Schutz vor Inflation und Teuerung

Die Inflation kostet Österreichs Sparer derzeit bereits sechs Milliarden Euro im Jahr. Inflationsschutz-Produkte bieten einen Schutz vor der Teuerung, auch wenn die Preise weiter steigen.

Sechs Milliarden sind schon einmal weg. So viel haben die österreichischen Sparer in den vergangenen 12 Monaten durch die Inflation verloren. Die Kalkulation dahinter: Auf den privaten Sparbüchern und Girokonten sind gut 200 Milliarden Euro Guthaben gebunkert, die jüngste Teuerungsrate erreichte im Februar drei Prozent. Die rund zwei Milliarden, die in diesem Zeitraum als Zinsen kassiert wurden, können die Verluste durch die Preissteigerung nicht annähernd ausgleichen. Und in den kommenden Jahren dürften sich die Verluste noch weiter erhöhen. So befürchtet Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, dass sich die Preissteigerung bis auf vier Prozent erhöhen könnte.

Allerdings muss niemand wehrlos zuschauen, wie die Kaufkraft des Ersparten immer mehr dahinschmilzt. Es gibt Zinsprodukte mit automatischem Inflationsausgleich, die den Wert erhalten und zusätzlich noch eine reale Rendite aufweisen. FORMAT zeigt, wie Sie mit Anleihen, Fonds, Zertifikaten und Versicherungs-Einmalerlägen der Teuerung entkommen.

Schutz à la carte

Die Auswahl an entsprechenden Papieren ist groß. So haben neben Euro-Mitgliedern wie Deutschland, Frankreich und Italien auch England, die USA, Brasilien, Polen und die Türkei Staatsanleihen mit Inflationsschutz begeben. Der Gesamtwert der Papiere erreicht bereits 1.686 Milliarden Dollar, also rund 1.200 Milliarden Euro. Die Teuerung wird auf zwei Weisen abgegolten: Erstens steigt der anfänglich versprochene Kupon laufend an. Werden zum Beispiel am Anfang zwei Prozent Zinsen offeriert, und die Inflation beträgt drei Prozent, werden im folgenden Jahr 2,06 Prozent gezahlt, im zweitfolgenden wegen des Zinseszinseffektes schon 2,13 Prozent. Zweitens wächst jährlich die Höhe des Tilgungsbetrags am Ende der Laufzeit. Im genannten Beispiel werden also aus 100 Prozent zu Beginn 103 im nächsten und 106,9 Prozent im übernächsten Jahr.

Letztlich kann es also einem Besitzer einer Inflationsschutz-Anleihe egal sein, wenn die Inflation steigt oder sogar ausufert. Er bekommt immer den gleichen Realzinssatz. Das heißt aber nicht, dass der Kurs nur wie an der Schnur gezogen nach oben klettert. Das zeigt die Entwicklung des Anleihenfonds Pioneer Euro Inflation Linked Bond. Zwischen Anfang 2005 und heute hat der Fonds nach Abgeltung der Inflation noch sechs Prozent Zusatzgewinn erzielt. Es gab aber auch Zeiten, in denen sich der Kurs des Fonds langsamer entwickelte als die Teuerung. Die Ursache: Inflationsanleihen können sich nicht ganz von der Entwicklung von klassischen Fixzinspapieren abkoppeln. Die größte Gefahr ist ein genereller Fall der Anleihenkurse, ohne dass sich die Inflationsaussichten verändern. Trotzdem reagieren Fonds mit Inflationsschutz in aller Regel deutlich moderater. So haben seit dem Höchstkurs Ende August klassische Fixzinspapiere im Schnitt 5,2 Prozent verloren, die Inflationsgeschützten Varianten nur 0,9 Prozent.

Umgekehrt wird man mit Inflationsschutzprodukten ebenso wenig reich wie mit herkömmlichen Papieren. So bringen zehnjährige deutsche Bundesanleihen mit Inflationsschutz derzeit eine Realrendite von 1,01 Prozent. Vergleichbare Fizzins-Varianten offerieren momentan 3,28 Prozent. Erich Hackl, Manager des Pioneer Euro Inflation Linked Bond: „Daraus kann man ableiten, dass der Finanzmarkt aktuell die Höhe der durchschnittlichen Inflation in den kommenden zehn Jahren auf 2,27 Prozent schätzt.“ Das heißt: Käufer von Inflationsschützern sind schon dann im Vorteil, wenn die Teuerungsrate nur leicht über diesen Wert steigt. Angesichts eines Zielwertes der EZB für die Euro-Inflation von rund zwei Prozent ist der Rettungsring vor einer ausufernden Preissteigerung also fast gratis, die „Versicherungsprämie“ nahezu null.

Heinz Bednar, Chef der Erste-Sparinvest-Fonds: „Jeder, der Inflationssorgen hat, sollte sich solche Papiere ins Depot legen. So kann man sich gegen ein echtes Marktrisiko absichern.“ Nachsatz: „Gold und andere Sachwerte können zwar unter bestimmten Umständen ebenfalls als Inflationsschutz wirken, entsprechende Anleihen gehören aber in einem Anlagemix dazu.“

Zertifiziert gegen die Preissteigerung

Auch die Zertifikateanbieter haben die Zeichen der Zeit erkannt und kommen mit Produkten zum Schutz vor Teuerung auf den Markt. So verkauft Morgan Stanley eine 3,5-Prozent-Inflationsanleihe mit fünfjähriger Laufzeit ( ISIN DE000MS0KABO ). Im ersten Jahr bekommen die Anleger einen Fixkupon von 3,5 Prozent. In den folgenden vier Jahren wird die jeweilige Inflationsrate ausgezahlt, mindestens aber 3,5 Prozent. Die Rückzahlung der Anleihe, die zu 100 Prozent erfolgt, hängt an der Bonität von Morgan Stanley. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert die 3,35-Prozent-Crelino-Inflationsanleihe der deutschen Bank-Austria-Schwester HVB ( DE000HV5CTD4 ). Hier bekommen die Anleger eine jährliche Auszahlung in Höhe der Euro-Inflation, mindestens aber 3,35 Prozent. Allerdings hängt die Auszahlung nicht nur von der Bonität der HVB ab, sondern auch von der der Deutschen Bank.

– Martin Kwauka

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