Sichern Sie ihre Wertpapieranlagen gegen starke Wechselkursveränderungen

Der schwache Dollar reißt Löcher in die Depots der Anleger. FORMAT zeigt, wie sich Investoren jetzt gegen weitere Währungsschwankungen absichern.

Zahlreiche Anleger wandeln derzeit auf den Spuren der reichsten Ente der Welt. Wie Dagobert Duck erfreuen sie sich genüsslich am Anblick von Gold, horten das glänzende Metall in ihren Safes und fühlen sich dabei bombensicher. Auf den ersten Blick liegen sie damit völlig richtig, kletterte doch der Goldpreis je Feinunze Mitte der Woche auf 1.360 US-Dollar. Der wiedererstarkte Euro macht Goldbesitzern jedoch einen dicken Strich durch die Rechnung. Denn in europäischer Währung gerechnet ist Gold weit weniger attraktiv. Aktuell ist etwa die Philharmonikermünze nur noch 1.000 Euro wert, um 83 Euro weniger als noch im Juni.

Schuld am schwachen Dollar ist unter anderem die US-Notenbank Fed, die wieder die Notenpresse angeworfen hat. Christian Nemeth, Anlagechef des Private Wealth Management der Deutschen Bank in Österreich: „In Amerika steht die lockere Geldpolitik in der Version 2.0 vor der Haustür.“

Die USA sind jedoch nicht der alleinige Bösewicht. Auch China fährt alle Geschütze auf, um die eigene Währung Renminbi schwach zu halten. Der gelbe Riese hat damit einen weltweiten Währungskrieg vom Zaun gebrochen. Die Währungskrise spaltet die Lager. Norbert Walter, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank, rechnet weiter mit dramatischen Veränderungen: „Ich wäre nicht überrascht, wenn der Euro-Dollar-Kurs auf 1,70 steigt“. Weitaus gelassener beurteilt Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Bank, die Lage: „Ich sehe den Wechselkurs von Euro zu Dollar am Jahresende wieder bei 1,30.“

Seit Juli hat der Dollar gegenüber dem Euro fast zehn Prozent eingebüßt. Andere Währungen wie der kanadische Dollar, die indische Rupie und eben der chinesische Renminbi sind fleißig mitgezogen. Stärker als der Euro präsentieren sich aktuell die schwedische Krone und der australische Dollar.

Jetzt stellt sich für Anleger die Frage, wie es mit Euro und Dollar weitergeht und wie sie ihre Wertpapieranlagen gegen dramatische Wechselkursveränderungen absichern können. Die Dollarschwäche hat im Falle internationaler Aktieninvestments bei Euro-Anlegern bereits tiefe Spuren hinterlassen. So brachten weltweite Aktien in den vergangenen drei Monaten in Dollar gerechnet 7,6 Prozent Ertrag, in Euro dagegen nur schlappe 0,9 Prozent. Bei Dividendenwerten aus den Schwellenländern hatten Dollar-Investoren mit 11,7 Prozent gegenüber Euro-Anlegern mit plus 4,8 Prozent die Nase ebenfalls weit vorn.

Philipp Vorndran, Anlagestratege der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch: „Europäische Investoren haben generell zu viel Euro-Papiere im Depot. Gerade Versicherungen und Pensionskassen gehen mit dem hohen Veranlagungsanteil an europäischen Staatsanleihen ein enormes Klumpenrisiko ein. Wir sichern mit 25 Prozent Lokalwährungsanleihen von stabilen und leistungsfähigen Volkswirtschaften ab.“ Dabei spielen nicht der Dollar, der japanische Yen oder das britische Pfund die erste Geige, sondern die Währungen Australiens, Singapurs, Chiles und Norwegens.

Anpassungen stehen bei der Schoellerbank bereits an der Tagesordnung. Schoellerbank-Vorstand Heinz Mayer: „Die Welt hat sich schnell geändert. Im Frühjahr waren noch die Euro-Pessimisten am Drücker, jetzt kommen die USA mit ihrer Geldpolitik dazwischen.“ Mayer hat normalerweise zehn Prozent der Gelder in den Depots seiner Klientel in Fremdwährungspapiere investiert. Vor kurzem folgte eine Erhöhung auf 15 Prozent. Mayer: „Eine weitere Aufstockung auf 20 Prozent steht im Raum.“

Drei auf einen Streich

Geht es nach der US-Bank Goldman Sachs, haben zahlreiche Schwellenländerwährungen enormes Aufwertungspotenzial. So rechnet das Institut damit, dass der chinesische Renminbi bis 2020 im Schnitt um neun Prozent jährlich zulegen wird. Indische Rupie, türkische Lira und brasilianischer Real liegen ebenfalls exzellent im Rennen.

