So schützen sich Anleger: Vermögenserhalt mit Gold und Inflationsschutz-Anleihen

Sparer müssen nicht tatenlos zuschauen, wie der Wert ihres Geldes schwindet. Das beste Gegenmittel ist eine Mischung aus Gold, Aktien, Immobilien und ­inflationsgeschützten Anleihen.

Die zeitliche Übereinstimmung war nahezu perfekt. Anfang der Woche schürten die Inflationszahlen für den Jänner in ganz Europa neue Ängste vor einer stark steigenden Teuerung. Nur ein paar Stunden später erreichte der Preis für eine Unze Gold mit 1.435 Dollar einen neuen historischen Rekord. Zwar handelt es sich dabei wohl eher um eine zufällige Übereinstimmung. Tatsächlich erweist sich Gold aber langfristig als erstaunlich wirksamer Inflationsschutz. So konnte man sich im 19. Jahrhundert für eine Unze Gold genauso einen sehr guten Anzug leisten wie heute.

Umgekehrt heißt das auch, dass Gold derzeit trotz der Rekordnotierung noch nicht überteuert ist. Zieht man die Preisbasis von 2007 heran, lag der reale Wert einer Unze im Jänner 1980 bereits bei 1.830 Euro. Danach hat sich allerdings der Goldpreis vorübergehend mehr als halbiert.

Der richtige Mix

Das Edelmetall ist also kein allein selig machendes Patentrezept zum Vermögenserhalt, sondern sollte mit anderen Realwerten wie Aktien und Immobilien sowie inflationsgeschützten Anleihen ergänzt werden.

Gold hat den Vorteil, dass es selbst in extremen Krisen wie etwa der Hyperin­flation nach dem Ersten Weltkrieg einen guten Schutz geboten hat. Eine solche Katastrophe ist aus heutiger Sicht allerdings so gut wie ausgeschlossen. Aber auch in dem wesentlich wahrscheinlicheren Szenario, dass die Inflation auf drei bis vier Prozent ansteigt, kann Gold in Form von Münzen oder Goldminenaktienfonds (wie zum Beispiel dem bewährten Klassiker BlackRock World Gold) ein guter Begleiter sein. Schließlich wird das Edelmetall derzeit für ganz neue Käuferschichten attraktiv, darunter auch die Notenbanken in Schwellenländern wie China und Indien. Diese wollen nicht länger ihre ganzen Reserven auf Anleihen hochverschuldeter Staaten wie die USA konzentrieren.

Wolfgang Traindl, Chef des Private Bankings der Erste Bank, rät seinen konservativen Kunden, die sich vor einer steigenden Inflation schützen wollen, zehn Prozent des Vermögens in Gold anzulegen. 60 Prozent könnten in variabel verzinsten Anleihen oder festverzinslichen Papieren mit kurzer Restlaufzeit investiert werden.

Hintergedanke: Bei kurzen Laufzeiten verursacht ein Anstieg der Teuerung wesentlich weniger Schaden als bei Anleihen, die erst in fünf oder gar zehn Jahren getilgt werden. 20 Prozent würde Traindl in dividendenstarke Aktien mit hohem Substanzwert stecken. Die restlichen zehn Prozent wären für das Thema Immobilien oder Immobilienwertpapiere reserviert. Viele Mietverträge haben Indexklauseln, durch die die Mieten automatisch an einen Inflationsindikator angepasst werden. Das hilft allerdings auch nur dann, wenn die Mieter auch weiter in der Immobilie bleiben. Bei Neuvermietungen kann es passieren, dass deutlich schlechtere Konditionen akzeptiert werden müssen.

Programmierter Inflationsschutz

Ein relativ neues Investmentsegment sind Staatsanleihen, bei denen die Zinsen automatisch steigen, falls die Inflation zunimmt. Solche Papiere gibt es zum Beispiel aus Deutschland, Frankreich und Italien.

