Österreichs beste Vermögensverwalter

Österreichs beste Vermögensverwalter

Österreichs Reiche bunkern Milliarden schlecht verzinst am Sparbuch. Private Banker locken mit dem Umstieg in Vermögensverwaltungen, damit ihre Kunden - und auch die Banken selbst - mehr verdienen. FORMAT zeigt, wie gut die Verwalter agieren.

Nur Bares ist Wahres. Nach diesem Motto bunkert die betuchte Klientel der Private Banker oft ein Drittel ihres Vermögens auf ganz gewöhnlichen Sparbüchern. Bei der Bank Austria sind es sogar 41 Prozent. Offensichtlich stecken der werten Kundschaft immer noch die Verluste während der Finanzkrise tief in den Knochen. Doch zu Tode gefürchtet ist auch gestorben: Die mageren Zinsen decken nicht einmal die Inflation ab und führen unter Garantie zu einem Vermögensschwund.

Unter dieser Sparwut leiden auch die Private Banker: An der geringen Zinsspanne lässt sich auch bei Millionenguthaben wenig verdienen, dafür fehlen Erträge aus dem profitableren Wertpapiergeschäft. Laut einer aktuellen Studie von McKinsey unter 107 wichtigen Private-Banking-Instituten Europas ist die Gewinnspanne von 0,35 Prozent des betreuten Vermögens im Jahr 2004 auf nur noch 0,23 Prozent zurückgegangen. Jens Hagel, einer der Autoren der Studie: "In Österreich ist die durchschnittliche Gewinnmarge mit 0,22 Prozent sogar noch etwas kleiner.“

Besonders schwer tun sich Institute mit unter fünf Milliarden Euro Anlagevolumen - die in Österreich vorherrschende Größenklasse. Hier werden zum Teil sogar rote Zahlen geschrieben. Bernhard Ramsauer, Chef der Deutschen Bank Österreich: "Es werden nur die hocheffizienten Private Banker überleben.“ Die Lage könnte sich weiter zuspitzen. Capital-Bank-Vorstand Constantin Veyder-Malberg: "Neben rund 100 Milliarden Euro von inländischen Kunden werden in Österreich noch etwa 20 Milliarden aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland, verwaltet. Der grenzüberschreitende automatische Informationsaustausch ab 2015 wird dazu führen, dass ein großer Teil dieser 20 Milliarden abgezogen wird. Das wird richtig weh tun.“

Trend zur Vermögensverwaltung

Die Banken haben bereits reagiert, um ihre Einnahmen wieder auf Vordermann zu bringen. Die Zauberformel lautet Vermögensverwaltung. Hier übernehmen die Banken innerhalb eines von den Kunden gesetzten Rahmens die laufende Betreuung des Kapitals. Je nach Marktlage wird das Geld umgeschichtet, ohne den Investor zu fragen. Das hat gleich mehrere Vorteile: Erstens lässt sich das Verfahren kostenschonend standardisieren. Oft bekommen so dutzende Anleger mit ähnlichen Ansprüchen die exakt gleiche Geldaufteilung. Zweitens lässt sich auf diese Weise mehr Spargeld mobilisieren. Es ist wesentlich einfacher, einem Kunden eine gemanagte Vermögensverwaltung mit einem gewissen Aktienanteil schmackhaft zu machen als ihm einzelne Aktien zu verkaufen. Das kann letztlich in eine Win-Win-Situation münden. Die Bank verdient mehr Geld, und auch das angelegte Kapital vermehrt sich rascher. McKinsey-Experte Hagel: "Im Schnitt verdienen Kunden in der Vermögensverwaltung etwa ein bis zwei Prozent Rendite mehr als beim Anlegen auf eigene Faust.“ Der Grund: Selbstentscheider lassen sich zu sehr von Emotionen leiten und kaufen Aktien, wenn die Kurse schon stark gestiegen sind, um sie dann im Crash mit hohen Verlusten abzustoßen. Anschließend wird in einer Art Schreckstarre verharrt. Anschließende Erholungsphasen, etwa die spektakuläre Hausse seit März 2009, werden prompt verpasst.

Übrigens: Wer sein Vermögen mit System vermehren möchte, muss kein Millionär sein. Das Know-how der Private Banker können Kleinanleger auch via Fonds kaufen (siehe Tabelle ).

Lohn des Risikos

Wie die Rückschau auf die vergangenen Jahre belegt, war der Erhalt der Kaufkraft des eingesetzten Vermögens nur gegeben, wenn Investoren bereit waren, ihre Risikobereitschaft zu erhöhen. Allein mit sicheren Staatsanleihen lässt sich heuer nichts mehr verdienen. Durchschnittliche jährliche Renditen über drei Prozent brachten seit September 2003 nur Depots, bei denen der Aktienanteil zumindest 30 Prozent erreichen darf (siehe die Tabelle , die verschiedene Anlagestrategien der befragten Banken beleuchtet).

