So kommen Anleger trotz Hochschaufahrt der Börsen gut über die Runden

Die Börsen stehen im Bann von Panik und Euphorie. FORMAT analysiert, was auf Aktionäre zukommt und wie mutige Anleger letztmals steuerfreie Gewinne machen.

An der Börse gibt es nur Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld“, postulierte der legendäre Investmentguru André Kostolany. Zwar lebt Kostolany schon seit 12 Jahren nicht mehr, sein Bonmot ist aber brandaktuell. Die Schmerzen waren Anfang der Woche jedenfalls extrem. Durch den Aktiencrash vom Montag gingen allein bei den 500 größten US-Konzernen des S&P-500-Index rund 750 Milliarden Dollar an BörsenwerFdt verloren. Bereits tags darauf schlug das Pendel aber kräftig in die Gegenrichtung aus; nach Ende der Börsensitzung vom Dienstag waren die Wall-Street-Aktionäre wieder um 480 Milliarden Dollar reicher.

Das Epizentrum des Börsenbebens, aus­gelöst durch einen Einbruch der US-Konjunktur und den Verlust der AAA-Topnote, lag zwar in den USA. Die Schockwellen breiteten sich trotzdem in Windeseile rund um den Globus aus. Am Mittwoch standen die Zeichen abermals auf Sturm. Die Gerüchte, dass auch Frankreich schon bald sein AAA-Rating bei der Kreditwürdigkeit verlieren könnte, wurden zwar von ­allen drei großen Agenturen entkräftet. In Europa und Amerika rasselten die Kurse trotzdem nach unten. Wie irrational es an den Finanzmärkten derzeit zugeht, zeigen nicht zuletzt die 10-jährigen US-Staatsanleihen, deren Kurse trotz der schlechteren Bonität jenseits des großen Teichs scharf anzogen (s. Chart). Und in Österreich, wo derzeit viele Anleger in sichere Immobi­lien flüchten, erwischte es ausgerechnet die Immobilienaktien besonders heftig.

Verlust oder Gewinn?

Nun stellt sich Anlegern die Frage, ob die Börsen ähnlich wie nach der Lehman-Pleite ab Herbst 2008 zu einem länger ­anhaltenden Sinkflug ansetzen oder ob sich die Lage doch wieder beruhigt und das Schmerzensgeld, um in Kostolanys Sprachwelt zu bleiben, schon bald kassiert werden kann.

Olivier Müller, Teamleiter Aktienanalyse der Credit Suisse in Zürich: „Momentan interessiert sich niemand für die guten Fundamentaldaten vieler Unternehmen. Es müssen zwei Punkte eintreffen, damit die Börsen wieder steigen: Erstens brauchen wir eine konzertierte Aktion der ­Zentralbanken und der Politik zur Beruhigung der Märkte. Zweitens benötigen wir positive Nachrichten von der Konjunktur, die zeigen, dass die Werte, die zuletzt schlechter als erwartet waren, nur eine vor­übergehende Eintrübung waren. Wenn die Trendwende einsetzt, haben Aktien aus Deutschland gute Chancen. Wir glauben, dass der DAX-Index bis Jahresende wieder auf 7.600 Punkte steigen könnte. Auch bei Schwellenländeraktien ist eine Erholung möglich.“

Bei Einzeltiteln rät Credit-Suisse-Analyst Müller zu konjunktursensiblen Werten mit gutem Fundament, deren Kurse zuletzt überdurchschnittlich verloren haben. Beispiele sind ABB, BASF, Henkel, Royal Dutch Shell oder Siemens. Auch Papiere mit hohen Dividendenzahlungen sind für Müller im gegenwärtigen Umfeld zu empfehlen. Dazu gehören für ihn Swisscom, Zurich Financial Services, British Tobacco und unter dem Gesichtspunkt Divi­den­den auch Siemens und Shell.

Wall-Street-Bullen unbeirrbar  

Bob Doll, Aktien-Chef der Fondsgesellschaft BlackRock, gibt ebenfalls Entwarnung: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die USA wieder in eine Rezession schlittern, liegt derzeit bei 30 Prozent.“ Sein Tipp in Zeiten wie diesen ist jetzt ein Einstieg in mehreren Raten, um nicht am falschen Fuß erwischt zu werden. Doll befindet sich mit seinem Optimismus für US-Aktien durchaus im Einklang mit anderen Experten. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg vom vergangenen Freitag rechnen die Chefstrategen 13 wichtiger Banken von Barclays bis UBS unverdrossen mit einem guten Jahresausklang. Im Schnitt wird der US-Index S&P 500 demnach bei 1.401 Punkten erwartet, das entspräche mehr als 20 Prozent Kursgewinn. Auch Jim O’Neill, Chef von Goldman Sachs Asset Management, kann nicht glauben, dass die im März 2009 gestartete Börsenrally im Sand versiegt: „Es ist nicht zu verleugnen, dass sich die globale Konjunktur deutlich verlangsamt. Ich bezweifle trotzdem, dass der Aktienaufschwung vorbei ist.“ Laut dem Experten wird in nächster Zeit entscheidend sein, wie schnell die chinesische ­Regierung die Inflation in den Griff bekommt. Goldman-Sachs-Experte O’Neill: „Jetzt hängt wiederum viel von China und den anderen Wachstumsmärkten ab. Die aufstrebenden Länder werden das Schicksal der globalen Wirtschaft und der Finanzmärkte in den nächsten Jahren entscheidend beeinflussen.“

Nur wenig Zeit bleibt Anlegern, die jetzt noch zum letzten Mal steuerschonend inves­tieren wollen. Bis Ende September besteht die Möglichkeit, mit dem Kauf bestimmter Zertifikate der KESt dauerhaft zu entkommen. Die Instrumente sind allerdings heiße Eisen und gerade angesichts der jetzigen Turbulenzen sicher nicht geeignet für konservative Gemüter, deren Nerven jetzt schon blank liegen.

Robert Winter, Martin Kwauka

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