Roter Oktober: Wie sich die Fonds der heimischen Banken in der Krise schlugen

Der Oktober 2008 wird wegen der extremen Kursverluste in die Börsenannalen eingehen. FORMAT zeigt, wie sich die wichtigsten Fonds der heimischen Banken in der Krise geschlagen haben.

Wenn es um Kursschwankungen und Börsenverluste geht, hat der Vormonat einen Platz in den Börsengeschichte sicher. Viele Börsen erlitten im Oktober die höchsten Rückschläge aller Zeiten, was sich auch in der Fondsbilanz mit oft zweistelligen Minuswerten niederschlug (siehe Fonds-Bilanz im Katastrophenmonat ).

Osteuropäischer Hemmschuh
Besonders schlimm erwischte es Österreich-Aktien-Fonds mit einem Minus von 28 Prozent, das nur noch von Osteuropa-Depots (minus 28,5 Prozent) übertroffen wurde. DWS- Fondsmanager Michael Sieghart: „Die Börse von Österreich hat es regelrecht atomisiert.“ Die Osteuropafantasie, die Wiener Papiere jahrelang beflügelt hatte, wurde wegen der unsicheren Wirtschaftslage in Ungarn, Rumänien, Bulgarien, der Ukraine und Russland nun zum Hemmschuh. Wolfgang Matejka, Mastermind des Österreich-Fonds Meinl Equity Austria: „Dazu kam, dass Hedgefonds sich gezwungen sahen, ihre Bestände österreichischer Aktien gleichsam um jeden Preis auf den Markt zu werfen, weil die Deutsche Bank oder Goldman Sachs ihre Kreditlinien für Hedgefonds deutlich reduziert haben.“

Fonds-Vergleich
Die Voraussetzungen, bei einem der­artigen Börsensturm halbwegs gut über die Runden zu kommen, waren im Oktober naturgemäß extrem ungünstig. So gesehen war es schon eine passable Leistung, wenigstens besser als die unmittelbare Konkurrenz abzuschneiden. FORMAT vergleicht deshalb in mehreren Kategorien das Abschneiden der wichtigsten Fonds der österreichischen Banken. In der Monatsbilanz für Oktober musste so auch der Meinl Equity Austria mit einem Verlust von 25,2 Prozent kräftig Federn lassen. Nichtsdestotrotz hat Fondsmanager Matejka die schwierige Phase besser überstanden als seine direkten Mitbewerber (siehe Österreich-Aktienfonds ).

Sichere Beimischung
„Ich habe Finanzaktien stark untergewichtet und bin in den ATX-Future, der um fast zehn Prozent unterbewertet war, eingestiegen“, resümiert Matejka. Relativ gut davon kamen Fondsmanager, die flexibel agieren können (siehe Aktienfonds Europa und Aktienfonds USA ). So hat der deutsche Vermögens- verwalter Jens Ehrhardt mit dem weltweiten Aktiendachfonds DJE Golden Waves, einem bei Pioneer Österreich domizilierten Produkt, die Freiheit, in unsicheren Zeiten Anleihenfonds beizumischen und die Bargeldquote zu erhöhen. Davon machte Ehrhardt jüngst Gebrauch, indem er den Anleihenanteil auf 48 Prozent des Depots erhöhte und knapp 16 Prozent als Bargeldquote für bessere Zeiten bereithielt. Mit dieser Taktik kam Ehrhardt im Oktober mit einem blauen Auge davon, der Fonds erzielte sogar ein schlankes Plus von 0,2 Prozent.

Nachsehen für Aktienfonds
Reinrassige Weltaktienfonds hatten da natürlich das Nachsehen. Ein Monatsverlust von knapp unter acht Prozent wie beim Raiffeisen Global Aktien (siehe Aktienfonds weltweit ) kann angesichts der verrückten Börsen sogar noch als kleiner Erfolg eingestuft werden. Das Risiko, das die Finanzmärkte bergen, traf im Oktober auch jene Anleger, die ihr Vermögen in vermeintlich krisenfeste Geldpark- plätze legten. Denn auch die wichtigsten Austro-Fonds, die in Geld- marktpapiere und kurzlaufende Anleihen investieren, konnten sich den Verwerfungen am Geldmarkt nicht entziehen. Der rote Oktober brachte Verluste zwischen 1,5 Prozent beim Bawag PSK Euro Cash und 5,3 Prozent beim Pioneer Euro Cash.

Tanker der Fondsindustrie
Auf Drei-Jahres-Sicht haben Geldmarktnahe Fonds ein ähnliches Schicksal wie die Flaggschiffe unter den heimischen Euro-Anleihenfonds, die großteils in Staatspapiere veranlagen: Die Renditen der Tanker der heimischen Fondsindustrie hinken hinter den am Sparbuch zu lukrierenden Zinsen hinterher. Obwohl die sicheren Anleihen- fonds im für die Börsen katastrophalen Vormonat durchwegs Gewinne zu Buche stehen haben, ist die Drei-Jahres-Wertung weiter ernüchternd: Der Espa Bond Combirent, der aktuell ein Volumen von rund 929 Millionen Euro aufweist, der 540 Millionen schwere Pioneer Euro Bond und andere wichtige Anleihenfonds haben seit November 2005 im Schnitt unter drei Prozent Jahresertrag erzielt (siehe Euro-Anleihenfonds ). Falls allerdings die Flucht in sichere Staatsanleihen weiter anhält, könnten die Fonds mittelfristig besser abschneiden als Sparbücher, bei denen schon bald mit sinkenden Zinsen zu rechnen ist.

Osteuropa Hemmschuh
Das ist aber immer noch besser, als jene Verluste zu verdauen, die riskante Anleihenfonds, die in Papiere aus Schwellenländern veranlagen, zu Buche stehen haben. Das muss auch der Erfolgs-Fondsmanager Peter Pühringer, der den ZZ1-Fonds, das seit Jahren mit Abstand beste Produkt seiner Klasse, lenkt, akzeptieren (siehe Schwellenländer-Anleihenfonds ). 18,9 Prozent Monatsminus sind allerdings im Vergleich immer noch relativ gering, der Espa Bond Emerging Markets rutschte sogar um 25 Prozent ab. Pühringer wird wie Meinl-Fondsmanager Matejka wohl noch lange an den roten Oktober des Jahres 2008 denken. Matejka: „Wir alle haben viel gelernt. Das gilt für diejenigen, die bei der Geldverwaltung mit hohem Risiko agieren, ebenso wie für jene, die diszipliniert zu Werke gehen.“

Von Robert Winter

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