Pensionskonto: Kassasturz für Ihre Pension

Die Warteschlange in der ­Wiener Wirtschaftskammer am Stubenring 8 war kurz. Schon bald war FORMAT-Redakteurin Carolina Burger an der Reihe, um sich dort ihre Handy-Signatur freischalten zu lassen. Fünf Minuten später kam schon der Moment der Wahrheit: Mit Passwort und einem Handy-TAN-Verfahren ähnlich wie beim Online-Banking schaute Redakteurin Burger noch in der Wirtschaftskammer auf www.pensionsversicherung.at erstmals ihr ei­genes staatliches Pensionskonto an.

Das Ergebnis war übrigens ernüchternd: Ihre vielen Studentenjobs wirkten sich nur marginal aus, erst die vergangenen vier Berufsjahre machten sich wirklich bemerkbar und sorgten insgesamt für einen Kontostand von 220 Euro. Mit anderen Worten: Im theoretischen Fall, dass die 31-jährige Burger in den kommenden Jahren gar nicht mehr arbeitet und so weitere Einzahlungen auf das Pensionskonto unterbleiben, könnte sie im Alter von 65 Jahren mit halbwegs kaufkraftgesicherten 220 Euro Monatspension 14-mal im Jahr rechnen. Zum Glück ist dieser Wert nur vorläufig. In den kommenden 34 Arbeitsjahren kann sie ihr Konto abhängig vom jeweiligen Gehalt um bis zu 75 Euro per annum aufstocken.

Unbekannte Konten

Obwohl die Sozialversicherungen inzwischen für rund fünf Millionen Berufstätige Pensionskonten führen, haben bisher kaum mehr als 10.000 Betroffene Einblick genommen. Das dürfte sich jetzt rasch ändern. Bisher war das Pensionskonto nur ein Teil der komplizierten Berechnungsregeln aus alten und neuen Rentengesetzen. Jetzt sieht das Sparpaket einen großen Kassasturz vor. Zum Stichtag 1. Jänner 2014 werden alle Ansprüche, die aus dem meist günstigeren Altrecht stammen, abgerechnet. Das Ergebnis ist dann das Ende der bisherigen Schon­bestimmungen wie zum Beispiel dem Streichen einkommensschwacher Jahre am Anfang der Karriere. Danach gilt für Angestellte, Selbständige und Bauern, die ab Anfang 1955 geboren wurden, nur noch das reine Pensionskonto. Der Vorteil: Jeder Versicherte erkennt wie bei einem Bankkonto, was bisher schon vorhanden ist und was jährlich neu dazukommt. Faustregel: Ein Jahr mit einem Einkommen in Höhe der Höchstbeitragsgrundlage von derzeit 4.230 Euro im Monat sorgt für rund 75 Euro Konto­gutschrift. 40 Jahre könnten also im Idealfall 3.000 Euro Brutto-Monats­pension ergeben, die 14-mal ausgezahlt werden. In der Praxis führt das Pensionskonto aber zu viel niedrigeren Ergebnissen, weil sämtliche Berufsjahre zählen. Ein Jahr mit einem Einkommen in Höhe der Mindestbeitragsgrundlage von aktuell 376,26 Euro führt also nur zu 6,70 Euro Jahres­beitrag am Pensionskonto (zur Selbstberechnung: Monatsgehalt mal 0,0178).

Nur 0,6 Prozent valorisiert

Das Gesamtguthaben am Pensionskonto wird jährlich erhöht, um die Inflation und den steigenden Lebensstandard auszugleichen. Die Praxis sieht anders aus. Mit Jahreswechsel 2011/12 wurden die Pensions­ansprüche der noch Aktiven nur um mikro­skopische 0,6 Prozent erhöht. Zum Vergleich: Menschen, die schon in der Pensionsphase sind, bekommen heuer immerhin 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch während der Wert für die Pensionisten breit in den Medien diskutiert wurde, ist der weitaus geringere Wert für die noch Aktiven praktisch unbekannt.

Hintergrund: Die 0,6 Prozent beruhen nicht auf der Jahresinflation, sondern auf der durchschnittlichen Beitragsleistung im Krisenjahr 2009. Damals drückten vor allem rückläufige Einkommen der Selbständigen auf die Beiträge – und das bekommen jetzt auch die Arbeitnehmer zu spüren. Bei der jährlichen Errechnung des Valorisierungsprozentsatzes sitzen nämlich Arbeitnehmer und Selbständige in einem Boot – was für Arbeitnehmer nicht unbedingt von Vorteil ist. Ein Sozialversicherungs-Insider: „Die langjährige Reduktion der Mindestbeitragsgrundlage für Selbständige macht sich für die Gesamtheit aller vom Pensions­konto Erfassten stark bemerkbar.“

So gesehen ist der Übergang zum einheitlichen und viel transparenteren Pen­sionskonto ein Vorteil. Ab dem Jahr 2014 ist es wohl undenkbar, dass eine minimale Er­höhung des Pensionsguthabens einfach unter den Tisch fällt. Außerdem wären ­Resultate etwaiger künftiger Renten­reformen leichter erkennbar, weil dann ­sofort das Guthaben am Pensionskonto sinken würde.

Kontrolle ist besser …

Um zu überprüfen, welche Auswirkungen der Kontosturz hat, sollte jeder ab 1955 Geborene möglichst bald Einblick in sein bisher erzieltes Gut­haben nehmen. Die Sozialversicherungs­träger geben Auskunft über die Wege zur Kontonachricht; am einfachsten ist der Online-Einblick via Handy-Signatur. Die Kontonachricht ist zwar kompliziert zu ­lesen, der Kasten links gibt aber eine nützliche Anleitung. Wichtigste Zahl ist der ­Monatswert (dort mit dem roten Punkt „1“ gekennzeichnet), der ein Mischwert aus Pensionssystem alt und neu ist und Ausgangsbasis für die komplette Neuberechnung ist. Gegenüber dem Wert, der Ende 2013 erreicht wird, darf je nach Geburtsjahrgang beim tatsächlichen Endergebnis nur zwischen plus/minus 1,5 Prozent und 3,5 Prozent abgewichen werden. Mit anderen Worten: Der Kassasturz selbst ist nicht das eigentliche Problem und wird relativ gut abgefedert. Doch „danach kann es brutal werden“, so ein Insider. Jedes schlechte Einkommen schlägt sich dann voll auf die nächs­te Gutschrift am Pensions­konto nieder.

Martin Kwauka

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