Österreichs härtester Aktientest: Erster Binder, zweiter Verbund, dritter Rosenbauer

Welche Unternehmen schaffen für ihre Aktionäre tatsächlich Werte? In einer aufwendigen Analyse der wichtigsten Kennzahlen zeigte sich, welche österreichischen Konzerne erfolgreich wirtschaften und welche das Geld der Aktionäre verbrennen.

In den 90er-Jahren erzeugte Binder+Co die Stahlkonstruktion für die neue Kuppel des Berliner Reichstagsgebäudes – und wäre finanziell fast am Bau des neuen Berliner Wahrzeichens erstickt. Heute ist der steirische Maschinenbauer hoch profitabel. Der prestigeträchtige, aber kommerziell schwierige Stahlbau wurde weitgehend zurückgeschraubt. Stattdessen hat sich Binder in kurzer Zeit zum Weltmarktführer für Altglasrecycling-Anlagen hochgearbeitet. Auch an der Börse ist das Tempo beeindruckend: Das erst seit Ende 2006 in Wien notierende Unternehmen wurde jetzt Sieger im FORMAT Strategic Performance Test.

Harte Fakten unter der Lupe  
Bei dem Strategic Performance Test, der heuer zum elften Mal von FORMAT in Zusammenarbeit mit der Wiener Unternehmensberatung Contrast durchgeführt wurde, prüften die Experten die wichtigsten Börsekennzahlen von 86 Unternehmen auf Herz und Nieren. Dabei ging es nicht nur um den Kurserfolg für die Anleger – wobei naturgemäß im Vorjahr eher von mehr oder weniger Misserfolg die Rede sein konnte. Doch die reine Kursentwicklung ist ja ohnehin nur eine Momentaufnahme – mindestens ebenso wichtig ist für langfristige Investoren, wie sich die Unternehmen im Kern entwickeln. Schließlich werden diejenigen Konzerne, die wahre Werte schaffen, über kurz oder lang auch von der Börse belohnt. Deswegen ermittelten die Contrast-Experten in einer aufwendigen Bilanzanalyse Kennzahlen wie die Höhe der Eigenkapitalrendite, die Wachstumskraft und den sogenannten Return Spread. Hinter diesem Begriff verbirgt sich der wohl wichtigste Indikator, ob ein Management tatsächlich die finanzielle Substanz eines Unternehmens stärkt und aus den eingesetzten Finanzmitteln einen Mehrertrag erzielt. Diese vier Kennzahlen geben gemeinsam Antwort auf die zentralen Fragen der Anleger: Erwirtschaftet ein Unternehmen mit dem eingesetzten Kapital hohe Renditen, entwickelt es eine nachhaltige Wachstumskraft, um langfristig erfolgreich zu sein, und schafft es das Management, auch an der Börse Erfolg zu haben? Hinter Binder, dem Gewinner des Geschäftsjahres 2008, landeten Verbund und Rosenbauer auf den Plätzen zwei und drei und konnten sich am vergangenen Donnerstag im Wiener Media-Tower die Siegertrophäen abholen. Zwei der Preisträger wurden gleich doppelt prämiert. Neben der Einjahreswertung für das Jahr 2008 wurde auch in einer Dreijahreswertung ermittelt, wer zwischen 2006 und 2008 mit konstant guten Leistungen überzeugen konnte. Für den Verbund gab es in dieser Kategorie erneut Silber, für Rosenbauer sogar Gold, Bronze holte sich Andritz.

Nachhaltige Ergebnisse gefragt  
Die Ermittlung der Sieger erfolgt seit Jahren nach dem gleichen Muster. Allerdings wurde heuer ein zusätzliches, fünftes Kriterium eingeführt, das die Konstanz der Ergebnisse beurteilt. Contrast-Chef Werner Hoffmann: „Gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten wird die Nachhaltigkeit der Ergebnisse immer wichtiger. Deshalb haben wir auch eine neue Maßzahl für eine möglichst niedrige Volatilität der Entwicklung eingeführt.“ Bei einer Maximalpunktezahl von 50 pro Kriterium konnten in der Einjahreswertung bis zu 200 Punkte erreicht werden. Binder+Co liegt also mit 182 Punkten nicht weit vom Optimum entfernt. Der Maschinenbauer konnte nicht nur mit einer üppigen Eigenkapitalrendite von 44,6 Prozent punkten, sondern lag auch beim Return Spread auf Pole-Position. In der Dreijahresbenotung konnten durch den zusätzlichen Konstanz-Indikator 250 Punkte erreicht werden – allerdings fiel hier Binder durch den späten Börsenstart aus der Wertung. Sollte sich das Unternehmen weiter wie geplant entwickeln, ist ein Dreijahrespreis wohl nur eine Frage der Zeit. Die Paradesparte der Steirer, das Altglasrecycling, entwickelt sich auch heuer ausgezeichnet. Binder-Vorstand Karl Grabner: „Durch die Zugabe von Scherben kann man bei der Produktion von Glas viel Energie sparen. Und Kostenreduktion ist selbst in Zeiten, in denen es für viele Maschinenbauer schwierig ist, ein gutes Argument für neue Investitionen.“

