Sicher anlegen in der Krise

Selbst besonnene Experten schließen ein Zerbrechen des Euro nicht völlig aus. FORMAT zeigt, wie Sie jetzt Ihr Vermögen für alle Eventualitäten positionieren können.

In der Garage stehen mehrere Zehn-Liter-Kanister mit Benzin. Der Gaskocher ist gewartet, die Gasflaschen frisch gefüllt. Daneben lehnt das Fahrrad. Das sind die Vorsichtsmaßnahmen, die Norbert Walter dann für sinnvoll hält, wenn die Eurozone ganz zerbricht. Walter ist nicht irgendein verträumter Einsiedler, sondern einer der wichtigsten Ökonomen Europas.

Der Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank und Mastermind des Consulters Walter & Töchter warnt: „Wenn die Eurozone zerfällt, muss man vorbereitet sein, notfalls auch ohne Sprit und Strom auszukommen. Wenn nicht bis spätestens Ostern ein sinnvoller Rettungsplan auf dem Tisch liegt, werden Europa und die Eurozone mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent zerbrechen.“ Doch Walter ist kein dezidierter Crash-Prophet. Mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit rechnet er damit, dass die Phase des Weiterwurschtelns andauert.

Als wäre es nicht schon genug, dass die Anlagebilanz 2011 verheerend ausfällt, stehen Investoren nun vor drei heiklen Fragen: Wo ist das Geld noch sicher, wenn das Crashszenario Realität wird? Was können Anleger jetzt tun, bis sich die Nebel lichten? Und welche Geldstrategie greift, wenn sich die Phase des Durchwurschtelns um den Erhalt des Euro noch in die Länge ziehen wird?

Klar ist, dass die meisten Anleger von einer Zuspitzung der Krise am falschen Fuß erwischt würden. Typischerweise ist ein Großteil des Vermögens auf den Euro konzentriert. FORMAT hat deshalb ein Musterdepot für risikoscheue Anleger zusammengestellt, das die Gefahr, die die europäische Einheitswährung birgt, stark reduziert. Dabei kommen neben dem Schweizer Franken, der nach wie vor als Hort der Sicherheit gilt, auch Anleihen in norwegischen Kronen, Gold und Immobilien zum Zug (siehe Grafik ).

Bezüglich den besten Geld-Tipps für das Crash- sowie das Normalszenario hat FORMAT Experten befragt. Peter Brezinschek, Research-Chef von Raiffeisen: „Wer jetzt risikoreiche Investments außen vor lässt, versäumt nichts. Sicherheit ist oberstes Gebot der nächsten drei bis fünf Monate.“ Schoellerbank-Vorstand Heinz Mayer hält auch solide Börsenkonzerne für geeignete Vehikel, um auf bessere Zeiten zu warten. Mayer: „Aktien sind Sachwerte. Ich empfehle Papiere global tätiger Unternehmen wie Nestlé, Unilever oder Pepsi.“ Ins selbe Horn stößt Jeremy Grantham, Chef des amerikanischen Großanlegers GMO. Er gibt in seiner Prognose, die die Erträge unterschiedlicher Anlageklassen bis zum Jahr 2018 enthält, Aktien von internationalen Großkonzernen, die Chance auf reale Jahresrenditen in Höhe von 5,8 Prozent.

Eine gewisse Beimischung von Aktien macht auch in unsicheren Zeiten Sinn: Wenn sich abzeichnet, dass die Euro-Rettung von Erfolg gekrönt ist, könnten die Börsen aus ihrer Schockstarre erwachen und sich schnell erholen. Das war zuletzt ab dem März 2009 der Fall. Damals drehte die bis dahin depressive Stimmung der Großanleger, und die Börsen legten bis ins heurige Frühjahr eine bemerkenswerte Rally hin. Wie schnell wieder Optimismus aufkeimen kann, zeigte sich auch Mitte der Woche. Meldungen über eine konzertierte Aktion von sechs wichtigen Notenbanken und eine Kreditlockerung in China ließen weltweit die Kurse hochschnellen.

