Polizzen für Haushalt, Eigenheim und Katastrophenschutz im Vergleich

Versicherungsnehmer, die nur auf die Höhe der Prämie schielen, sind meist schlecht beraten.

Polizzen für Haushalt, Eigenheim und Katastrophenschutz im Vergleich

Mehr als 200 Evakuierte, rund 60 völlig zerstörte oder beschädigte Gebäude. Das ist die vorläufige Schreckensbilanz des Murenabgangs am vergangenen Wochenende im obersteirischen St. Lorenzen. Wie hoch der Gesamtschaden insgesamt ausfallen wird, steht in den Sternen, zumal weitere Regenfälle drohen. Klar ist jedoch: Vielen Hauseigentümern steht das Schlimmste noch bevor. Denn herkömmliche Haushalts- und Eigenheimversicherungen zahlen maximal 8.000 Euro - keine Summe, mit der man ein zerstörtes Haus auch nur annähernd wieder aufbauen kann.

Kein Wunder also, dass die Politik bereits über die Aufstockung des Katastrophenfonds diskutiert. In Härtefällen sollen den Bewohnern der steirischen Gemeinde bis zu 80 Prozent der Wiederaufbaukosten refundiert werden.

Dabei müssen die Assekuranzen insgesamt für die Unwetterfolgen tief in die Kasse greifen. Laut Zahlen des Versicherungsverbands Österreich mussten Assekuranzen in den vergangenen zehn Jahren infolge von Naturkatastrophen in Summe mehr als zwei Milliarden Euro an Schadenszahlungen an ihre Kunden überweisen. Allein das Jahrhunderthochwasser von 2002 kostete die Versicherer 420 Millionen Euro, die Unwetter von 2009 führten gar zu Zahlungen in Höhe von 574 Millionen Euro.

Deckung bis 8.000 Euro

Doch die gewaltigen Gesamtsummen nützen dem Einzelnen wenig, herkömmliche Haushalts- und Eigenheimversicherungen decken große Schäden nur minimal ab. Ein Trost für Versicherungsnehmer: Trotz der Häufung wetterbedingter Schadensfälle sind die Prämien in den vergangenen Jahren nur geringfügig gestiegen.

Im Gegenzug dafür haben sich die Deckungen für das Katastrophenrisiko nicht vom Fleck bewegt. Dazu ein Beispiel: In der Kalkulation für ein in Niederösterreich befindliches Haus mit 180 Quadratmeter Nutzfläche, das nicht in einem Gebiet mit Hochwassergefahr liegt, beträgt der Katastrophenschutz bei einer Polizze der Wiener Städtischen für Haushalt und Eigenheim jeweils 8.000 Euro. Hinsichtlich der Prämie kommen Versicherungsnehmer bei dem Tarif "Premium Komfortabel“ mit einer jährlichen Gesamtbelastung von 493,5 Euro günstig weg. Alle anderen Versicherungen sind teurer und bieten dennoch weniger Katastrophenschutz bei Schäden infolge von Regen, Schnee und Schneeschauern (siehe Tabelle ).

Versicherungsnehmer, die nur auf die Höhe der Prämie schielen, sind meist schlecht beraten. Generell ist die Höhe der Versicherungssumme ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl einer geeigneten Polizze. Es zahlt sich jedenfalls aus, das Kleingedruckte zu lesen, machen doch zahlreiche Facetten den Vergleich zwischen Polizzen verschiedener Anbieter schwer.

Höherer Schutz möglich

Wem die Basisabsicherung gegen Hagel, Orkan, Muren oder Hochwasser nicht reicht, der kann eine Polizze abschließen, bei der eine Erhöhung des Katstrophenschutzes möglich ist. Dabei fällt die Auswahl vergleichsweise leicht, da nur eine Handvoll Assekuranzen diesen Zusatzbaustein im Programm haben (siehe Tabelle ).

Achtung: Der Abschluss einer Polizze mit erhöhter Katastrophendeckung ist für Objekte, die sich in einer Hochwasserzone befinden, nicht möglich. Tipp: Auf der Internetseite www.hochwasserrisiko.at ist unter Eingabe des Ortes oder der Postleitzahl schnell herauszufinden, ob sich die eigenen vier Wände in einer dieser als "HORA-Zonen“ bezeichneten Gefahrenregionen befinden. winsurance-Makler Werner Widauer: "Bei alten Versicherungsverträgen ist häufig eine Aufstockung der Katastrophendeckung nicht möglich. Bei neuen Verträgen stellt sich die Frage, ob der Basisschutz wirklich bedarfsgerecht ist oder ob nicht doch eine Aufstockung die nachhaltig bessere Lösung darstellt.“

Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein neues Haus zu errichten oder ein bestehendes Objekt zu kaufen, sollte sich darüber hinaus bereits im Vorhinein informieren, ob sich das betroffene Grundstück oder Haus innerhalb einer sogenannten "roten Zone“ befindet (siehe Landkarte ). Denn nach den Unwettern in St. Lorenzen fordert Umweltminister Niki Berlakovich ein österreichweites Bauverbot in diesen in Bezug auf Umweltkatastrophen als besonders gefährlich geltenden Zonen.