Pensionskassen-Casino

Pensionskassen-Casino

Franz Schön arbeitete lange für die Bank Austria. Während seiner aktiven Berufslaufbahn als Bankberater gab es immer wieder mal Gehaltserhöhungen, doch nur ein Teil des Extrageldes wurde direkt ausbezahlt, meist floss auch ein Teil in eine von der Bank ausgewählte Pensionskasse.

Die Versprechen der Pensionskassen waren groß: Bis zu 6,5 Prozent Rendite pro Jahr wurden prognostiziert. Aus kleinen Beträgen sollte so eine stattliche Zusatzrente im Alter entstehen. Die Realität sieht anders aus. Niedrige Zinsen, wankelmütige Aktienmärkte und fehlende Garantien machen Pensionskassen zu einem echten Vabanquespiel für Pensionäre. 829.000 Pensionskassen-Mitglieder müssen auch in diesem Jahr wieder um ihr Geld bangen. Grund: Das Veranlagungsergebnis bleibt 2013 unter den Erwartungen.

Minus im zweiten Quartal

Während der ATX in den vergangenen zwölf Monaten ein dickes Plus von 17 Prozent erzielte, kämpfen die Pensionskassen an der Null-Prozent-Grenze. Laut aktueller Studie der heimischen Finanzmarktaufsicht erzielten die 16 österreichischen Pensionskassen im ersten Halbjahr im Schnitt nur ein Plus von 0,9 Prozent. Im zweiten Quartal 2013 verzeichneten sie sogar ein Minus von 1,3 Prozent. Das ist eine nicht schönzuredende Niederlage, auch wenn Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen, sagt: "Eine isolierte Betrachtung des Quartalsergebnisses ist bei einer langfristigen Veranlagung wie bei Pensionskassen nicht sinnvoll. Ausschlaggebend für den langfristig nicht relevanten Einbruch war die US-Notenbank, die im Juni andeutete ihre lockere Geldpolitik beenden zu wollen.“ Viel Verständnis für dieses Argument werden die Pensionskassen-Sparer nicht haben. Franz Schön, heute im Pensionistenverband dafür zuständig: "Aufgrund der Verträge brauchen viele Pensionisten eine jährliche Nettoperformance von 5,5 Prozent. Liegt das tatsächliche Ergebnis darunter, wird die Pension gekürzt.“ Besonders schlimm ist die Situation für die 78.000 Menschen, die schon in Rente sind. Laut Pensionistenverband mussten diese in den letzten Jahren Firmenpensions-Kürzungen bis zu 48 Prozent hinnehmen.

Keine Luxuspensionisten

Die Bezieher von Firmenpensionen werden oft als Luxusrentner abgetan, doch in Wirklichkeit trifft es hier Otto-Normalverbraucher. Von staatlicher Seite wird seit langem versucht, die betriebliche Vorsorge zu forcieren. Deshalb gibt es auch Steuerzuckerl für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wenn sie in eine Pensionskasse oder seit 2005 auch in eine betriebliche Kollektivversicherung einzahlen. Die Kasse wählt übrigens nicht der einzelne Mitarbeiter aus, sondern meist der Betriebsrat gemeinsam mit der Unternehmensführung. In der Vergangenheit gab es oft nur den Vertrag mit einer Pensionskasse, in die alle Beiträge einbezahlt wurden. Robert Lasshofer, Generaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung: "In der Zwischenzeit bieten einige Unternehmen eine Pensionskasse oder eine sichere betriebliche Kollektivversicherung an.“

Der entscheidende Unterschied: Die Versicherungslösung hat einen Garantiezinssatz von 1,75 Prozent, die jährlichen Gewinne werden sofort zugeteilt und verfallen nicht mehr. In turbulenten Zeiten ist das die sicherere Varianten. Pensionskassen haben nur Vorteile in längeren Phasen gut laufender Finanzmärkte. Aber die gibt es seit geraumer Zeit nicht mehr.

Ungünstiger Zeitpunkt

Das schlechte Jahresergebnis trifft die Pensionskassen zum ungünstigsten Zeitpunkt. Denn die Assekuranzen wollen sich mit der betrieblichen Kollektivversicherung einen Teil der 16,5 Milliarden Euro holen, die in der Zwischenzeit in den Pensionskassen liegen. Und dazu gibt es jetzt noch kurz die Gelegenheit: Bezieher von Pensionskassen-Leistungen, die schon in Rente sind, haben noch bis 31. Oktober 2013 einmalig die Chance, in das System der betrieblichen Kollektivversicherung zu wechseln. Heinz Schuster, Vorstandschef der s Versicherung, bestätigt: "Wir haben viele Interessenten, die in die betriebliche Kollektivversicherung wechseln wollen.“ Und dieser Wechsel ist einfach: Der Pensionskassen-Kunde schickt der Wunschversicherung einfach einen aktuellen Leistungsnachweis aus der Pensionskasse. Auf dieser Basis bekommt er einen Vergleich der Leistungen, die er bei beiden Varianten zu erwarten hat.

Wichtig zu wissen ist, dass Betroffene bei einem Wechsel mit Abschlägen rechnen müssen. Die Entscheidung lautet: Nimmt man die garantierten Leistungen der Versicherung oder die seiner Pensionskasse, die höher sein, aber auch in den Keller gehen können. Ob es sich lohnt, Abschläge in Kauf zu nehmen, hängt davon ab, wie hoch der vertraglich festgelegte Rechnungszins ist. Je geringer dieser ist, desto geringer fallen die Abschläge aus. Der Faktor Sicherheit zahlt umso mehr aus, je länger jemand lebt. Am härtesten trifft es Pensionskassen-Bezieher mit einem hohen Rechnungszins: Sie erwarten hohe Abschläge bei einem Wechsel in die Versicherungslösung, aber auch geringere Erträgen bei der Pensionskasse.

Fachverbandsobmann Zakostelsky: "Ich habe Verständnis für den Ärger dieser Pensionäre, aber wir können die Vergangenheit nicht mehr reparieren, die ist passiert. Das könnte lediglich vom Arbeitgeber geändert werden.“

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