So sicher ist Ihre Pension: FORMAT gibt Antwort auf die wichtigsten Vorsorge-Fragen

Die Finanzkrise wirkt sich auch auf die Altersvorsorge aus. Die schwachen Börsen verursachen bei vielen Polizzen Verluste. Auch bei den staatlichen Pensionen sind Kürzungen absehbar. FORMAT analysiert, wie sicher Ihre Pension jetzt tatsächlich ist.

Die vergangenen Wochen haben das Grundvertrauen in das weltweite Finanzsystem massiv erschüttert. Selbst Versicherungen gerieten ins Trudeln. So musste eine der weltweit größten Assekuranzen, die amerikanische AIG, durch eine 85-Milliarden-Dollar-­Finanzspritze gerettet werden. In dieser Situation werden Zweifel an der eigenen Altersvorsorge laut.

Super-GAU ausgeschlossen
Die gute Nachricht zuerst: Der Super-GAU – die Insolvenz einer Versicherung – ist in Österreich so gut wie ausgeschlossen. Die letzte Pleite einer privaten Versicherung, der Phönix, ereignete sich 1936. Doch auch dann, wenn alle Institutionen stabil weiterarbeiten, hat die Finanzkrise spürbare Auswirkungen auf private, betriebliche und staatliche Pensionen.

1. Ist die staatliche Pension betroffen?
Die Börsenturbulenzen haben vordergründig keine Auswirkungen. Im Gegenteil: Die Pensionen werden im November um 3,4 Prozent stärker erhöht als gesetzlich vorgeschrieben, außerdem wird auch die Hacklerpension bis 2013 verlängert (siehe Staatliche Pension für Junge ist in Gefahr ). Doch diese Wahlgeschenke gehen langfristig zulasten junger Berufstätiger, die künftig mit neuen Pensionssparpaketen rechnen müssen. Die staatlichen Stabilisierungspakete mit ihren finanziell schwer absehbaren Folgen und die Dämpfung der Konjunktur werden die Staatskassen zusätzlich belasten, sodass schon 2010 Verschlechterungen absehbar sind. Das wird die Lücke zwischen letztem ­Aktiveinkommen und der Pension weiter vergrößern. Als Gegenmaßnahme bleibt nur eine Erhöhung der privaten Vorsorge.

2. Werden die Betriebspensionen gekürzt?
Die Pensionskassen leiden unmittelbar unter der Börsenkrise, weil die Vermögen der Versicherten zum Tageskurs bewertet werden. Die Pensionen müssten deshalb nach derzeitigem Stand 2009 deutlich gekürzt werden. Je nach Veranlagung ist auch ein zweistelliges Minus möglich. Nicht betroffen ist die Betriebliche Kollektivversicherung (BKV). Bei dieser neuen, allerdings bisher praktisch kaum verbreiteten Variante der zweiten Säule ­werden die Beiträge von privaten Ver­sicherungen analog einer klassischen Lebensversicherung mit 2,25 Prozent Mindestverzinsung plus Gewinnbeteiligung angelegt. Kurt Bednar, Pensions­­­ex­perte des Versicherungsmaklers Funk, empfiehlt, dass Betriebe künftig jedem einzelnen Mitarbeiter freistellen, ob er ­lieber die chancen-, aber auch risikoreichere Pensionskasse oder die konservative BKV bevorzugt. Bednar: „Falls ein Betriebs­rat existiert, muss dieser darauf hinwirken, dass die Betriebsvereinbarung entsprechend geändert wird.“

3. Gibt es eine Einlagensicherung für Versicherungspolizzen?
Nein. Dafür sind die angesparten Lebensversicherungsvermögen ein Sondervermögen, das bei einer Insolvenz nur den Kunden, nicht aber sonstigen Gläubigern zusteht. Im Extremfall würde ein Konkursverwalter die Vermögenswerte verwerten und den Kunden ihren jeweiligen Anteil zukommen lassen. Wenn eine Versicherung schiefläge, würde außerdem die Finanzmarktaufsicht schon im Vorfeld mit Sanierungsauflagen eingreifen. Außerdem könnten auch Versicherungen vom geplanten staatlichen 15-Milliarden-Euro-Topf zur Erhöhung des Eigenkapitals profitieren. Wahrscheinlichste Lösung bei gröberen Problemen wäre außerdem, dass eine andere Versicherung das wankende Institut aufkauft, um Marktanteile zu stärken – das Kundenvermögen bliebe so weiterhin sicher.

