Risiko Inflation: Wie Sie Ihre Finanzen vor der drohenden Geldentwertung schützen

Vermögen in Gefahr: Um Rezession und Deflation zu bekämpfen, wird die Weltwirtschaft jetzt mit Liquidität überflutet. Als Spätfolge droht eine ausufernde Inflation. FORMAT sagt Ihnen, wie Sie rechtzeitig auf Nummer sicher gehen und mit Immobilien, Gold und Inflationsschutz-Anleihen einer Geldentwertung entkommen.

Mitten in der Krise muss sich eine spezielle Branche keine Sorgen machen – die Betreiber der Notenpressen schieben weltweit Überstunden (siehe Grafik ). Um die schlimmste Krise seit 1929 zu bekämpfen, wird der Patient Wirtschaft mit massiven Geldspritzen vor dem Kollaps bewahrt. Die potenzielle Nebenwirkung steht in jedem Lehrbuch der Volkswirtschaft: Wenn es den Notenbanken nicht rechtzeitig gelingt, die ausufernde Liquidität wieder einzudämmen, ist ein Anstieg der Inflation die logische Folge.

Das Deflationsgespenst geht um
Noch herrscht Ruhe vor dem Sturm. Wegen sinkender Ölpreise und Konsumenten, die ihr Geld lieber auf die hohe Kante legen, ist der Preisauftrieb momentan rückläufig. In der Eurozone sank die Inflation im März auf einen Jahreswert von 0,6 Prozent. In England sind die Einzelhandelspreise sogar zum ersten Mal seit 1960 gefallen – der Einkauf auf der Insel wurde um 0,4 Prozent billiger. Schon geht das Gespenst der Deflation mit jahrelang sinkenden Preisen um. Dieses Szenario wäre nur auf den ersten Blick zum Vorteil der Konsumenten, weil gleichzeitig die Wirtschaft in einen Zustand der dauernden Atemnot versetzt wird, in dem die Arbeitslosigkeit steigt und auch viele Gehälter sinken.

Urängste vor einer Hyperinflation
Zwar ist nicht ganz auszuschließen, dass die Weltwirtschaft in eine ähnliche Schockstarre verfällt wie Japan nach der Immobilien- und Bankenkrise 1990. Das wahre Risiko sehen viele Experten aber eher auf der Seite der Inflation. So erwartet Klaus Zimmermann, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, „mit großer Wahrscheinlichkeit“ eine weltweite Inflation, die Lage sei brandgefährlich. Solche Kassandra-Rufe wecken natürlich sofort Urängste vor einer Hyperinflation wie 1923/24, als die Krone bis zur Wertlosigkeit verfiel.

Halbierter Geldwert
Auch wenn momentan kaum jemand ernsthaft daran glaubt, dass die Geldentwertung galoppierend wird, reichen schon sechs oder acht Prozent Teuerung wie in den 1970er-Jahren, um das Vermögen schleichend zu reduzieren. Bereits eine moderate Inflation von sechs Prozent schwächt die Geldreserven erheblich, innerhalb von zehn Jahren schrumpft die Kaufkraft von 10.000 Euro auf 5.584 Euro. Wenn der Geldwert über ein Jahrzehnt hinweg um jährlich acht Prozent sinkt, können nur noch Waren im Gegenwert von 4.632 Euro gekauft werden (siehe Tabelle ).

Zweistellige Inflationsraten möglich
Eine derartige Rückkehr der Inflation wäre für Heinz Mayer, Vorstand der Schoellerbank, durchaus vorstellbar: „In der nächsten Zeit könnte die Teuerung wegen des Rückgangs des Ölpreises noch niedrig bleiben. Aber die monströse Ausweitung der Geldmenge wird zur Inflationierung des Geldwertes führen. Wann es so weit ist, kann man nicht voraussagen. Aber ähnlich wie bei einem Hang, auf den es tagelang heftig schneit, wird irgendwann die Lawine losgehen. Angesichts der immer schneller agierenden Finanzmärkte gehe ich davon aus, dass wir ein paar Jahre zweistellige Inflationsraten bekommen könnten.“