Messlatte sind zum Beispiel der harmonisierte Inflationsindex der Eurozone oder nationale Indikatoren wie etwa die ­Teuerung in Frankreich. Heinz Mayer, Vorstand der Schoellerbank: „Unsere Zielgröße ist derzeit, dass 40 Prozent des Anleihendepots aus solchen Papieren bestehen. Die steigende Geldmenge, vor allem die der USA, wirkt auf Dauer inflationär. Das färbt letztlich auf die ganze Welt ab.“

Inzwischen haben sich eine ganze Reihe von Fonds auf dieses neue Segment konzentriert. Erich Hackl, Fondsmanager des Pioneer In­flation Link Bond: „Die aktuelle Real­rendite der Papiere im Fonds liegt bei
0,72 Prozent.“ Das bedeutet: Die Anleihen ­zahlen zusätzlich zur jeweiligen Infla­tionsrate noch weitere 0,72 Prozent als Kupon. Damit wird man zwar nicht reich, hat aber das gute Gefühl, dass die Kaufkraft des Vermögens gesichert ist und auch ein kleiner Zusatzertrag kassiert wird. In der Praxis funktioniert das folgendermaßen: Der ursprüngliche Zinssatz wird laufend indexiert. Wenn zum ­Beispiel bei Auflage der Anleihe zwei Prozent ­Zinsen angeboten wurden und sich die ­Inflation nach zehn Jahren auf 30 Prozent summiert hat, werden für dieses zehnte Jahr 2,6 Prozent Zinsen gezahlt, also das 1,3fache des Ursprungsbetrags. Außerdem erhöht sich auch der Wert der Rückzahlung. Falls die Anleihe im zehnten Jahr getilgt wird, bekommt man nicht wie üblich 100 Prozent, sondern im genannten Beispiel 130 Prozent zurückbezahlt.

Polizzen mit Teuerungsausgleich

Ein Kernproblem jeder Inflationsschutz-Anleihe: Der Finanzminister kassiert durch die KESt einen guten Teil der Valorisierung ab. Wer dies vermeiden will, kann Lebensversicherungs-Einmalerläge mit Inflationsschutz kaufen. Dort fällt keine KESt an, es werden dafür anfangs vier Prozent Versicherungssteuer fällig, Derzeit sind solche Produkte bei der Helvetia, der Uniqa und der Wiener Städtischen im Angebot. Der Nachteil: Die steuer­-liche Mindestlaufzeit beträgt ab heuer 15 Jahre. Daher sind solche Produkte nur bei einem entsprechenden Anlagehorizont sinnvoll.

Genauso wie Erste-Banker Traindl empfiehlt auch Schoellerbank-Vorstand Mayer eine Aktienquote zum langfristigen Vermögenserhalt. Mayer: „Im Segment der globalen Großkonzerne wie Nestlé, Novartis oder Procter & Gamble findet man günstige Kurs-Gewinn-Verhältnisse von zehn, zwölf oder höchstens 14 und dazu Dividendenrenditen von drei Prozent aufwärts. Natürlich muss man bei Aktien immer mit kurzfristigen Kursschwankun­gen rechnen. Aber wenn ich mir überlege, wie ich jetzt auf Sicht von zehn Jahren die Kaufkraft am besten erhalten kann, dann ist die Antwort klar: mit internationalen Blue-Chip-Aktien.“

Erste Bank und OMV  

Wichtig beim ­Aktienkauf ist die Frage: Welches Unternehmen kann von einer steigenden Inflation profitieren, und welche Firmen leiden besonders unter dem Geldwertschwund? Die US-Investmentbank Goldman Sachs ist dieser Frage in einer aktuellen Studie nachgegangen und hat vor allem zwei Börsensegmente als potenzielle Gewinner ausgemacht: Bankaktien und Rohstoffkonzerne. Auf der Liste der 24 potenziel­len Nutznießer steigender Preise ­finden sich neben Finanztiteln wie HSBC oder ING und Ölaktien wie Shell oder ­Statoil auch zwei österreichische Papiere: Erste Bank und OMV. Bei den ausgemachten Verlierern finden sich Lebensmittelkonzerne, die unter teureren Rohstoffen leiden wie die Brauereien Heineken und Carlsberg.

- Martin Kwauka

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