Seit 2012 hat sich die Phasenverschiebung in Richtung Börsen verstärkt. Das spiegelt der Anteil der Anlagevolumina mit erhöhtem Aktienanteil wider. So liegen bei der Erste Bank nur noch 28 Prozent der mittels Vermögensverwaltung investierten Gelder in Anlagevarianten mit einem maximalen Aktienanteil von 15 Prozent, während bereits mehr als die Hälfte des Gesamtvolumens in Varianten mit bis zu 30 Prozent Aktien investiert sind. Bei der Bank Austria entfallen rund 28 Prozent der Investments auf Depots mit erhöhten Aktienanteilen von bis zu 60 Prozent. Bei der Capital Bank vertrauen gar sieben von zehn Investoren auf Anlagevarianten mit mehr als 30 Prozent Aktien.

FORMAT hat deshalb die in Österreich tätigen Vermögensverwalter zu zwei relativ offensiven Anlagevarianten befragt. Der erste Musterfall zielt auf 50-jährige Investoren ab, die 500.000 Euro zehn Jahre lang anlegen wollen, eine jährliche Rendite von rund fünf Prozent anpeilen und einen zwischenzeitlichen Verlust von 20 Prozent verkraften können. In diesem Fall legt etwa die Bank Gutmann Investoren nahe, die Veranlagung im Vermögensverwaltungsfonds Gutmann Strategie Select Plus zu erwägen, der im Moment zu mehr als zwei Drittel in US-Aktien investiert. Gutmann-Vorstand Friedrich Strasser: "Wir setzen in dem Fonds auf Basis von Computermodellen ein ausgesprochen flexibles Modell um, in dem der Aktienanteil zwischen null und 80 Prozent variiert werden kann.“ Mit einem Aktienanteil von aktuell 47 Prozent eignet sich laut LGT das ausgewogene Portfolio zur Erreichung der Vorgaben des Musterfalls. Das trifft bei der Capital Bank auf das "Ertragsoptimierte Portfolio“ zu, bei dem bis zu 60 Prozent der Investments in Dividendenwerte erfolgen kann.

Im einem zweiten Musterfall, bei dem Anleger im Lichte der Schwäche von Staatsanleihen zu einem Depot mit einem variablen Aktienanteil von maximal 50 Prozent tendieren, rät etwa die Bank Austria zur dynamischen Variante des VermögensManagement 5Invest. Bei der Erste Bank wird das Strategieportfolio 3 dem Musterfall gerecht. Bei der RLB NÖ-Wien trifft das auf die Veranlagung Raiffeisen VIPclassic50 zu, bei der Privat Bank auf das Dynamik Mandat Portfolio 1.

Auch wenn die Aktienquoten durch die Bank steigen, bleiben Anleihen immer noch das Rückgrat in den meisten Depots. Weil die Zinsen im Keller sind, müssen die Anleger realistischerweise mit geringeren Erträgen als früher rechnen. Um so wichtiger wird deshalb die Kontrolle der Kosten. Hier bieten immer mehr Institute All-In-Gesamtpakete an, die alle Spesen bis hin zu den Konto- und Depotgebühren pauschal mit einem Prozentsatz des Vermögens abdecken.

Allerdings sollten Kunden aufpassen, dass nicht doch durch die Hintertür zusätzlich kassiert wird. Ein heißes Thema in der Branche sind "Retrozessionen“, die auch unter dem Begriff Kick-Backs laufen. Hierbei handelt es sich um Vergütungen, die Banken von externen Fondsgesellschaften als laufende Prämie für den Einsatz bestimmter Produkte erhalten. Diese Retrozessionen, die trotz rückläufiger Tendenz immer noch 13 Prozent der Gesamteinnahmen im Private Banking ausmachen, sind höchst umstritten. Einerseits können Banken dadurch verleitet werden, Produkte nach möglichst hohen Kick-Backs auszuwählen, andererseits wird diskutiert, ob nicht die heimliche Einbehaltung an Veruntreuung grenzt. Nach dem Vorreiter Capital Bank hat nun auch Wolfgang Traindl, Private-Banking-Chef der Erste Bank, die Reißleine gezogen. Traindl: "Grundsätzlich werden Retrozessionen zur Gänze den Kunden gutgeschrieben.“

Bei Fonds müssen Kick-Backs übrigens schon lange dem Anleger rückvergütet werden. Dafür ist aber die laufenden Managementgebühr oft geschmalzen und de facto nicht verhandlungsfähig. Ein Ausweg sind für Kunden mit entsprechenden Mitteln eigene Spezialfonds. Privat-Bank-Chef Helmut Praniess: "Wir bieten solche Lösungen ab drei bis vier Millionen Euro an.“ Bei eigenen Fonds werden die Gebühren naturgemäß individuell verhandelt. Außerdem sind Sonderwünsche jederzeit erfüllbar - alles nur eine Frage des Geldes.

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