welt zählt. Auf den ersten Blick verheißt die Datenlage mit einer Dividendenrendite von 11,6 Prozent und einem Ausschüttungswachstum von jährlich 22,6 Prozent seit 2006 eigentlich nur Gutes. Aber M&G-Fondsmanager Bailey mahnt zu Vorsicht: „Bei Tele­fónica hat sich die Hoffnung nicht erfüllt, dass das Südamerika-Geschäft den Rückgang in Spanien auffängt. Generell fehlt weltweit bei vielen Telekom­unternehmen und Versorgern die Fantasie, weil häufig Dividenden nicht aus dem laufenden Cashflow, sondern aus der Substanz bezahlt werden.“

Generell sind Anleger auch gut beraten, auf die Quote des Gewinns, die via Ausschüttungen unter dem Aktionärsvolk verteilt wird, zu achten. Raiffeisen-Fondsmanager Janisch: „Ich kaufe nur Papiere von Konzernen, die nicht mehr als 40 bis 60 Prozent des Gewinns für Dividenden verwenden. So bleibt dem Management genügend Spielraum für weitere ­Investitionen.“

Solide Bollwerke

Sehr gut für das Sparen an der Börse eignen sich Aktien von international führenden Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich. So zählen etwa Papiere der Schweizer Pharmariesen Novartis und Roche mit Dividendenrenditen von jeweils über vier Prozent ebenso zu den Fixstartern in erfolgreichen internationalen Dividendenfonds wie Bristol-Myers aus den USA oder Sanofi aus Frankreich. Dazu kommen Lebensmittelkonzerne, die sich bereits seit Jahren in den wachsenden Absatzmärkten der auf­strebenden Staaten etablieren konnten. Das ist Konzernen wie den amerikanischen Multis Coca-Cola, McDonald’s und Procter & Gamble sowie Nestlé aus der Schweiz gelungen.

Aktien dieser Unternehmen haben auch gemeinsam, dass die Dividenden in den vergangenen Jahren ständig angehoben wurden. Dabei sticht seit 2006 McDonald’s mit einem jährlichen Zuwachs von 20,4 Prozent besonders hervor. Karl Freidl, Vermögens­verwaltungschef der Krentschker Bank: „Bei Coca-Cola ist die Tendenz nicht nur steigend, sondern extrem konstant. Die Entwicklung der Dividenden verläuft wie mit dem Lineal gezogen nach oben. Auf lange Sicht wird sich auch der Aktienkurs positiv entwickeln.“

Steuervorteil  

Als Alternative zu Einzelaktien können Anleger zu speziellen Fonds greifen, die in eine Vielzahl von ausschüttungsstarken Aktien investieren. So hält etwa Fondsmanager Bailey im M&G Global Dividend derzeit rund 50 Papiere, die im Schnitt eine Dividendenrendite von 3,6 Prozent aufweisen. Dank der hohen Ausschüttungen und der Kursgewinne der gewählten Aktien brachte es der von Bailey gelenkte Fonds auf Drei-Jahres-Sicht auf 106 Prozent Gesamtertrag (s. Chart). Anleger kommen bei der Besteuerung der in einem Fonds kassierten Dividenden deutlich günstiger weg als bei einem Direktinvestment in einzelne Aktien.

Hintergrund: Ausländische Dividenden werden oft doppelt besteuert. Bei Papieren aus Deutschland sind es in Summe nicht 25 Prozent (wie bei österreichischen, britischen und US-Aktien), sondern 37 Prozent. Bei Schweizer Aktien liegt der Steuersatz sogar bei 45 Prozent, weil die Dividende von Unternehmen wie Nestlé erst in der Schweiz und dann in Österreich besteuert wird. Fonds bemühen sich so weit als möglich um die Rückerstattung doppelt gezahlter Steuern und können Gebühren gegenrechnen. So betrug etwa beim Raiffeisen-TopDividende-Aktien der KESt-Beitrag der Ausschüttung von 2,22 Euro im vorigen August nur 0,41 Euro. Für Privatanleger lohnt sich der bürokratische Aufwand kaum. Den Aktionären der heimischen Post bleiben diese Mühen ohnehin erspart. Ihnen werden die 25 Prozen KESt wie am Sparbuch anonym abgezogen.

Robert Winter, Carolina Burger

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