Schreckens-Szenario: Arm im Alter

Schreckens-Szenario: Arm im Alter

Gebt mir einen festen Punkt, und ich werde die Welt aus den Angeln heben“, sagte einst der griechische Gelehrte Archimedes. Mehr als zweitausend Jahre später haben es die Griechen tatsächlich geschafft und hebelten zumindest die Finanzwelt aus den Angeln. Die Auswirkungen reichen bis nach Österreich.

Im jüngsten Sparpaket wurden die Pensionsregeln der heute Aktiven massiv verschlechtert und dazu noch die Prämie für die Zukunftsvorsorge handstreichartig halbiert. Außerdem leiden sowohl die betriebliche als auch die private Vorsorge unter dem Zickzackkurs an den Börsen und den extrem niedrigen Zinsen für alle Investments, die noch als halbwegs sicher gelten.

Weniger vom Staat

Schon heute kämpfen viele Pensionisten mit der Armutsgrenze. Die Durchschnittspension lag 2010 bei 967 Euro, also nur knapp über der Mindestpension von 815 Euro. Arbeiterinnen liegen schon jetzt mit 591 Euro weit darunter (siehe Grafik ). Künftig wird sich die Zahl der Mindestrentner kräftig erhöhen. Ursache ist die jüngst beschlossene Streichung verschiedener Schutzbestimmungen. Ab 1. Jänner 2013 gilt für alle ab 1955 Geborenen das reine "Pensionskonto“ mit lebenslanger Durchrechnung aller Erwerbszeiten. Jahre mit schwachen Einkommen wirken sich dann ohne Abfederung voll auf die Pension aus. Ulrich Schuh, Leiter des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria: "In den nächsten zehn Jahren werden die staatlichen Pensionen um knapp 15 Prozent sinken, ab 2030 werden die Pensionszahlungen sogar um ein Viertel reduziert.“

Doch das ist längst noch nicht alles: Neben der ersten Säule, der staatlichen Pension, zeigen auch die zwei weiteren Säulen, die betriebliche und die private Vorsorge, kräftige Risse. Die Erträge der Pensionskassen lagen in den vergangenen elf Jahren gleich viermal im roten Bereich (siehe Grafik ). Und bei den klassischen Lebensversicherungen sinkt die Verzinsung immer weiter ab (siehe Grafik ). Es wird also immer schwerer, die Lücken aus der staatlichen Rente durch Zusatzpensionen zu schließen. Dazu kommt die tickende demografische Zeitbombe: Bereits in 18 Jahren wird jeder Erwerbstätige statistisch einen Pensionisten finanzieren müssen. Dementsprechend verdoppeln sich die Bundeszuschüsse für Pensionsleistungen von derzeit neun Milliarden auf 18,7 Milliarden Euro im Jahr 2030.

Sinkende Privatpensionen

Weil die staatlichen Pensionen mangels Finanzierbarkeit langfristig sinken, hat der Staat bereits 2003 mit der Zukunftsvorsorge ein zusätzliches Standbein geschaffen. Dank der Prämie wurde das Produkt mit inzwischen 1,6 Millionen Verträgen ein Absatzschlager. Das Problem: Die gesetzlich geforderte Kombination aus einer hohen Aktienquote und einer Kapitalgarantie erwies sich in der Finanzkrise als Bumerang. Heute ist ein großer Teil der Verträge ausgestoppt, und sie warten mehr oder weniger ertragslos auf das Ende der Laufzeit (siehe " Ausgebremst und ausgestoppt "). Damit nicht genug. Die staatliche Förderung wurde im heurigen Sparpaket auf Dauer halbiert. Hartwig Löger, Chef der Uniqa Österreich, ist schwer verärgert: "Auf der einen Seite wird eingeräumt, dass die staatliche Pensionssäule nicht mehr im bisherigen Ausmaß finanzierbar ist. Auf der anderen Seite wird aber auch die Prämie für die private Zukunftsvorsorge gekürzt. Das ist kontraproduktiv und führt zu einer generellen Verunsicherung im Bereich der Pensionsvorsorge.“

