Old but Gold: Oldtimer als Wertanlage

Oldtimer bereiten Käufern nicht nur Fahrspaß. Wer in bestimmte Modelle investiert, profitiert auch pekuniär. Vor allem deutsche Klassiker sind gefragt. Die Tipps und Tricks beim Kauf.

Seine eleganten Kurven faszinierten Filmstars, Firmen-Tycoons und Aristokraten gleichermaßen. Romy Schneider und Toni Curtis schmückten sich bereits mit dem Mercedes 300 SL Roadster, der seit der ersten Präsentation am Genfer Autosalon im Jahr 1957 nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Insgesamt wurden nur 1.858 Exemplare dieses 300 SL gefertigt. Damals wie heute ist das Oben-ohne-Wunder für die meisten unerschwinglich. Zum Marktstart kostete das Auto 32.500 Mark. Heute erzielt das Modell bis zu 480.000 Euro. Allein in den vergangenen 14 Jahren hat sich der Wert der Rarität fast vervierfacht.

Bis zu acht Prozent Rendite im Jahr

Nicht nur Reiche können mit automobilen Schmuckstücken Geld machen. Auch zahlreiche erschwinglichere Modelle haben in den vergangenen Jahren an Wert zugelegt. Franz Jüly, Chef des Oldtimer-Händlers Oldie Point in Bruck an der Leitha: „Das am stärksten nachgefragte Preissegment liegt zwischen 20.000 und 60.000 Euro.“ Mit etwas Glück steigt der Preis. „Nach unseren Erfahrungen liegen die Wertsteigerungen jährlich bei etwa fünf bis acht Prozent“, erklärt Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic Data. Aber dieser Durchschnitt bedeutet nicht, dass es jedes Jahr so bergauf geht. Wilke: „Man muss auch damit rechnen, dass es eine Weile keine Wertsteigerung gibt.“

Nicht jede alte Rostlaube entpuppt sich als Goldschatz in der Garage. Die mobilen Klassiker müssen schon ein paar essenzielle Eigenschaften aufweisen. „Je bahnbrechender das Design und je weniger Stück davon gebaut wurden, umso teurer und werthaltiger ist ein Oldtimer“, erläutert Jüly. Generell erweisen sich Cabrios und Sportwagen als zuverlässige Käufermagneten. Die Aussicht auf hohe Preise haben vor allem Autos, die noch mit sämtlichen Originalteilen bestückt sind. Auch wie viele Vorbesitzer ein Auto hat, ist für den Preis entscheidend. „Besonders begehrt sind Oldtimer, die erst einen Vorbesitzer hatten. Diese Modelle erzielen im Schnitt einen um ein Drittel höheren Preis als der Durchschnitt.“ Ob die Vorbesitzer prominent waren, ist laut Jüly meist nebensächlich. „Nur weil beispielsweise irgendein Schauspieler einmal den Wagen besessen hat, steigt der Wert noch lange nicht. Der Besitzer müsste schon einen klingenden Namen haben wie Arnold Schwarzenegger oder Niki Lauda.“

Auch auf das Alter historischer Fahrzeuge kommt es an. „Bei einem Young­timer fallen und steigen die Preise wesentlich stärker als bei Oldtimern“, erläutert Jüly. Ein Auto wird im Schnitt nach zehn Jahren ein Youngtimer, es gibt aber große Unterschiede. „Ein Jaguar Cabrio oder ein Aston Martin wird rasch zum Youngtimer, bei einem VW Golf kann es auch 40 Jahre dauern“, so Jüly.

Deutsche Klassiker

Der Wert deutscher Klassiker ist laut den Statistiken von Classic Data in den vergangenen Jahren wesentlich stärker ­gestiegen als der Durchschnitt. Das dürfte auch so bleiben. Ein wichtiges Kriterium für die Werthaltigkeit ist die Verfügbarkeit von Ersatzteilen. So bieten deutsche Hersteller im Gegensatz zu italienischen und französischen Modellen ­quasi eine ­lebenslange Garantie auf Ersatzteile. „Deutsche Oldtimer kann man aufgrund der hohen Qualität auch für längere Fahrten nützen“, argumentiert Georg Konradsheim, Porsche-Oldtimer-Händler in Wien-Vösendorf.

Porsche 911: Sportwagen mit Potenzial

Auch innerhalb einer Marke zählen einzelne Modelle zu den Sammlerhits. „Der Porsche 911 in allen Spielarten und der 924er sind am ­beliebtesten“, weiß Konradsheim. Einen billigen 924 gibt es schon ab 7.000 Euro. Modelle in Top-Zustand kosten im Schnitt bis zu rund 30.000 Euro. Für den 911 blättert man im Schnitt 35.000 Euro hin. „Da besteht auch noch Wertsteigerungs­-
potenzial“, analysiert Jüly.

Für Porsche-Käufer ist der österreichische Markt ein besonders guter Boden. „Diese Marke ist in Österreich am billigsten“, verrät Konradsheim. Auch in der Schweiz und in Deutschland war Porsche bis vor wenigen Jahren noch günstig, aber aufgrund der hohen Nachfrage sind dort die Preise kräftig gestiegen. „Doch selbst wenn ein Oldtimer im Ausland günstiger angeboten wird, fressen die NoVA und der Transport den Preisvorteil meist auf“, erzählt Konradsheim.

Bei Mercedes sind alle Oldies der SL-Serie beliebt. Zu den Perlen zählt nach Erfahrung von Jüly das Mercedes 190 SL Cabrio. In halbwegs gutem Zustand gibt es den Schlitten ab 50.000 Euro. Erfüllt das Modell alle Wünsche, die ein Oldtimerliebhaber-Herz höherschlagen lassen, können mit dem edlen Stück auch 150.000 Euro erzielt werden. Doch je höher der Preis, umso geringer meist auch das Potenzial nach oben. Jüly: „Beim Mercedes 300 SL stagniert der Preis.“ Auch bei nicht-deutschen Marken sieht er Ertragschancen. „Ich habe ein MG Cabrio um 35.000 Euro, das zum Verkauf steht. Ich rechne in den nächsten Jahren mit einem Wertanstieg von 10.000 Euro.“ Gerade Oldtimer-Neulinge sollten aber vor dem Kauf ein Gutachten über Zustand und Wert des mobilen Klassikers einholen (siehe Tipp-Kasten). Der ÖAMTC etwa listet sämtliche Gutachter auf. Damit sollte die Grundvoraussetzung für ein langfristig solides Investment gelegt sein. Doch egal, ob die Renditeerwartungen eintreffen oder nicht: Den Fahrspaß hat man ab der ersten Minute.

Anneliese Proissl

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