Sicherheit ist gefragt – doch nicht jedes Garantieprodukt hält, was es verspricht

Garantieprodukte stehen bei Anlegern hoch im Kurs. FORMAT zeigt, was sie versprechen, wann sie funktionieren und wann nicht.

Harte Zocker gehören an den Börsen derzeit zu einer Minderheit. Kein Wunder, steht das Kundenvertrauen in den Kapitalmarkt ja noch immer auf sehr wackeligen Beinen. Das Wort ­Garantie löst hingegen wohlige Gefühle aus. Bedeutet es doch Sicherheit in einer Welt voll Chaos. Standen einst im Boom die Rendite und das dadurch kräftig vermehrte Vermögen bei Anlegern auf Platz eins der Wunschliste, so ist nun die Nachfrage nach kapitalgarantierten Produkten das Nonplusultra. Am besten 100 Prozent abgesichert und Tür zu. Die Flucht in Garantieprodukte hat aber ihren Preis. Und der ist mitunter richtig hoch. Viele Konstrukte bringen An­legern zum Ablaufzeitraum weit weniger, als in der Werbung suggeriert wird. Von einer 100-prozentigen Kapitalgarantie bleiben abzüglich des Ausgabeaufschlags von meist drei Prozent bereits zu Beginn nur noch 97 Prozent des Kapitals übrig. Nach vier bis sechs Jahren Laufzeit muss noch die Inflation abgezogen werden. Wenn nur die Kapitalgarantie greift, ist die Anlage ein klares Verlustgeschäft. FORMAT hat aktuelle Zertifikate und Fonds unter die Lupe genommen, zeigt, wie die Produkte funktionieren und worauf Anleger beim Kauf achten sollten.

Bonus und Barriere
So groß ­aktuell die Nachfrage nach Garantieprodukten ist, so schwer ist es, attraktive Angebote zu konstruieren. Angesichts von tiefen Zinsen und schwankenden Börsen ist es derzeit unmöglich, ein Produkt mit 100 Prozent Sicherheit und gleichzeitig einer vollen, nach oben unbegrenzten Teilnahme an steigenden Kursen zu emittieren. Deshalb behelfen sich die Banken mit Varianten mit eher begrenztem Potenzial. Die Volksbank hat mit dem Österreich Bonus Garant Nachhaltigkeit III ein Zertifikat zur Zeichnung parat, das das eingesetzte Kapital garantiert am Ende der Laufzeit von drei Jahren wieder zurückzahlt. Die Gewinnchance ist aber mit 30 Prozent gedeckelt. Dieser Bonus wird nur gezahlt, wenn keiner der vier Werte im zugrunde liegenden Aktienkorb 50 Prozent oder mehr an Wert verliert. Alexandra Baldessarini, Leiterin der Strukturierten Investments der Volksbank: „Das Risiko ist bei diesem Produkt zwar höher, aber doch überschaubar. Die Barriere ist mit 50 Prozent sehr tief angesetzt.“ Beim Blue Chip Bond 13 der Raiffeisen Centrobank (RCB) darf sogar keine der 20 Aktien an den jährlichen Feststellungstagen 40 Prozent oder mehr an Wert verlieren – sonst gibt es nur im ersten Jahr eine fixe Verzinsung von drei Prozent. Bleiben die 20 Aktien ausnahmslos über der Barriere, besteht jeweils die Chance auf 8,5 Prozent per annum.

