Osteuropa-TREND: 2010 soll CEE wieder
auf den Wachstumspfad zurückkehren

Die Finanzkrise hat die Länder Mittel- und Osteuropas in die Rezession gestürzt. Das Wachstum soll 2010 aber leicht positiv sein. Finanzspritzen sind weiter notwendig, damit die Wirtschaft sich erholen kann.

Polen, so scheint es, hat in der Krise alles richtig gemacht. Liefert es doch als einziges osteuropäisches Land heuer mit einem Plus von 0,8 Prozent bescheidene, aber immerhin positive Wachstumszahlen. Das Geheimnis des Erfolgs kommt nicht von ungefähr: Das Land verfügt über eine starke Mittelschicht, die den privaten Konsum hochhält, und ist im Vergleich etwa zu Ungarn und der Slowakei weniger exportabhängig. „Und man darf den psychologischen Faktor nicht vergessen. Polens Regierung hat von Anfang an gesagt: Wir schaffen das, es gibt keine Krise. Das ist bei der Bevölkerung gut angekommen“, erklärt Sándor Richter vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw). Dazu kamen auch konkrete Förderungen. Wiener-Städtische-Generaldirektor Günter Geyer: „Es gab dort zum Beispiel eine direkte Unterstützung von privaten Kreditnehmern, etwa bei Hypothekardarlehen“.

Ab 2010 wächst der Osten
So rosig wie in Polen lief es allerdings sonst nirgendwo. Obwohl sich Horrorszenarien wie das des US-Ökonomen Paul Krugman, der Österreich wegen des starken Engagements in Osteuropa einen drohenden Staatsbankrott voraussagte, nicht bewahrheiteten, war die Party der rasanten Wachstumswunder vorbei. Osteuropa schlitterte 2009 in eine heftige Rezession und wurde zum Sorgenkind der Weltwirtschaft. Im nächsten Jahr sollte die Region jedoch mit einigen Ausnahmen auf den positiven Wachstumspfad zurückkehren – allerdings mit mäßigem Tempo. Von einem echten Aufschwung wird 2010 noch nichts zu sehen sein. Für die Staaten Zentral- und Osteuropas ohne Russland und die Ukraine erwartet das wiiw insgesamt nur ein Nullwachstum von 0,1 Prozent.

Notwendige Kredite
Besonders die steigende Arbeitslosigkeit wird der Region zu schaffen machen. Sorgenkinder bleiben neben der Ukraine vor allem Estland, Lettland und Litauen. Die baltischen Staaten werden nicht nur mit einem Wachstumsminus von acht bis neun Prozent kämpfen müssen, sondern auch gegen eine weitere Abwertung ihrer Währungen. Das krisengeschüttelte Estland will trotzdem als nächstes Land den Euro einführen. Derzeit ist es auf einem guten Weg, EU-Kommissar Joaquín Almunia will bereits 2010 grünes Licht geben.

Geld für den ungarischen Aufbau
Glimpflicher scheint Ungarn davonzukommen. Durch die Finanzspritzen des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat sich die Stimmung beim Nachbarn beruhigt. Der Reformbedarf im Sozial- und Gesundheitswesen wird allerdings zu Lasten der Bevölkerung gehen. Der Staat hat sich in den vergangenen zehn Jahren aufgrund populistischer Versprechungen nämlich hoffnungslos verschuldet. Der 2006 gestartete Aufbauprozess wurde durch die internationale Krise unterbrochen. Doch Ungarn hat sich relativ schnell aus dem Fiasko befreit und finanziert die Staatsverschuldung bereits wieder über den Markt. Mit den Geldern aus dem Topf des IWF werden die Fremdwährungs­reserven gespeist. Wenn jetzt die Autoindustrie langsam wieder in die Gänge kommt, stehen die Chancen für Ungarn gar nicht schlecht, auch für die Slowakei brächte das neue Impulse.

Kein Budgetentwurf, kein Geld
Doch nicht alle Ostländer haben sich mithilfe des IWF so gut aus der Krise bewegt, denn die Leistungsbilanzdefizite gegenüber dem Ausland sind bei vielen Staaten nach wie vor hoch. So ist Rumänien weit davon entfernt, schon wieder euphorisch an Wachstum zu denken. Dort fehlt es nach der mit knappster Mehrheit geschlage­nen Präsidentenwahl nicht nur an einer funktionstüchtigen Regierung, sondern auch an einem Budgetentwurf für das nächs­te Jahr. Der IWF hat deshalb jegliche weiteren finanziellen Unterstützungen eingefroren. Reformbedarf gibt es auch in der Ukraine, denn dort eskaliert langsam, aber doch das politische Unvermögen der politischen Kräfte. Die exzessive Verschuldung des Landes könnte durch Finanzspritzen des IWF gemildert werden. Ein Ansuchen über zwei Milliarden Dollar Soforthilfe liegt auf dem Tisch.

Russland profitiert vom Ölpreis
Weitaus eleganter hat sich Russland aus der Krisenaffäre gezogen. Mit einem Plus von 77,5 Prozent zählte das Land 2009 zu den stärksten Gewinnern der Börse – allerdings war das vor allem eine Gegenreaktion nach einem Sturz ins Bodenlose. Überhaupt ließen die CEE-Staaten in der globalen Börsenrallye etablierte Märkte deutlich hinter sich. Solange der Ölpreis sich nicht unter die 70-Dollar-Marke bewegt, dürfte der russische Aufholprozess auch im nächsten Jahr weitergehen.

In der Kreditklemme
Nach wie vor sind viele Länder Mittel- und Osteuropas von der Kapitalflucht und der Kreditklemme hart getroffen. Darlehen gibt es, wenn überhaupt, nur zu irrwitzigen Konditionen. Die osteuropäischen Klein- und Mittelbetriebe, die sich aufgrund ihrer Größe nicht über den Kapitalmarkt finanzieren können, sind auf die Banken angewiesen. „Da müsste mehr Druck vonseiten der Europäischen Zentralbank oder von der Regierung kommen. Schließlich haben die Banken Staatshilfe angenommen“, sagt Doris Stadler, Osteuropa-Fondsmanagerin bei der Erste Sparinvest. Helfend schreitet vor allem die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) ein, die 2009 Kredite im Wert von acht Milliarden Dollar an Unternehmen der CEE-Region vergeben hat.

Schleppende Reformen
Auch der politische Konvergenzprozess geht zum Teil nur schleppend voran. Der Reformwille einiger Länder Ost­europas lässt zu wünschen übrig. Demokratie will gelernt sein, das erfahren vor allem Staaten wie die Ukraine und Rumänien auf die harte Tour. Auch die Türkei, die seit mehr als einem Jahr mit dem IWF über eine Finanzspritze spricht, verhandelt härter, sobald es wieder ein bisschen besser geht. Stadler: „Wenn die Türkei 2010 mehr als ein Prozent wachsen will, dann wird das ohne Geld schwierig.“

Ingrid Krawarik

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