4. Wird die Gewinnbeteiligung gesenkt?
Die klassische Lebensversicherung ist durch einen Aktienanteil von durchschnittlich sieben bis acht Prozent Anfang 2008 kaum von den Aktienverlusten betroffen. Ein derzeit schwer abschätzbarer Risikofaktor sind allerdings Bankanleihen, deren Anteil in der Veranlagung durchaus 30 Prozent erreichen kann. Die den Kunden letztlich gutgeschriebene Gewinnbeteiligung wird bei klassischen Polizzen langfristig geglättet. Noch warten alle Institute das Jahresende ab, um die Verzinsung für heuer festzulegen. Wiener-­Städtische-General Günter Geyer, der auch Verbandspräsident ist, glaubt jedenfalls an stabile Renditen: „Bei allen Versicherungen wird auch bei der 2009 gutgeschriebenen Gewinnbeteiligung eine Vier vor dem Komma stehen.“

5. Was ist mit der Zukunftsvorsorge?
Die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge muss mindestens 40 Prozent des Vermögens in Aktien investieren – vor allem an der heuer besonders stark ge­fallenen Wiener Börse. Die Nettoquote kann aber durch Sicherungsgeschäfte (durch Shortgehen bei Aktienindices) reduziert werden. Beim Zukunftsvorsorgefonds Espa Vorsorge Classic/03 der Ers­te Sparinvest wurde in den ersten neun Monaten 2008 ein Minus von 19,3 Prozent erzielt, was auch eine Richtschnur für ­andere Produkte ist. Insgesamt besäße ein Kunde, der seit Mai 2003 monatlich 100 Euro eingelegt hätte, bei einer Gesamteinzahlung von 6.400 Euro mit Stand 30. September ein Vermögen von 6.906 Euro plus gutgeschriebener staatlicher Prämien, wäre also immer noch deutlich im Plus. Und die tiefen Kurse an der Wiener Börse und die günstige Bewertung sprechen in den nächsten Jahren für eine kräftige Kurserholung.

6. Fondspolizzen unter Wasser?
Fondsgebundene Lebensversicherun­gen hat es in den letzten Monaten je nach Aktienanteil zum Teil heftig erwischt. So hat zum Beispiel das „spekulative“ Aktien-Fondsdepot der Skandia in einem Jahr 31 Prozent verloren, das anleihendominierte „konservative“ Depot nur sieben Prozent. Allerdings haben 95 Prozent aller Skandia-Kunden Verträge mit laufender Prämieneinzahlung. Das hat zumindest den Vorteil, dass jetzt neue Fondsanteile besonders günstig erworben werden können, was die durchschnittlichen Einstiegskosten – Stichwort Cost-Average-Effekt – senkt. Skandia-Vorstand Hermann Schrögenauer: „Derzeit kann der vermutlich größte Cost-Average-Effekt seit langem ausgenutzt werden. Und praktisch alle Kunden einer Fondspolizze haben noch Vertragslaufzeiten von mehr als zehn Jahren, in denen sich die Börsen wieder erholen können.“

7. Hält die Garantie?
Der Verkaufsschlager der vergangenen Monate waren Einmalerlagspolizzen mit hoher Garantieverzinsung. Das Problem: Hinter einigen Polizzen stand als Garantiegeber und Schuldner die mittlerweile insolvente US-Bank Lehman Brothers. Die betroffenen österreichischen Versicherungen haben zugesagt, die Kunden schadlos zu halten. Trotzdem sollte man in Zukunft genauer auf den Garantiegeber, der auch für die Rückzahlung verantwortlich ist, achten. Uniqa-Vorstand Elisabeth Stadler: „Bei unserem ‚Best Zins RZB Garant special edition Klimaschutz‘ ist der Garantiegeber mit der RZB eine österreichische Bank.“

8. Aussitzen oder umsteigen?
Wer jetzt eine Fondspolizze besitzt, die momentan unter die Räder gekommen ist, dem rät Uniqa-Vorstand Stadler, auf keinen Fall die Nerven zu verlieren: „Wenn man jetzt den Vertrag auflöst, nimmt man auf jeden Fall Verluste mit.“ Wer noch länger Zeit habe, kann zumindest warten, bis sich die Börsen wieder erholen. Stadler: „Dann kann man fünf bis zehn Jahre vor Pensionsbeginn in sicherere Fondsvarianten umsteigen.“ Allianz-Vorstand Baumgartl rät, sich zumindest noch etwas Zeit mit einschneidenden Maßnahmen zu lassen und dann „mit kühlem Kopf zu überlegen, wie viel Risiko man wirklich nehmen will. Man kann entweder in den Fonds bleiben und günstig nachkaufen oder auf Wunsch das Guthaben von einer Fondspolizze in eine klassische Variante übertragen.“

Von Martin Kwauka

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