Unterschiede zwischen Europa und USA
Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, hält Ängste vor einer Inflation, aber auch vor einer Deflation vorderhand für unbegründet. Er räumt aber ein, dass die Ausweitung der Geldbasis Schrecken auslösen könne. Allerdings ist der Anstieg der Geldmenge nur ein Faktor, der andere ist die Umlaufgeschwindigkeit. Diese zeigt vorerst noch stark sinkende Tendenz (siehe Grafik ). Doch was ist, wenn Wirtschaft und Konsum wieder anspringen? Walter glaubt, dass die Eurobanker die vorwiegend kurzfristig vergebene Geldmenge rasch reduzieren könnten. Größere Probleme hätten die Amerikaner, die auch langfristige Papiere in großem Stil aufkauften. Walter: „Bei einem Zwangsverkauf könnten große Verluste entstehen, was die Zentralbank zögern lassen könnte, ihrer Pflicht zur Sicherung der Preisniveaustabilität nachzukommen.“

Wachsende Schuldenberge
Ein weiterer Risikofaktor ist die explodierende Staatsverschuldung (siehe Grafik ). In Österreich soll der Schuldenstand schon nach offizieller Lesart der Koalition bis zum Jahr 2013 auf 78,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anschwellen. In den USA könnte laut Schätzungen der deutschen DekaBank schon ein Jahr später die Schallmauer von 100 Prozent erreicht werden. Auch der Effekt tieferer Ölpreise wird früher oder später auslaufen (siehe Grafiken zur Inflationsentwicklung und Ölpreisabhängigkeit ). Laut einer Szenarien-Analyse der belgischen Fortis Bank könnte die Euro-Inflationsrate schon Ende des Jahres wieder über die Drei-Prozent-Marke schnellen, falls der Ölpreis auf 70 Euro pro Fass klettert. Fortis-Inflationsexperte Iwan Lont: „Die extremen Preisausschläge des Ölpreises machen den Job der Zentralbanker, die Inflation zu kontrollieren, immer schwieriger – und es gibt immer mehr Möglichkeiten für Fehler.“

Inflationsgeschützte Anleihen
Für Fortis-Banker Lont gibt es eine einfache, aber wirkungsvolle Methode, den realen Wert des Geldes ganz unabhängig von der künftigen Entwicklung der Teuerung zu schützen: den Kauf von inflationsgeschützten Staatsanleihen oder entsprechenden Fonds. Bei diesen Produkten wird der Zinskupon laufend an die jeweilige Inflationsrate angepasst. Lont, der auch den Spängler-Fonds BondPortfolio Inflation Protect (ISIN AT0000619564) managt, sieht derzeit günstige Konditionen: „Die Papiere im Fonds bieten eine durchschnittliche Realrendite von rund zwei Prozent.“ Käufer können sich jetzt solche attraktiven Renditen sichern, weil die Inflationsängste noch nicht überhandnehmen. Die Auswahl an inflationsgeschützten Fonds wird immer größer. Auch spesengünstige, via Börse handelbare ETF-Fonds kommen laufend neu auf den Markt. Beispiele sind der Lyxor ETF Euromts Inflation Linked (ISIN FR0010174292) oder der DB-X-Trackers II Iboxx Euro Inflation Linked (ISIN LU0290358224).

Inflationsabhängige Renditen
Daneben gibt es Zertifikate, deren Verzinsung sich der Teuerung anpasst. Eines ist die Inflationsanleihe 06/09-06/15 der Schoellerbank mit der britischen Barclays-Bank als Emittent (ISIN DE000BC0AFX5). Der Kunde bekommt während der sechsjährigen Laufzeit eine Rendite in Höhe der 1,6fachen Jahresinflation – bei fünf Prozent Inflation also acht Prozent Auszahlung. In den ersten beiden Jahren gibt es einen Fixkupon von vier Prozent. Schoellerbanker Mayer: „So bekommt man auch bei anfangs niedrigen Inflationsraten gute Zinsen.“ Das Risiko einer unerwartet stabilen Preisentwicklung ist überschaubar. Man bekommt in jedem Fall eine kalkulierbare Nettorendite. Sollte allerdings die Inflation jahrelang auf tiefem Niveau verharren oder gar in Deflation übergehen, wäre man mit langlaufenden Staatsanleihen besser bedient.

