Seit Wochen rasseln die
Rohstoff-Notierungen in den Keller

Kometenhafter Aufstieg, dramatischer Kurssturz: Rohstoffanleger wurden im Mai abgestraft. Jetzt werden die Karten neu gemischt. Zocker haben noch genügend Cash für die nächste Runde.

Manche können einfach nicht genug kriegen. Hedgefonds, Spekulanten und nicht zuletzt Banken trieben die Rohstoffpreise von einem Allzeithoch zum nächsten. Schließlich sind die Zinsen derzeit so niedrig, dass der Kredit für die Investments fast gratis zu haben ist. Aber irgendwann ist auch für eingefleischte Rohstoffzocker Schluss mit lustig. Speziell der 5. Mai trieb den Rohstoffspekulanten den Angstschweiß auf die Stirn. Der Ölpreis legte seinen größten Tagesverlust der vergangenen 20 Jahre hin. Der jüngste Anlegerliebling, Silber, büßte in der ersten Maiwoche gar ein Drittel seines Wertes ein. Bei dem erdrutschartigen Preisverfall wurden die Zocker auf dem falschen Fuß erwischt und mussten ihre auf Kredit finanzierten Positionen um jeden Preis schließen.

Auch auf breiter Front waren Verluste in den vergangenen Wochen die Regel. So liegt der Goldman Sachs Commodity Index, der die Wertentwicklung von 24 Rohstoffen abbildet, in Euro gerechnet seit Jahresanfang um 9,9 Prozent unter Wasser. Gar 14,6 Prozent Verlust seit Jänner müssen Anleger des populären Rohstoffaktienfonds BlackRock World Mining hinnehmen. Die angespannte Lage stellt Investoren nun gleich vor mehrere Fragen. Wird der Preisrutsch von Kupfer, Platin, Baumwolle und Co weitergehen? Müssen sich Anleger in Hinkunft vor den Launen der Börsen sogar weniger fürchten als vor kräftigen Kursausschlägen bei Rohstoffinvestments?

Die US-Bank Goldman Sachs mahnte schon Mitte April zu erhöhter Vorsicht bei Rohstoffveranlagungen in den nächsten drei bis sechs Monaten. Für die Zeit danach gibt die Bank aber bereits wieder grünes Licht und schätzt, dass die Preise der Schätze der Erde auf Jahressicht um durchschnittlich 10 Prozent steigen werden. Die britische Investmentbank Barclays Capital legte Anlegern kurz nach dem Crash nahe, die gesunkenen Rohstoffnotierungen zum Wiedereinstieg zu nutzen. Auch die US-Großbank JPMorgan sieht keinen Grund zur Panik. Laut dem New Yorker Institut sind die Investmentchancen bei Rohstoffen langfristig weiter intakt, weil der Rohstoffhunger Asiens in den nächsten Jahren weiter steigen wird.

Im direkten Vergleich nehmen Anleger aktuell jedoch weniger Risiko in Kauf, wenn sie zu Aktien anstelle von Rohstoffen greifen. So fiel die Korrektur an Wall Street und Co deutlich moderater aus als an den Rohstoffbörsen. Schließlich floss heuer das „heiße“ Geld vor allem in Rohstoffe und kaum in Aktien.

Das Match Gold gegen DAX

Auch die Bewertung spricht momentan weiter für Aktien. So sind zum Beispiel die 30 deutschen Börsen-Blue-Chips des Leitindex DAX im Vergleich zum Preis einer Feinunze Gold günstig bewertet. Innerhalb der vergangenen 30 Jahre mussten Investoren durchschnittlich 8,5 Feinunzen Gold in die Waagschale werfen, um mit dem jeweiligen Indexwert des DAX gleichzuziehen. Auf dem Höhepunkt der Hightech-Blase wurde der DAX sogar zum 27fachen Wert gehandelt. Aktuell ist er bei einem Stand von 7.300 Punkten nur rund siebenmal teurer als die Notierung von einer Unze Gold von umgerechnet 1.040 Euro. Doch was zählen solche historischen Betrachtungen in Zeiten, in denen die USA und viele Euro-Staaten so hoch verschuldet sind, dass für viele Anleger nur noch die Krisenwährung Gold Sicherheit verspricht?

Letztlich hängt die Entwicklung der Rohstoffpreise von drei Faktoren ab:

● Erstens von der Entwicklung der Konjunktur, speziell in den rohstoffhungrigen Staaten wie China. So verbraucht das Reich der Mitte 48 Prozent des weltweit geförderten Eisenerzes. Bei Blei liegt der Anteil bei 45 Prozent, bei Kupfer bei 39 Prozent. Auch bei Gold spielen die Käufe aus China gemeinsam mit denen Indiens eine entscheidende Rolle.

● Zweitens vom Dollarkurs. Typischerweise neigen die Rohstoffpreise zur Stärke, wenn der Dollar schwächelt, und umgekehrt. Prompt ging auch der Rohstoffcrash mit einem Comeback des Dollars einher.

● Drittens sorgt das reichlich vorhandene und zudem billige Geld, speziell aus den USA, weiter für den notwendigen Treibstoff für die Rohstoffinvestoren. Die inflationäre Entwicklung bei Metallen und Öl ist so gesehen eine Folge der schnell rotierenden Dollarpressen. Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass 2012 die weltweiten Rohstoffinvestments 24 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung erreichen werden, ein neuer Rekordwert in den vergangenen 20 Jahren.

– Robert Winter, Martin Kwauka

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