So können Sie ihre Geldanlage vor der neuen Vermögenszuwachssteuer schützen

Ab 2011 nascht der Fiskus an den Gewinnen von Wertpapierveranlagungen mit. FORMAT zeigt, was Sie jetzt noch tun können, um Ihr Geld möglichst steuerschonend zu veranlagen.

Die neunjährigen Zwillinge Adrian und Darius Baumann und deren 14-jähriger Bruder Felix werden zu Weihnachten ein fragendes Gesicht machen. Ihr Vater Ulrich Baumann wird ihnen heuer nämlich neben anderen Geschenken auch Aktien unter den Christbaum legen. Die Sprösslinge werden damit wohl noch nicht viel anfangen können, der Manager des erfolgreichen Schwellenländer-Aktienfonds Volksbank Pazifik Invest handelt aber aus wohlüberlegtem steuerlichem Kalkül. Baumann: „Eine Investition ist eine Brücke, die man in der Gegenwart für die Zukunft baut.“ Und die von der Regierung beschlossene Vermögenszuwachssteuer spricht dafür, das noch heuer zu tun – und Aktien vor dem 1. Jänner 2011 zu kaufen.

Wer danach einsteigt, muss für die erworbenen Wertpapiere eine Steuer von 25 Prozent bezahlen: nicht nur, wie schon bisher, von der Dividende, sondern auch vom Wertzuwachs, wenn die Aktie irgendwann wieder verkauft wird. Wie bei der KESt soll die Bank, über die gehandelt wird, die neue Steuer gleich automatisch abführen. Die Institute sträuben sich zwar noch, entgehen wird man der Belastung aber nicht. Außer man schlägt heuer noch zu! Die neue Regelung soll ab 1. Jänner 2011 nicht nur für Einzelaktien, sondern auch für Kursgewinne bei Investmentfonds, Anleihen und Zertifikaten gelten. Anleger müssen ihre Strategien anpassen. Antworten auf die zwölf wichtigsten Fragen zur neuen Vermögenszuwachssteuer finden Sie hier .

Einnahmen in Milliardenhöhe

Die neue Steuer trifft jeden, der etwas Geld auf der Seite hat, nicht nur die Reichen, wie das die SPÖ gerne suggeriert. Und sie könnte Finanzminister Josef Pröll wesentlich mehr bringen, als es die Regierung bislang darstellt. Offiziell sind für 2011 zusätzlich 30 Millionen Euro pro Jahr budgetiert, ab 2013 dann 250 Millionen pro Jahr.

Peter Wageneder, Chef des Vermögensverwalters AAA Private Investments, kalkuliert überschlagsmäßig: „Österreichische Privathaushalte hatten Ende des zweiten Quartals 2010 rund 90 Milliarden Euro in Aktien, Anleihen oder Investmentfonds investiert. Mit einem solchen Vermögens-Mix sind langfristig durchaus sechs Prozent Jahresertrag erzielbar. Das ergäbe für den Fiskus jährliche Steuereinnahmen von 1,35 Milliarden Euro.“ Zugegeben eine sehr vage Schätzung, aber: Allein in Investmentfonds haben die Österreicher über 37 Milliarden Euro angelegt. Derzeit werden Gewinne innerhalb der Fonds im Schnitt nur mit fünf Prozent besteuert, was sich bis 2013 schrittweise auf 25 Prozent erhöhen soll. Bei einer angenommenen Performance von fünf Prozent errechnen sich dann allein aus diesem Titel etwa 350 zusätzliche Millionen für Pröll.

Hafen Gold

Also, was tun mit dem Geld, um auch in Zukunft möglichst wenig an den Finanzminister abführen zu müssen? Eine einfache Möglichkeit bietet der Einstieg in physisches Gold, weil das Edelmetall auch nach dem Jahreswechsel steuerfrei gekauft und veräußert werden kann. Zusätzliches Plus: Gold gilt als Inflationsschutz und glänzt seit Jahren mit deutlichen Wertgewinnen. So blicken Investoren, die Gold in ihrem Safe horten, für die vergangenen zehn Jahre auf einen Wertgewinn von 411 Prozent (in Dollar) bzw. 211 Prozent (in Euro gerechnet). Im Prinzip hat Gold aufgrund angespannter Staatsbudgets trotz des rasanten Anstiegs weitere Kursfantasie.

So taxiert der legendäre US-Hedgefondsmanager John Paulson die Notierung je Feinunze Gold bis zum übernächsten Jahr auf 2.400 bis 4.000 US-Dollar. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Kurs des Edelmetalls stark schwanken kann. Roland Öhler, Goldexperte der Sparkasse Oberösterreich: „Nach den überhitzten Kursanstiegen der letzten Monate sind Korrekturen nach unten jederzeit möglich. Allein aus steuerlichen Gründen Gold zu kaufen halte ich für gefährlich.“

Neben Gold bleiben auch Wertsteigerungen von Immobilien, wenn sie mindestens zehn Jahre gehalten werden, sowie die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge und Lebensversicherungen von der neuen Steuer unangetastet. Das macht zumindest einige Produkte der zuletzt stark unter Druck gekommenen Zukunftsvorsorge wieder etwas attraktiver. Bei Lebensversicherungen bleibt abzuwägen, ob nicht Fonds am Ende trotz Besteuerung die attraktivere Rendite versprechen.