Doch noch liegt im Nebel, ob der Effekt nachhaltig ist. Bis dahin zahlen dividendenstarke Aktien eine Belohnung für die Zeit des Abwartens. So liegt die Dividendenrendite des deutschen Chemieriesen BASF aktuell bei 5,1 Prozent. Die Deutsche Telekom zahlt 7,6 Prozent. Raiffeisen-Experte Brezinschek favorisiert die Telekom Austria mit neun Prozent Dividendenrendite. Friedrich Strasser, Vorstand der Bank Gutmann, empfiehlt bei der Suche nach ausschüttungsstarken Aktien asiatische Titel. So beträgt die durchschnittliche Dividendenrendite des Aktienfonds Asien Portfolio der Bank Gutmann (ISIN AT0000928445) aktuell 4,4 Prozent.

Jenseits der Eurozone

Bei Veranlagungen in Staatsanleihen macht sich bei GMO-Chef Grantham Skepsis breit. Nach Abzug der Inflation gibt er einzig Schwellenländeranleihen eine Chance auf positive Realrenditen. Für Ökonom Walter kommt ein Kauf europäischer Staatspapiere selbst im „Normalszenario“ überhaupt nicht infrage. Anleger, die trotz der Unsicherheiten Euro-Ländern Geld borgen wollen, sollten dafür nur Papiere von Deutschland, Österreich oder Holland mit einer Laufzeit bis zu maximal drei Jahren in Betracht ziehen. Besser ist es, wie im FORMAT- Musterdepot berücksichtigt, den Anteil von Währungen außerhalb der Eurozone deutlich aufzustocken. Neben dem Schweizer Franken kommen dafür Anleihen in norwegischen Kronen, in welche etwa der Anleihenfonds Nordea Norwegian Bond Fund investiert, infrage.

Bei norwegischen Staatsanleihen sollte der Anteil des investierten Geldes aber 20 Prozent nicht übersteigen. Isabelle De Krassny, Fondsmanagerin der Bank Semper Constantia: „Die norwegische Krone steht bei Investoren jetzt hoch in der Gunst. Man muss die weitere Entwicklung im Auge behalten, weil eine Blasenbildung möglich ist.“

Eine breit gestreute Alternative zu Staatspapieren hat M&G-Fondsmanager Richard Woolnough an der Hand. Obwohl er breit in alle Anlageklassen investieren kann, hat der britische Geldverwalter Unternehmenspapiere in dem von ihm gelenkten M&G Optimal Income hoch gewichtet. Zusätzlicher Vorteil: Das von Woolnough gelenkte Depot gehört zur Elite der sogenannten vermögensverwaltenden Fonds, die ihre Veranlagung jeweils nach den aktuellen Marktgegebenheiten ausrichten und gegebenenfalls den Aktienanteil auf null fahren können.

Cash im Crash

Neben dem Kauf der Angstwährung Gold ist im „Untergangs“-Szenario, dessen Eintreten für Schoellerbank-Experte Mayer zu zehn Prozent wahrscheinlich ist, der Rückzug aus den Finanzmärkten die einfachste Lösung: „Ultrakonservative, die Angst vor dem Zerfall der Eurozone haben, sollten ihr Geld jetzt zur Bundesfinanzierungsagentur tragen und zumindest bis Ostern dabei bleiben.“

Auch bei Bankguthaben und Spareinlagen muss man sich bis zur Grenze der Einlagensicherung in Höhe von 100.000 Euro keine Sorgen machen. Tipp: Anleger, die deutlich mehr Geld auf der hohen Kante haben, sollten ihr Vermögen auf mehrere Institute aufteilen und damit pro Bank auf die Einlagensicherung des Staates Österreich pochen. Auch die ING-DiBa ist eine interessante Adresse. Sie unterhält in Österreich rechtlich nur eine Filiale und unterliegt damit der deutschen Einlagensicherung. Falls im absoluten Crashszenario jemand auf die Idee käme, die Einlagen bei verschiedenen Banken eines Landes zusammenzurechnen, hätte man zwei Eisen im Feuer. Etwas Bargeld zuhause kann natürlich auch nicht schaden. Aber man sollte es nicht übertreiben. Wird das ganze Vermögen schlichtweg geklaut, kann man nicht einmal mehr Gasflaschen und Benzin kaufen.

– Robert Winter, Carolina Burger

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