Prozente im Osten: In den großen Einkaufszentren locken internationale Ketten

Die Ostwährungen werten seit Monaten dramatisch ab. Davon profitieren jetzt Österreicher, die Autos und Elektrogeräte jenseits der Grenze günstig einkaufen.

Wer das Arkad Shopping Center im ungarischen Györ betritt, fühlt sich sofort heimisch. Die Namen der Geschäfte sind vertraut, denn es sind fast nur internationale Ketten wie H&M oder Media Markt präsent. Auch Swarovski ist hier vertreten. Ein blutrotes Herz funkelt in der Auslage und erinnert an den kommenden Valentinstag. 23.500 Forint, umgerechnet 82 Euro, werden verlangt, im Online-Swarovski-Versand sind es 100 Euro. Das ergibt beim FORMAT-Augenschein immerhin 18 Prozent Ersparnis. Der Loewe-Xelos-Fernseher im Schaufenster beim Elektrohändler Basys nebenan spart sogar ein paar Hunderter. Statt 2.300 Euro auf www.geizhals.at verlangt der ungarische Shop umgerechnet nur 1.733 Euro.

Währungen stark abgewertet  
Ob Swarovski-Kristalle, Fernseher, Bosch-Kühlgeräte, Billy-Regale oder Neuwagen: Ein Ausflug in den Osten macht sich bezahlt, nicht nur in Ungarn. Die Hauptursache für die tiefen Preise sind die dras­tischen Abwertungen der Währungen Ungarns, Polens und Tschechiens wegen der interna­tionalen Finanzturbulenzen. So hat der Forint gegenüber dem Euro seit Juli vergangenen Jahres 26 Prozent an Wert verloren, die tschechische Krone büßte im gleichen Zeitraum 22 Prozent ein, der polnische Zloty gab sogar 39 Prozent nach.

Des einen Leid, des anderen Freud
Während die schwächelnden Währungen die prekäre wirtschaftliche Lage in den Ostländern noch verschärfen, freuen sich Österreicher über die günstigen Angebote in der Nähe. Nur etwas mehr als eine Stunde Autofahrt von Wien liegt Györ, rund zweieinhalb Stunden sind es nach Budapest, wo es neben Ikea & Co auch nette Einkaufsstraßen zum Bummeln gibt. Kleiner Tipp: Wer nicht über die Bundesstraße nach Ungarn pilgern möchte, sollte 1.170 Forint für die Vier-Tages-Vignette parat haben, denn sonst werden einem statt vier Euro gleich 6,50 Euro abgeluchst – mit dem Umrechnungskurs nimmt es der Vignettenverkäufer an der Grenze nämlich nicht so genau.

Preiswerte Neuwagen
Eine Reise wert ist der Media Markt in Budapest, zumindest für jene, die sich einen roten Designer-Kühlschrank von Bosch zulegen möchten. Der kostet laut Preisschild dort nur umgerechnet 625 Euro, während der Media Markt in Simmering 2099 Euro verlangt. Beim Ikea hält sich die Ersparnis in Grenzen. Das Billy-Regal in Buche (80 Zentimeter) wird dort für 62 Euro verkauft, beim Ikea in Wien sind es 69 Euro. Dafür gibt es das Ikea-Mittagsmenü um zwei Euro, da kann Wien nicht mithalten.
Autokauf macht sich bezahlt. Wirklich interessant ist der Neuwagenkauf. Wer nach einem Auto Ausschau hält, braucht in Györ nicht lange zu suchen.

11 Prozent günstiger
Bereits an der Durchzugsstraße reiht sich ein Autohaus ans andere. Händler Horváth Bálint von Opel Gyimes gibt bereits nach zehn Minuten 17 Prozent auf die Mittelklasse­limousine Opel Insignia. Im Preis inbegriffen sind Zweizonen-Klimaautomatik, Metallic-Lackierung und das Premium-Sportpaket. Während man in Österreich für das Auto des Jahres nach Abzug von zehn Prozent Rabatt etwa 29.000 Euro blecht, steigt man beim Opel-Händler Bálint in Györ mit 25.853 Euro inklusive aller Steuern um 11 Prozent günstiger aus. Auch in Budapest an der Autobahn M1 lässt es sich gut Auto-Shoppen. Obwohl Citroën-Händlerin Andrea Giczi keine zusätzlichen Rabatte einräumt, sind die Preise um 20 Prozent günstiger. Auch die Lieferung vor die Haustür in Wien, für die 175 Euro anfallen, sei kein Problem, versichert Händlerin Giczi.

Trügerische Schnäppchen
Doch Vorsicht. Nicht alles ist beim Nachbarn billiger. Grundsätzlich scheint Ungarn nämlich ein eher teures Pflaster zu sein, wäre da nicht der schwache Forint. Es gibt noch immer Waren, die in Österreich billiger sind als in Ungarn. So kostet etwa das MacBook Air auf www.apple.at 1.699 Euro, auf www.apple.hu sind es 1.808 Euro. Selbst der Budapester Media Markt kann mit 1.733 Euro nicht mit dem österreichischen Apple-Angebot mithalten. Auch der iPod nano ist mit 149 Euro hierzulande um 25 Euro billiger als das ungarische Pendant. Tipp: Um Preise via Internet zu vergleichen, gibt man statt .at die Kürzel .hu, .cz oder .pl ein.

Innenstadt-Preise
Auch der Kaffee zwischendurch im Café Anna im Zentrum von Budapest ist zwar gut, aber für 850 Forint (knapp drei Euro) nicht unbedingt günstig. Billiger sind die Getränke etwa im Vappiano gegenüber, dort kostet der Kaffee 450 Forint, also nur 1,60 Euro. Fazit: Wer im Osten von schwachen Währungen profitieren möchte, sollte nicht ohne vorherigen Preis-Check auf Einkaufstour gehen. Gleichzeitig sollte man Forint & Co im Auge behalten, ein etwaiger Preisvorsprung kann sich rasch ändern.

Von Carolina Burger und Ingrid Krawarik, Budapest

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