Seit Jahresanfang sind die Kurse von Austro-Stocks um bis zu 30% gestiegen

Seit Jahresanfang sind die Kurse von Austro-Stocks um 10, 20 oder gar 30 Prozent gestiegen. FORMAT zeigt, welche Papiere noch Kursfantasie bergen und wo Vorsicht geboten ist.

Der Start in das Jahr 2012 war fulminant. Seit Jahresanfang tummelt sich der Wiener Leitindex ATX, der die größten 20 heimischen Aktien umfasst, mit einem Anstieg von 16,7 Prozent im Kreis der ertragsstärksten Börsen.

Speziell die im österreichischen Börsenbarometer hoch gewichteten Bankaktien von Erste Group und Raiffeisen Bank International konnten mit Kursgewinnen jenseits der 30-Prozent-Marke viel Boden gutmachen. Damit ist zumindest ein erster Schritt in Richtung Gesundung getan. Denn der rasante Börsenaufschwung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass weitere Kurssprünge nötig sind, um die Verluste des Vorjahres wettzumachen. Und das gilt nicht nur für die Aktien heimischer Banken. Zur Erinnerung: 2011 zählten Wiener Aktien mit einem durchschnittlichen Kursverlust von 33 Prozent zu den Prügelknaben unter den internationalen Börsen. Nun deutet aber zur Freude der Investoren vieles darauf hin, dass die Aufholjagd der Austro-Stocks auch im zweiten Quartal anhalten wird.

Selbst der für seine nüchternen Einschätzungen bekannte Friedrich Erhart, Fondsmanager des Pioneer Austria Stock, strotzt vor Zuversicht. Erhart: "Nach dem guten Jahresstart und der anschließenden Konsolidierung hat der ATX gute Chancen, neue Jahreshochs zu erreichen.“ Nicht zuletzt deshalb, weil die Aktien des ATX mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund zehn für das Gesamtjahr 2012 noch deutlich günstiger bewertet sind als im langjährigen Schnitt. Zum Vergleich: Langfristig liegt das KGV heimischer Aktien bei einem Wert von 15.

Top oder Flop

Viele Anleger stehen also nun vor der Frage, welche Aktien die besten Chancen auf weitere Kursgewinne bieten und von welchen Papieren man in nächster Zeit besser die Finger lassen soll. Zu den Favoriten der Börsenexperten zählt etwa die Aktie des Immobilienkonzerns Immofinanz (siehe Tops und Flops der Wiener Börse ). Dabei wirken mehrere Kräfte, die die Kursfantasie schüren. Kürzlich hat die Immobilienaktie den Aufstieg in den ATX-five-Index geschafft, der die fünf größten österreichischen Aktien repräsentiert. Das hat zur Folge, dass das Papier nun verstärkt von internationalen Großanlegern nachgefragt wird. Weitere Impulse darf man sich von der am 9. März erfolgten Aufnahme der Immofinanz-Aktie in den FTSE Epra/Nareit Emerging Europe Index erwarten.

Alois Wögerbauer, Leiter der 3-Banken-Generali-Fonds: "Immofinanz-Chef Eduard Zehetner macht einen guten Job. Er hat erkannt, dass es im Kern nicht um die Höhe des Immobilienvermögens geht. Er ist darauf aus, über die Mieten hohe Cash-Flows zu erzielen und diese via Dividenden an Anleger weiterzureichen. Für mich ist die Aktie weiter kaufenswert.“

Auch beim Kurs des heimischen Erdölkonzerns OMV besteht noch Luft nach oben, notiert die Aktie an der Börse doch aktuell rund 20 Prozent unter ihrem Buchwert. Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-Österreich-Aktienfonds: "Die OMV-Aktie ist im Bezug auf die Bewertung der günstigste ATX-Titel.“

Der oberösterreichische Faserkonzern Lenzing wiederum, der im Vorjahr ein Rekordergebnis erzielte, könnte weiterhin von Megatrends wie etwa dem Bevölkerungswachstum in Asien profitieren. Experte Wögerbauer: "Lenzing ist eine von wenigen heimischen Aktien, die sich auch zu einem längerfristigen Investment eignen.“

Bei Finanzaktien von Raiffeisen Bank International und Erste Group dürfte der Kursaufschwung, wenn auch etwas langsamer als im ersten Quartal, weitergehen. Pioneer-Fondsmanager Erhart: "Die Bankaktien sind zu billig, sie notieren noch klar unter ihrem Buchwert. Dazu kommt, dass die Refinanzierung deutlich billiger geworden ist und dass die erforderliche Anpassung der Eigenkapitalquoten auch ohne Kapitalerhöhungen zu schaffen sein wird.“

Kollege Wögerbauer schlägt in dieselbe Kerbe: "Bei beiden Bankaktien ist in nächster Zeit eine weitere Erholung möglich. Anleger, die längerfristig für die nächsten Jahre planen, sollten aber den Kern ihres Portfolios nicht auf Finanzaktien konzentrieren.“

Wer zusätzlich zu heimischen Blue Chips auch kleinere österreichische Aktien kaufen will, kann etwa einen Blick auf das Papier von Austriamicrosystems werfen, das nicht an der Wiener Börse, sondern in der Schweiz gelistet ist. Das tut der Stellung des Unternehmens mit Sitz in Unterpremstätten bei Graz aber keinen Abbruch. Austriamicrosystems gilt als Technologieperle, die Großkonzerne wie Apple und Samsung auf ihrer Kundenliste hat. Das mündete bereits im Vorjahr darin, dass sich in 40 Prozent der weltweit verkauften Smartphones Bauteile aus der steirischen Tech-Schmiede fanden. Darüber hinaus bietet auch die Aktie des Mautspezialisten Kapsch TrafficCom längerfristig Kurschancen.

Vorsicht geboten

Im Gegensatz dazu ist bei dem Papier der Telekom Austria auch in nächster Zeit Vorsicht angebracht. Denn noch ist unklar, auf welche Strategie sich Investor Ronny Pecik letztlich festlegt. Darüber hinaus ist die Verunsicherung der Anleger wegen der Telekom-Affäre hoch. Raiffeisen-Fondsmanager Schmitt: "Auch bei den konjunkturabhängigen Aktien von Schoeller-Bleckmann oder Andritz darf man in nächster Zeit nicht zu viel erwarten. Bei beiden Papieren ist die Bewertung nicht mehr günstig.“

Dagegen hat der Ziegelkonzern Wienerberger den Turnaround geschafft, und beim Immo-Betreiber conwert werden die Karten neu gemischt. Bei conwert schürt darüber hinaus das Mitte der Woche publizierte Jahresergebnis die Hoffnung auf eine Erholung des Börsenkurses.

Wer sich die Auswahl einzelner Aktien ersparen will, wird bei Austro-Fonds fündig. Das ist aus Renditegründen kein Nachteil. Haben doch fünf der zehn von FORMAT ausgesuchten Fonds den Schwung der Wiener Börse genutzt und seit Jahresbeginn sogar mehr Ertrag gebracht als der Wiener Leitindex ATX.

- Robert Winter