Praktisch denken, richtig schenken: Das Ende der Erbschafts- und Schenkungssteuer

Die Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer öffnet neue Gestaltungsspielräume. So kann etwa durch Familien-Splitting die Steuerlast ganz legal gedrückt werden. FORMAT hat sich bei namhaften Steuerexperten nach den wichtigsten Neuerungen erkundigt.

Das Positive vorweg: Alle Erbschaften und Schenkungen sind ab 1. August steuerfrei. Allerdings müssen Schenkungen gemeldet werden, um mögliche Missbräuche zu erschweren. Bei Angehörigen gilt eine Bagatellgrenze von 50.000 Euro im Jahr, bei Nichtangehörigen beginnt die Meldepflicht bereits, wenn innerhalb von fünf Jahren 15.000 Euro zusammengekommen sind.

Binnen drei Monaten melden
„Lebensgefährten, die im alten Erbschaftssteuergesetz besonders ungünstig behandelt wurden, zählen jetzt zu den nahen Angehörigen", lobt Karin Fuhrmann, Steuerberaterin von TPA Horwath. Doch egal wie die Familienstatus lautet, sowohl der Geber als auch der Beschenkte müssen die Übertragung innerhalb von drei Monaten beim Finanzamt anmelden. Ansonsten könnte der Fiskus bis zu zehn Prozent des Wertes als Strafe verhängen. TPA-Steuerberaterin Fuhrmann: „Ich rate, lieber einmal zu viel als zu wenig zu melden, um nicht im Nachhinein unangenehme Fragen beantworten zu müssen.“

Ausnahme Ausland
Es gibt aber durchaus Fälle, in denen auch künftig Erbschafts- und Schenkungssteuer anfällt – und zwar, wenn eine Verbindung zu einem ausländischen Staat besteht, dem das Besteuerungsrecht zusteht. Steuerberaterin Tatjana Polivanova von Leitner & Leitner: „Wenn ein Österreicher Immobilien oder Betriebsstätten in Deutschland hat, darf der deutsche Fiskus bei einer Übertragung kassieren. Das gilt auch bei Beteiligungen wie geschlossenen Schiffsfonds. Wertpapiere oder Sparguthaben fallen dagegen nicht unter deutsches Steuerrecht.“

Senkung durch Splitting
In vielen Fällen kann das Einkommen gleichmäßiger auf Familienmitglieder aufgeteilt werden - was hilft, die Steuerprogression zu senken. Wenn zum Beispiel ein Gutverdiener zusätzliche Mieteinnahmen erzielt, könnte er die Mietobjekte einem nicht verdienenden Familienmitglied schenken. Auch die Aufteilung von gewerblichen Einkünften in Personengesellschaften und Einzelunternehmen ist zu überlegen. BDO-Steuerberater Karl Bruckner: „Ein Besitzer eines Hotels, der in einer GmbH & Co KG Geschäftsführer und Kommanditist ist, könnte den halben Anteil an die Ehefrau weitergeben.“

8.400 Euro Einsparung
Der maximale Steuereffekt solcher Maßnahmen beträgt 8.415 Euro im Jahr, wenn der Besitzer bisher jährlich über 102.000 Euro verdiente und der Beschenkte einkommenslos war. Falls die Einkünfte auf drei Personen verteilt werden, sind im Optimalfall zweimal 8.415 Euro Steuern pro Jahr zu vermeiden. Haken: Bei Schenkung eines Gewerbes (nicht bei Immobilien) können künftig Sozialversicherungsbeiträge anfallen. Steuerberater Joseph Böck: „Wichtig ist generell, dass bei der Schenkung die tatsächliche Verfügungsgewalt ohne Rückrufsrecht übergeben wird, weil sonst der Fiskus eine Scheinkonstruktion annehmen kann.“

Von Martin Kwauka

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