Der Arbeiterkammer reicht dagegen die Halbierung nicht aus - sie fordert gar einen kompletten Förderungsstopp. Helmut Ivansits, AK-Pensionsexperte: "Durch das Förderunwesen ist mehr Schaden entstanden, als es Nutzen gebracht hat. Das Geld sollte man besser nur in die staatliche Pension fließen lassen. Denn wir sind verdammt dazu, die erste Pensionssäule stehen zu lassen.“

Angesichts des Streits zwischen den Lagern bleibt den Betroffenen nur der Ausweg individueller Lösungen. Doch schon jetzt geht vielen Sparern die monetäre Luft aus. Ein Beispiel: Ein heute 30-jähriger Mann möchte mit 65 Jahren in Pension gehen und dann 500 Euro pro Monat zusätzlich zur Verfügung haben. Er müsste zum Beispiel bei der s Versicherung knapp mehr als 240 Euro pro Monat in einer klassischen Lebensversicherung anlegen, um dann über diese Zusatzrente verfügen zu können. Und das ist nur die halbe Wahrheit: Die in 30 Jahren verfügbaren 500 Euro haben eine ähnliche Kaufkraft wie die heute gesparten 240 Euro. Hintergrund: Die sinkenden Anleihenzinsen bewirken einen kräftigen Rutsch der Verzinsung der Lebensversicherung, der noch nicht am Ende ist. Realistische Chancen auf hohe Erträge haben nur Kunden mit einer Fondspolizze. Wer hier zum Beispiel in den von mehreren Gesellschaften eingesetzten Mischfonds Carmignac Patrimoine investierte, hat in den vergangenen zehn Jahren den Einsatz mehr als verdoppelt.

Pensionskassen unter Druck

Umso bitterer, dass auch die Veranlagungsergebnisse der Pensions- und Mitarbeitervorsorgekassen hinter den Erwartungen zurückbleiben. Die Pensionskassen legten im Vorjahr im Durchschnitt ein Minus von 2,96 Prozent hin. Die Fünfjahres-Performance liegt bei mageren 0,62 Prozent pro annum. Immerhin: Das erste Quartal 2012 verlief mit einem Plus von 4,3 Prozent erfreulich gut, die APK erreichte sogar 6,4 Prozent. Die genaue Performance aller Kassen finden Sie in der Tabelle links. Michaela Plank, Expertin des Beratungsunternehmens Mercer, die den Vergleich für FORMAT erstellte: "Zwar wurde im 2. Quartal das Aktienrisiko wieder reduziert. Bis Ende Mai dürften aber bei den meisten Kassen wieder ein bis eineinhalb Prozentpunkte des erzielten Gewinnes verlorengegangen sein.“

Die Mitarbeitervorsorgekassen kämpfen besonders mit der Tiefzinsphase, da sie betont sicher anlegen müssen. Beim Start der Abfertigung neu 2003 wurde noch eine jährliche Rendite von sechs Prozent prophezeit. Die Realität: Von zehn Vorsorgekassen schaffte es nur die VBV, seit Gründung zumindest eine durchschnittliche Rendite von knapp über drei Prozent einzufahren - gerade einmal die Hälfte. Heinz Behacker, VBV-Chef: "In vielerlei Hinsicht sind uns die Hände beim Investieren gebunden. Da wir die einbezahlten Beträge jederzeit auszahlen können müssen, stehen uns nur kurzfristige Investments zur Verfügung.“ Der Plan, aus der Vorsorgekasse eine weitere tragende Stütze für die Altersvorsorge zu errichten, ist Makulatur. Einzige verbleibende Hoffnung: Ein Archimedes, der den Säulen des Pensionsgebäudes wieder zu einem sicheren Stand verhilft.

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