Krisenwährung Gold
Das Edelmetall ist langfristig ein gutes Mittel, der Geldentwertung ein Schnippchen zu schlagen – und das vor allem in extremen Krisenzeiten von Kriegen oder Währungsreformen. Im direkten Vergleich mit Gold ist die Kaufkraft des amerikanischen Dollar, der deutschen Mark, des Yen und des britischen Pfunds seit 1900 auf einen verschwindenden Restwert gesunken (siehe Grafik ). Die Preisschwankungen des gelben Metalls – Mitte März 2008 war eine Feinunze des Edelmetalls erstmals 1.000 Dollar wert, aktuell notiert Gold bei 887 Dollar – wurden aber seit Ausbruch der Finanzkrise wesentlich größer als in früheren Jahren.

Unabhängig von Börsen
Thorsten Proettel, Autor der jüngsten Gold-Analyse der deutschen Landesbank Baden-Württemberg: „Gold gilt aber weiterhin als klassischer Inflationsschutz und würde von höheren Preissteigerungsraten wahrscheinlich stark profitieren.“ Zusätzliches Plus ist die Vermögensstreuung: Der Goldpreis entwickelt sich unabhängig von Börsen und Anleihenmärkten. So liegt die mathematische Korrelation von Gold zu den amerikanischen Aktien des S&P-500-Index seit 2006 mit einem Wert von –0,08 nahe der Nulllinie. Das bedeutet, dass der Verlauf des Goldpreises kaum von der Kursentwicklung der 500 wichtigsten US-Börsenkonzerne abhängt. Auch von den Entwicklungen weltweiter Staatsanleihen ist Gold mit einem Korrelationswert von 0,4 relativ wenig betroffen.

Vorsicht bei Aktien
Aktien sind dagegen in Zeiten der Inflation mit Vorsicht zu genießen. Das gilt ganz besonders dann, wenn die Inflation in Kombination mit einem schwachen Wirtschaftswachstum wie in der Stagflations-Ära zwischen 1973 und 1982 auftritt. Damals bewegten sich die Kurse des US-Aktienindex Dow Jones jahrelang seitwärts. Und auch das ist nur die halbe Wahrheit. Angesichts von US-Teuerungsraten von bis zu 13,5 Prozent im Jahr 1980 waren selbst kursstabile Aktien, in realen Werten gerechnet, ein miserables Geschäft. Dann allerdings legte die ab 1982 stark sinkende Inflation die Basis für einen spektakulären Kursanstieg (siehe Grafik ). Sollte die Inflation wieder zunehmen, hängt auch die Auswahl der Branche davon ab, ob man relativ ungeschoren davonkommt.

Immobilien als stabiler Sachwert
Ein Investment in Wohnungen hat den entscheidenden Vorteil, dass die Mieten in der Regel einer automatischen Inflationsanpassung unterliegen und auch die Preise für Grund und Boden mit gewissen Einschränkungen der Teuerung folgen. Allerdings muss man als Hypothekar-Schuldner aufpassen, nicht von exorbitant steigenden Kreditraten überrollt zu werden. So kostet zum Beispiel laut Berechnungen der Erste Bank ein 20-jähriges Darlehen über 100.000 Euro bei einer Nominalverzinsung von vier Prozent eine monatliche Rate von 620 Euro. Bei acht Prozent werden schon 857 Euro fällig, bei zehn Prozent sogar 989 Euro.

Fixzinsen oder Zinscap empfohlen
Um sich abzusichern, empfiehlt Erste-Bank-Finanzierungsexpertin Katja Fries entweder Fixzinsen oder einen Zinscap. Dabei handelt es sich um eine auch bei laufenden Krediten jederzeit gegen eine Prämie frei zu vereinbarende Klausel, durch die ein Zinsanstieg über ein individuell wählbares Niveau verhindert werden kann. Anders als bei Fixzinsen kann man mit einem Zinscap aber weiter von Zinssenkungen profitieren. Eine Alternative ist das Bausparen mit einem Zinskorridor zwischen drei und sechs Prozent. Bei der s Bausparkasse können sich die Raten für das 100.000-Euro-Darlehen so nur zwischen 587 und 680 Euro bewegen. So kann man sowohl Inflation als auch Deflation unbeeindruckt aussitzen.

Von Robert Winter, Martin Kwauka

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