Wasserkraft zweimal auf Platz zwei
Das Thema Energie ist naturgemäß auch das zentrale Thema der Nummer zwei, des Verbunds. Konzernchef Wolfgang Anzengruber investiert 2008 und 2009 rund eine Milliarde Euro in die Expansion und geht zusätzlich noch auf Einkaufstour – etwa mit dem 1,2-Milliarden-Euro-Deal für den Kauf von Wasserkraftwerken des deutschen Konkurrenten e.on. Für Anzengruber war das eine einmalige Gelegenheit: „In diesem Volumen kann man neue Wasserkraftwerke nicht mehr bauen.“ Der Verbund-Chef nimmt für die Chance, in der aktuellen Krise einen Wachstumssprung zu machen, auch eine höhere Verschuldung und eine Reduktion der Eigenkapitalrendite in Kauf. Statt Werten von knapp 40 Prozent sollen aber künftig „wenigstens Werte über 20 Prozent erreicht werden“.

Gutes Rezept
Eines der Erfolgsgeheimnisse, beobachtet Contrast-Chef Hoffmann, ist ein starker Kernaktionär, sei es eine private Familie oder auch – siehe Verbund – der Staat: „Ein hoher Streubesitz an der Börse bewirkt nicht zuletzt in turbulenten Börsenphasen die Gefahr erhöhter Kursschwankungen.“ Außerdem glaubt Andritz-Chef Wolfgang Leitner, dass Kernaktionäre stärker an der langfristigen Entwicklung des Unternehmens interessiert sind. Leitner, der selbst 30 Prozent an Andritz besitzt: „Manche Manager fahren ein zu hohes Risiko, weil sie die Ergebnisse kurzfristig optimieren.“ Dabei geht es um die Abwehr von feindlichen Übernahmeversuchen, die vorübergehende Schwächephasen ausnutzen, aber natürlich auch um die Erreichung hochgesteckter Ziele, um entsprechende Erfolgsprämien zu kassieren. Für Aktionäre ist der Strategic Performance Test eine wichtige Entscheidungsgrundlage, welche Aktien langfristig Potenzial haben. Contrast-Chef Hoffmann: „Wenn man die Ergebnisse früherer Jahre betrachtet, zeigt sich, dass die meisten Gewinner sehr häufig am Siegerpodest zu finden sind.“

Bilanzen besser als die Kurse  
Wann sich die Börse wieder zu alten Höhen aufschwingt, kann der Performance Test naturgemäß nicht beantworten. Klar ist aber, dass beträchtliches Potenzial besteht. So konnte ein Durchschnittsunternehmen im Jahr 2008 immerhin noch um sieben Prozent wachsen, die Top 10 sogar um 53 Prozent. Beim Return Spread als Indikator für den Substanzaufbau gab es allerdings nach langen Jahren mit zum Teil zweistelligen Prozentzahlen im Vorjahr erstmals negative Werte. Der Medianwert lag bei minus 1,1 Prozent – wobei der Median der Wert für Unternehmen ist, welche genau in der Mitte aller ausgewerteten Unternehmen liegen. Dabei lagen die operativen Ergebnisse oft noch im positiven Bereich. Sonderabschreibungen führten aber unter dem Strich zu roten Zahlen. Contrast-Chef Hoffmann: „Ich fürchte, dass die negative Entwicklung heuer noch anhält. Dabei darf man nicht vergessen, das im Vorjahr die Zahlen bis zum Sommer oft noch recht erfreulich waren.“ Wie sehr die Börse in guten wie in schlechten Zeiten zu Übertreibungen neigt, zeigt der Börsenerfolg. Laut Contrast lag der Median bei desaströsen 48 Prozent Minus – und da waren die Dividenden bereits eingerechnet. Heuer geht es dafür wieder aufwärts. In den ersten sechs Monaten des Jahres legte die Wiener Börse bereits wieder 21 Prozent zu.

Osteuropa-Faktor entscheidet  
Trotzdem bleibt die Börse bei einem ATX-Stand von gut 2.100 Punkten noch meilenweit von den ursprünglichen Höchstkursen von über 5.000 Punkten entfernt. Wann die Börse wieder dieses Niveau erreicht, hängt ganz wesentlich von der Entwicklung in den Nachbarstaaten in Zentral- und Osteuropa ab. Falls sich die Finanzkrise dort nachhaltig entspannt, wird das die Bilanzkennzahlen vieler Konzerne ganz wesentlich verbessern. Noch wichtiger ist aber die Stimmung. Erst wenn ausländische Investoren nach Wien zurückkehren, werden gute

Von Martin Kwauka

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