Investoren sind jedenfalls gut beraten, es Fondsmanager Baumann gleichzutun und noch heuer Aktien ins Depot zu legen. Diese Strategie macht aber nur Sinn, wenn die Papiere lange gehalten werden. Deswegen kommen nur Aktien von Konzernen infrage, deren Geschäftsmodell seit langer Zeit gut funktioniert. Wie beim Technologieriesen Apple, mit dessen Papieren Anleger in den vergangenen zehn Jahren mit einem Kursanstieg von 1.816 Prozent extrem gut gefahren sind.

Im Vergleich dazu nimmt sich der Zehnjahresertrag der Aktie des Schweizer Nahrungsmittelmultis Nestlé mit plus 61 Prozent zwar bescheiden aus. Aber: Das Unternehmen wurde bereits 1866 gegründet und hat sich seither als krisenresistent erwiesen. Ernst Huber, Chef des Onlinebrokers direktanlage.at : „Nestlé hat ein Geschäftsmodell, das in jeder Marktsituation funktioniert. Nahrungsmittel werden immer gebraucht.“

Auch für österreichische Aktien hat FORMAT Tipps parat. Alfred Reisenberger, Aktienchef von Cheuvreux Österreich: „Für einen langen Anlagehorizont kommen Papiere von Andritz, voestalpine und Schoeller Bleckmann Oilfields infrage. Die drei Unternehmen produzieren Güter, die die ganze Welt braucht, die aber kein Mitbewerber in gleicher Qualität herstellen kann.“ Alois Wögerbauer, Chef der 3Banken-Generali-Fonds: „Auch Papiere der Telekom, von OMV und EVN sind eine gute Wahl.“

Wolfgang Matejka, Chef von Matejka & Partner, setzt auf den deutschen Chemieriesen BASF: „Es gibt fast keinen Stoff, den der deutsche Konzern nicht profitabel herstellen kann. Der Kurs ist zwar stark gestiegen, aber mit einem auf Basis der Schätzungen für 2011 berechneten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 ist die Aktie immer noch billig.“ Auch beim französischen Industriekonzern Air Liquide steht für den Experten die Börsenampel langfristig auf Grün. Matejka: „Die Aktie war nie wirklich billig, steigt aber trotzdem.“

Wer lieber zu Fonds greift, muss – auch wenn er noch 2010 kauft – damit kalkulieren, dass die Vermögenszuwachssteuer einen Teil des Ertrags kosten wird. Ein Rechenbeispiel: Der weltweit anlegende Aktienfonds M&G Global Basics erzielte innerhalb der vergangenen zehn Jahre nach Abzug der Steuer für innerhalb des Fonds realisierte Wertgewinne eine jährliche Rendite von acht Prozent. „Unter Anwendung der neuen steuerlichen Spielregeln hätte der jährliche Ertrag des Fonds nur 6,2 Prozent betragen“, hat Johannes Edlbacher, Experte bei PwC, ausgerechnet. Als wahre Keule erweist sich dieser auf den ersten Blick verschmerzbare Ertragsrückgang auf lange Sicht (Zinseszinsrechnung!). Der M&G-Fonds hätte in den vergangenen zehn Jahren statt einer Gesamtrendite von 119 Prozent nur 83 Prozent erzielt.

Weniger Rendite mit Fonds

Tipp: Anleger, die sich die Kalkulation einfach machen wollen, können näherungsweise davon ausgehen, dass nach vollständiger Umsetzung der neuen Steuer (ab 2013) rund ein Viertel der Jahresperformance eines Fonds an den Fiskus gehen wird. Das spricht natürlich nicht dagegen, weiter in Fonds zu investieren. Aber der richtigen Fondsauswahl kommt eine noch größere Bedeutung zu als bisher – um nicht inflationsbereinigt Geld zu verlieren. Der Goldaktienfonds Falcon Gold Equity zum Beispiel hätte trotz Vermögenszuwachssteuer statt 24,4 Prozent Jahresertrag immer noch rund 18 Prozent gebracht.

Problematisch wird es für jene, die einen Fondssparplan als Tilgungsträger eines Kredites abgeschlossen haben. Je nach Laufzeit legen Musterrechnungen Finanzierungslücken offen, die teils eine empfindliche Erhöhung der Monatszahlungen erfordern, damit die Schuld am Ende noch zu tilgen ist. Mit solchen Problemen werden sich die frischgebackenen Aktionäre Adrian, Felix und Darius Baumann zum Glück noch nicht beschäftigen müssen. Wenn sie ihre Aktiengewinne irgendwann realisieren, schaut der Fiskus durch die Finger.

– R. Winter, C. Burger

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