Ostöffnung: Wie Sie Babysitter, Haushaltshilfe & Co legal beschäftigen

Die Öffnung des Arbeitsmarktes erlaubt es, ab sofort Haushaltshilfen & Co aus Osteuropa legal zu beschäftigen. Das kann sogar zu Steuerabsetzposten führen. FORMAT zeigt, wie es geht.

Eine Haushaltshilfe aus Ungarn, ein Babysitter aus der Slowakei oder eine Seniorenbetreuung aus Tschechien: Ohne sie könnten viele Familien die Herausforderungen des Alltags kaum noch bewältigen. Bisher verlief die Beschäftigung rein rechtlich gesehen illegal. Die seit 1. Mai in Kraft getretene Liberalisierung des Arbeitsmarktes für alle EU-Reformstaaten, ausgenommen Rumänien und Bulgarien, macht jetzt eine ganz offizielle Beschäftigung möglich.

Das macht in vielen Fällen Sinn. So können zum Beispiel die Honorare oft von der Steuer abgesetzt werden. Das betrifft etwa Selbständige, die bisher eine Reinigungskraft mangels Arbeitserlaubnis nur schwarz beschäftigen konnten. Künftig ist es möglich, die Kosten der Putzhilfe ganz oder zumindest teilweise als Betriebsausgabe geltend zu machen. Voraussetzung ist natürlich, dass der Einsatz betrieblich erfolgt, was auch dem Finanzamt gegenüber plausibel dargestellt werden muss. Mögliche Nutznießer sind nicht nur Unternehmer, sondern auch Ein-Personen-Unternehmer oder sogar Angestellte mit einem selbständigen Nebenjob, die zuhause ein eigenes Büro benötigen.

Der Babysitter kann auch von Privatpersonen unter dem Stichwort Kinderbetreuungskosten bis zu einem Betrag von 2.300 Euro im Jahr als sogenannte außergewöhnliche Belastung (ohne Selbstbehalt) abgesetzt werden. Das kann je nach individuellem Steuersatz zu einer Entlastung von bis 1.150 Euro führen. Dafür muss allerdings der Kinderbetreuer einen pädagogischen Blitzkurs absolvieren. Möglicherweise sind auch Kosten für die Betreuungskräfte von pflegebedürftigen Angehörigen als außergewöhnliche Belastungen steuerlich verwertbar, in diesem Punkt empfiehlt sich die Abklärung mit einem Steuerberater.

Übrigens sind all diese Gestaltungsmöglichkeiten nicht auf Arbeitnehmer aus den östlichen Nachbarstaaten beschränkt, sondern betreffen natürlich auch Inländer.

Auch wenn keine Steuervorteile ausgeschöpft werden können, kann eine Legalisierung Sinn machen. So kann es für eine Haushaltshilfe interessant sein, in Österreich offiziell krankenversichert zu sein. Dies kostet im günstigsten Fall nur 52,78 Euro im Monat, und dafür werden sogar Pensionsmonate erworben. Als Voraussetzung gilt nur, dass der Arbeitnehmer unter der Sozialversicherungs-Geringfügigkeitsgrenze von 374 Euro im Monat bleibt. Dann kann für diese günstige freiwillige Selbstversicherung optiert werden. Das kann auch für den Arbeitgeber von Vorteil sein. Erstens kann man auf diese Weise Anreize schaffen, um eine bewährte Arbeitskraft zu halten. Außerdem hat man das beruhigende Gefühl, rechtlich korrekt zu handeln.