Bei Rallys außenvor
Das Problem all dieser Basket-Konstruktionen: Sehr oft geht zumindest eine Aktie flöten – und es nützt dann gar nichts, wenn die anderen auf Höhenflug gehen. Philipp Arnold, RCB-Zertifikate-Spezialist: „Natürlich ist da ein gewisses Risiko mit im Spiel. Wir haben mit diesem Produkt in den vergangenen Jahren aber eine Durchschnittsrendite von vier Prozent per annum erzielt.“ Garantiezertifikate, die zumindest einen jährlichen Fixkupon zahlen, scheinen auf den ersten Blick fairer zu sein. So zahlt der Best Garant Nachhaltigkeit II der Erste Bank einen fixen Zinssatz von 2,95 Prozent pro Jahr. Ein Bonus von zusätzlich drei Prozent jährlich wird nur dann fällig, wenn an den 15 Stichtagen keiner der 20 Werte im Aktienkorb 30 Prozent oder mehr verloren hat. An einer besseren Wertentwicklung der Aktien ist man als Anleger allerdings nicht beteiligt. Kommt es zu einer Rally, bleibt der Investor bestenfalls auf der Maximalrendite von 5,95 Prozent picken. Thomas Schaufler, Verkaufsleiter Privatkunden der Erste Bank: „Es gibt viele Anleger, die derzeit das Risiko scheuen, einen Mindest­ertrag haben möchten plus die Chance auf etwas mehr. Wer an eine Rally der Aktienmärkte glaubt, kann natürlich andere Pro­dukte mit höherem Risiko wählen.“

Garantie genau betrachten
Tipp: Vor dem Kauf eines Zertifikats sollten Anleger nicht nur die Produktkonstruktion genau hinterfragen, sondern auch einen Blick auf den Garantiegeber werfen. Zertifikate fallen nämlich nicht unter die Einlagensicherung. Ein spezieller Fall ist die deutsche DZ Bank, der Marktführer für Garantieprodukte beim großen Nachbarn, bei der Garantieprodukte durch den genossenschaftlichen Sicherungsverbund gegen Insolvenzen des Emittenten geschützt sind. Details über neue Garantieprodukte werden erst in Kürze bekannt gegeben (www.strukturierte-investments.de) . Einen Blick wert ist auch das Garantiekonstrukt. Statische Optionsmodelle bieten in der Regel bis zum Schluss Chancen auf Börsengewinne. Ein großes Problem kann sich dagegen bei dynamischen Garantiemodellen mit variabler Aktien­quote, sogenannten CPPI-Modellen, ergeben. Fällt die Börse plötzlich zu stark, hilft auch ein späterer Wiederanstieg nichts mehr, weil die Aktienquote bis zum Ende bei null bleibt. Deshalb sind jetzt nicht nur ein Teil der normalen Garantiefonds, sondern auch viele nach ähnlichem Muster gestrickte Produkte der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge bis zum Ablaufdatum mit angezogener Handbremse unterwegs. Im Zuge der Krise wurde auch die Quote bei vielen CPPI-Fonds-Produkten der Pioneer Austria (PIA) von 30 bis 40 Prozent auf nur noch 1,5 bis 3 Prozent her­untergefahren.

Rechtzeitig gebremst
Allerdings wurde so rechtzeitig gebremst, dass jetzt wieder Gas ­gegeben werden kann. Herbert Virag, Fondsmanager des PIA Europa Garantie 12/2016, der ab 9. November gezeichnet werden kann: „Bei den bestehenden Fonds sind wir wieder bei 30 bis 40 Prozent Aktien. Beim Europa Garantie gehen wir es vorsichtig an. Die Aktienquote wird zu Beginn etwa 20 Prozent betragen, kann aber bis auf 50 Prozent aufgestockt werden.“ Der Garantiefonds wird nach dem CPPI-Modell verwaltet, hat eine Laufzeit von sieben Jahren, das eingesetzte Kapi-tal ist voll garantiert, die Höchststandsgarantie liegt bei 80 Prozent. Achtung: Eine 80-Prozent-Höchststandsgarantie greift grundsätzlich erst, wenn der Kurs­anstieg 25 Prozent erreicht. Ähnlich ausgestattet ist der Raiffeisen-Eurasien-Garantiefonds 09, der auf den Aufschwung der Länder China, Indien, Russland, Türkei und auf die südostasiatische Region setzt. Eurasien-Fondsmanager Georg Linzer: „Die Aktienquote liegt anfangs zwischen 10 und 20 Prozent, endgültig festgelegt wird sie bei Fondsstart am 17. November.“

Von Ingrid Krawarik

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