Deshalb ist zu überlegen, einen Teil seines Geldes in Schwellenländeranleihenfonds zu investieren, die Lokalwährungspapiere kaufen. Damit stehen auch Kleinanlegern drei Vorteile offen. Sie entkommen der Euro-Dollar-Falle, profitieren von den erwarteten Währungsgewinnen der aufstrebenden Staaten und erzielen höhere Anleihenrenditen als mit Staatspapieren aus dem Euroraum.

Ein gutes Beispiel dafür ist der von Palais-Coburg-Besitzer Peter Pühringer verwaltete ZZ Trend, der unter anderem mit Anleihen in türkischer Lira heuer 20,7 Prozent Ertrag erwirtschaftete. In der gleichen Liga spielt im laufenden Jahr der UBS Bond Fund, der mit australischen Rentenpapieren bestückt ist.

Voll abgesichert

Investoren, die zu Aktien greifen, die in Dollar notieren, stehen Fonds offen, die das Währungsrisiko zur Gänze neutralisieren. Das kann sich zwar mittelfristig als Nachteil erweisen, wie die Entwicklung auf Jahressicht belegt. So gewann etwa der währungsgesicherte US-Aktienfonds Bawag PSK Amerika Blue Chip Stock (ISIN AT0000716576) seit Oktober 2009 nur 2,9 Prozent an Wert. Die Dollar-Tranche des gleichen Fonds liegt dagegen mit plus 10,6 Prozent deutlich besser. Sollte aber das Pendel wieder umschlagen und der Euro gegen über dem Dollar verlieren, ist man gegen Verluste geschützt.

Friedrich Strasser, Vorstand der Bank Gutmann: „Wir sichern in der Vermögensverwaltung 50 Prozent der Fremdwährungsanteile im US-Dollar oder im japanischen Yen ab.“ Das ist durchaus auch eine Gangart, der sich Kleinanleger anschließen können, indem sie einen Mix aus gehedgten und nicht währungsgesicherten Fondsanteilen ins Depot legen.

Aber Vorsicht: Es reicht bei Fonds nicht aus, dass die Angabe der Währung in Euro ausgewiesen ist. Investoren müssen nach jenen Tranchen Ausschau halten, in deren Namensbezeichnung das Wort „hedged“ enthalten ist.

Falls der Dollar gegenüber dem Euro, wie von Norbert Walter prognostiziert, weiter an Boden verliert, heißt es etwa bei europäischen Aktien, die zu den Exportkaisern zählen, aufpassen. Marcel Landesmann, Österreich-Chef der Bank Vontobel: „Längerfristig könnten solche Aktien unter Druck kommen. Das trifft etwa auf die deutsche Autoindustrie zu.“ Aktuell sieht Landesmann aber noch keinen dringenden Anpassungsbedarf.

Hebelzertifikate

Investoren, die bereits US-Dollar im Depot haben, können mittels eines Hebelzertifikats, eines sogenannten Euro/Dollar Mini Long, das Dollarrisiko absichern. Herbert Wüstefeld, Zertifikate-Experte der Royal Bank of Scotland (RBS): „Man kann mit einem sehr niedrigen Hebel einsteigen und sich sozusagen einen Ist-Zustand einfrieren. Falls der Dollar nämlich wieder zulegt, sagen wir um zehn Prozent, dann frisst der Wertverlust des Hedge den Wertzuwachs meiner Anlage auf. Ich steige pari aus. Falls der Dollar weiter fällt, dann rettet mir der Hebel mein Kapital.“

Wer eine weitere Schwächung des Dollars befürchtet, kann sich etwa mit Quanto-Zertifikaten gegen das Risiko des Greenback absichern. Diese Art der Zertifikate gibt es auf Gold, Aktien, Indizes und Rohstoffe, die in Dollar notieren. Für das Quanto-Zertifikat zahlt der Anleger eine vom Kurs abhängige Absicherungsgebühr. Bei etwaigen Währungsgewinnen durch ein Wiedererstarken des Dollars schauen Anleger allerdings durch die Finger.

– Ingrid Krawarik, Robert Winter

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