Günstig und unbürokratisch

Die einfachste Form, eine private Arbeitskraft legal zu beschäftigen, ist der Dienstleistungsscheck. Der Scheck kann via Internet unter www.dienstleistungsscheck-online.at ausgefüllt oder in der Trafik gekauft werden. Ein Scheck, der für den Dienstnehmer einen Gegenwert von zehn Euro hat, kostet den Arbeitgeber 10,20 Euro. Inkludiert sind 1,4 Prozent des vereinbarten Gehalts für die Unfallpolizze plus 0,6 Prozent Bearbeitungsgebühr. Nur beim ersten Mal muss zusätzlich ein Datenblatt ausgefüllt werden. Anzugeben sind etwa Name und Anschrift sowie der Ort, an dem die Tätigkeit stattfinden soll. Anschließend bekommt die Hilfskraft anstelle von Bargeld den Scheck als Bezahlung. Das Sozialministerium veranlasst die Zahlung meist binnen zwei bis drei Tagen und überweist das Geld auf das Konto der Hilfskraft. Infos gibt es unter der Telefonnummer 0810 /555 666.

Damit aus der Gelegenheitsarbeit kein Anspruch auf ein Dienstverhältnis entsteht, muss die Tätigkeit rein formal jedes Mal neu ausgemacht werden. Roland Sauer, Arbeitsmarkt-Sektionschef im Sozialministerium: „Der Scheck ist nicht für durchgängige Beschäftigungen zulässig, sondern nur für immer wiederkehrende Beschäftigung.“

Damit der Dienstleistungsscheck gültig ist, müssen drei Voraussetzungen erfüllt werden:

Er gilt erstens nur für Arbeitskräfte, die einfachen Haushaltstätigkeiten nachgehen, für die es keiner besonderen Kenntnisse bedarf. Sauer: „Pflegekräfte oder Berufsgruppen, die einen Gewerbeschein benötigen, können nicht mittels Dienstleistungsschecks unfallversichert werden.“

Zweite Voraussetzung ist, dass die Arbeitskraft nicht zusätzlich zum Dienstleistungsscheck noch andere nennenswerte sozialversicherungspflichtige Einkommen bei anderen Arbeitgebern bezieht. Sektionschef Sauer: „Wenn ein Arbeitnehmer unrichtige Angaben macht, wird er schon bald Post von der Sozialversicherung bekommen.“ Übersteigt das monatliche Einkommen nämlich 470 Euro, werden Kranken- und Pensionsversicherungsbeiträge fällig. Der Betrag von 470 Euro liegt über der Geringfügigkeitsgrenze von 374 Euro, weil in diesem Gehalt Sonderzahlungen, die Haushaltshilfen pro Jahr zustehen, berücksichtigt sind.

Zu guter Letzt muss auch die Entlohnung dem gültigen Mindestsatz entsprechen (siehe Tabelle ). Allerdings variieren die Mindestlöhne je nach Bundesland. So muss etwa eine Haushaltshilfe, die auch kocht, in Wien mindestens 9,63 Euro verdienen. Damit vermeidet man auch mögliche Probleme mit den neuen Lohndumping-Vorschriften .

Geringfügig angemeldet

Besonders gut darauf achten, dass die Arbeitskraft richtig entlohnt wird, müssen jene Arbeitgeber, die ihr Personal als geringfügig Beschäftigte bei der zuständigen Gebietskrankenkasse anmelden. Damit keine Kranken- und Pensionsversicherungsbeiträge bezahlt werden müssen, darf die Hilfskraft allerdings wie erwähnt nicht mehr als 374 Euro pro Monat bekommen. Von diesem Betrag muss der Arbeitgeber Unfallversicherungsbeiträge in Höhe von 1,4 Prozent des Entgelts an die Krankenkasse abführen.

Außerdem werden 1,53 Prozent in eine Mitarbeitervorsorge einbezahlt, die monatlich abgerechnet werden müssen. Das ist dadurch etwas teurer (und auch deutlich komplizierter) als ein Dienstleistungsscheck-Verfahren. Dafür sind aber auch offizielle Anstellungen in Unternehmen mit allen Steuervorteilen möglich, es bestehen auch keinerlei Beschränkungen auf einfache Haushaltstätigkeiten.

– Carolina Burger, Martin Kwauka

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